In Syrien wird trotz einer vereinbarten Waffenruhe nach Angaben von Oppositionellen an verschiedenen Orten weiter gekämpft. Gleich in mehreren Landesteilen habe es Auseinandersetzungen gegeben, sagte der Leiter der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Allerdings gebe es "weniger Gewalt und weniger Opfer als üblich". Oppositionsgruppen vermeldeten bis Mittag landesweit zehn Tote.
Bei einem Schusswechsel zwischen Panzern und Heckenschützen in einem Vorort der Hauptstadt Damaskus seien drei Menschen getötet worden. In einer Stadt im Norden des Landes nahe der türkischen Grenze waren nach einem Bericht eines Reuters-Journalisten vier Panzer-Salven zu hören. Nach Angaben von Rebellen wurde in der Stadt ein Kämpfer durch Heckenschützen getötet. Unter den Kämpfern sollen auch Anhänger der Terrorgruppe Al-Nusra-Front sein, die die Waffenruhe ablehnen.
Zuvor hatte die oppositionelle Beobachterstelle für Menschenrechte in Syrien berichtet, Rebellen versuchten, den strategisch wichtigen Militärstützpunkt Wadi al-Deif zu stürmen. Die Truppen von Präsident Bashar al-Assad hätten zudem ein Dorf in der Nähe mit Artillerie beschossen. Viele Angaben aus Syrien können kaum überprüft werden, weil Journalisten der Zugang weitgehend versperrt ist.
Wie der türkische Nachrichtensender NTV berichtete, war der Gefechtslärm aus Syrien am Vormittag auch in der türkischen Grenzprovinz Hatay zu hören gewesen. Außenminister Ahmet Davutoglu erklärte unterdessen, er hoffe, dass die vom internationalen Syrien-Vermittler Lakhdar Brahimi ausgehandelte Waffenruhe den Beginn einer neuen Phase in Syrien einläute.
Aktivisten riefen zu Demos auf
Landesweit riefen Aktivisten zu Demonstrationen gegen das Assad-Regime nach dem Freitagsgebet auf. In einigen Regionen werde schon demonstriert, hieß es. Dabei gab es nach Oppositionsangaben in den frühen Morgenstunden einen Zwischenfall in der südlichen Provinz Daraa, wo Streitkräfte auf Demonstranten schossen.
Nach mehreren Rebellen-Gruppen hatten auch die syrischen Streitkräfte am Donnerstag einem Vorschlag Brahimis zugestimmt, zum Opferfest der Muslime (Eid al-Adha) die Waffen von Freitag bis Montag schweigen zu lassen.
Beide Seiten im Syrien-Konflikt hatten vor Inkrafttreten der viertägigen Waffenruhe aus Anlass des muslimischen Opferfestes angekündigt, sie fühlten sich nicht an die Vereinbarung gebunden, wenn die jeweilige Gegenseite weiter angreife oder die Kampfpause für Verstärkungen und andere militärische Vorbereitungen nutze. Bisherige Versuche, in Syrien eine Waffenruhe durchzusetzen, waren seit Ausbruch der Unruhen im März 2011 immer wieder gescheitert.