Die Vereinten Nationen haben dem Vernehmen nach einen neuen Sondervermittler im Syrien-Konflikt: Laut der russischen Agentur Interfax wird der algerische Krisendiplomat Lakhdar Brahimi (78) den scheidenden Vermittler Kofi Annan ablösen. Das habe die Agentur aus Diplomatenkreisen in New York erfahren. Brahimi war einst einer der engsten Mitarbeiter des ehemaligen UN-Generalsekretärs Annan. Indes verliert Präsident Assad in seinen Reihen an Rückhalt. In nächster Zeit stünden "weitere spektakuläre Überläufe" bevor, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius. Trotz des neuen Vermittlers, wird die Beobachtermission der UNO in Syrien beendet.
Aus westlichen Diplomatenkreisen in New York hieß es, dass Brahimi grundsätzlich zugesagt habe, aber noch mit dem UN-Sekretariat über Einzelheiten seines Mandats spreche. Die Verhandlungen gestalten sich offenbar zäher als gedacht. Schon kurz nach Annans Rückzug am 2. August hatte die UN angekündigt, "sehr bald" einen Nachfolger vorstellen zu wollen. Zwei Wochen später gab es zunächst aber immer noch keine Mitteilung und auch keine offizielle Bestätigung der UN über Brahimis Zusage.
Der ehemalige UN-Generalsekretär Annan hatte Anfang August seinen Rückzug für Ende des Monats angekündigt. Zur Begründung nannte er die mangelnde Friedensbereitschaft der Konfliktparteien in Syrien und die Uneinigkeit der Vetomächte im Weltsicherheitsrat. Dort hatten Russland, ein enger Verbündeter des Assad-Regimes, und China drei kritische Syrien-Resolutionen scheitern lassen.
Weiter heftige Kämpfe
Die syrische Hauptstadt Damaskus ist unterdessen Freitag früh von Explosionen erschüttert worden. Sie rührten von Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Aufständischen in der Nähe eines Militärflughafens, wie Aktivisten berichteten. In der umkämpften nördlichen Großstadt Aleppo verstärkten die Truppen des Regimes von Bashar al-Assad den Artilleriebeschuss. Dabei würden sie nun auch besonders großkalibrige Geschoße einsetzen, sagte ein örtlicher Rebellenkommandant. Die Kämpfe um Aleppo dauern seit fast vier Wochen an. Keine der Seiten konnte bisher eine entscheidende Wende herbeiführen.
Die Bevölkerung im eleganten Grünviertel Al-Messe in der syrischen Hauptstadt Damaskus sei verängstigt und schockiert, berichteten Aktivisten. Auch von der südlichen Peripherie der Hauptstadt wurden Kämpfe gemeldet.
UN-Beobachter ziehen ab
Der UNO-Sicherheitsrat besiegelte indes das endgültige Ende der Beobachtermission in Syrien (UNSMIS). Das Mandat läuft damit an diesem Sonntag um Mitternacht aus und wird nicht verlängert. Stattdessen soll es ein Verbindungsbüro in Damaskus geben, in dem rund 30 bis 40 Menschen arbeiten sollen. Russland kündigte für den Freitag (Ortszeit) ein Treffen der Syrien-Aktionsgruppe - bestehend aus den Veto-Mächten im Sicherheitsrat und arabischen Ländern - an.
Nach UNO-Angaben sind inzwischen 2,5 Millionen Menschen in Syrien auf Hilfe angewiesen. Seit Beginn des Syrienkonflikts im März 2011 starben nach Schätzungen der Vereinten Nationen mindestens 18.000 Menschen, Oppositionsgruppen sprechen längst von mehr als 20.000 Toten. 150.000 Menschen flohen nach laut der Vereinten Nationen in Nachbarländer.