Die syrische Opposition ist von der Genfer Syrien-Konferenz so enttäuscht, dass sie jetzt verstärkt auf den bewaffneten Kampf setzt. "In der Erklärung von Genf steht nichts Neues", sagte Bassam Ishak vom Syrischen Nationalrat (SNC) am Sonntag dem Nachrichtensender Al-Arabiya. Die Opposition werde deshalb künftig vorrangig den bewaffneten Kampf der Deserteure unterstützen. Der frühere UN-Generalsekretär Annan hatte am Samstag verkündet, die verhandelnden Staaten in Genf hätten dem Plan einer neuen Regierung für Syrien zugestimmt.
Die Deserteure sollen bereits 60 Prozent des Staatsgebietes unter ihre Kontrolle gebracht. "Wir verlassen uns darauf, dass sie auch die restlichen Gebiete von der Diktatur befreien werden", sagte Ishak. Die Opposition kritisiert vor allem, dass die Teilnehmer der Genfer Konferenz nicht explizit eine Entmachtung von Präsident Assad gefordert hatten. Die von Ishak erwähnte "Kontrolle" der Deserteure ist in der Regel nur so lange Realität, bis die Armee mit Panzern und Hubschraubern anrückt.
Bombenexplosion während Trauerfeier
Unterdessen kostete die Explosion einer Bombe während einer Trauerfeier in Syrien Dutzende von Menschen das Leben. Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter berichtete am Sonntag, dem Anschlag in Samalka bei Damaskus seien am Samstag mindestens 41 Menschen zum Opfer gefallen. Andere Aktivisten sprachen von 75 Toten und 150 Verletzten. Sie veröffentlichten im Internet ein Video, das ihren Angaben zufolge den Zeitpunkt der Explosion zeigt. Landesweit sollen am Samstag rund 100 Menschen von den Truppen des Regimes getötet worden sein.
Am Sonntag meldeten Regimegegner Kämpfe in Deir as-Saur, Aleppo und Homs. In Halfaja seien drei Männer und zwei Frauen erschossen worden. In Beir Sawa im Umland von Damaskus seien Dutzende von Zivilisten verletzt worden, als ihre Häuser mit Panzergranaten beschossen wurden.
Türkei lässt Kampfjets aufsteigen
Unterdessen hat die Türkei mit dem Einsatz von Kampfjets an der Grenze zu Syrien militärische Stärke demonstriert. Nachdem sich syrische Hubschrauber dem Grenzverlauf genähert hätten, seien insgesamt sechs Flugzeuge vom Typ F-16 aufgestiegen, teilten die türkischen Streitkräfte am Sonntag mit. Die syrischen Helikopter hätten den türkischen Luftraum aber nicht verletzt.
Assad als Stolperstein
Der Streit über die Zukunft von Präsident Bashar al-Assad verhindert weiter eine gemeinsame Haltung des UN-Sicherheitsrats im Syrien-Konflikt. Zwar sind sich die fünf ständigen Mitglieder darin einig, dass Angehörige der bisherigen Führung und der Opposition eine Regierung der nationalen Einheit zur Beendigung des Blutvergießens bilden sollen.
Die Westmächte interpretierten jedoch das Ergebnis einer vom Sondergesandten Kofi Annan einberufenen internationalen Syrien-Konferenz am Samstag in Genf als Aufforderung an Assad, den Hut zu nehmen. Assads wichtigster Verbündeter Russland verkündete das genaue Gegenteil.