Showdown in Syriens größter Stadt Aleppo. Zahlreiche Beobachter erwarten am Freitag einen entscheidenden Kampf um die Handelsmetropole im Nordwesten des Landes. Aktuellen Meldungen zufolge beschießt die syrische Armee bereits seit den Morgenstunden aus Kampfhubschraubern Viertel im Süden der Stadt. Im Zentrum werde nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Boden gekämpft. Die USA warnen vor einem Massaker, die regierungsnahe Zeitung "Al-Watan" spricht von der "Mutter aller Schlachten".
Die Armee werde weiter "Terroristen" aufspüren und "vernichten" und dann werde Syrien die Krise überwinden, schrieb die Zeitung. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, warnte, das "Regime" von Staatschef Bashar al-Assad scheine ein Massaker zu planen. Es gebe "glaubhafte Berichte über Panzerkolonnen", die vor der Stadt zusammengezogen würden. Die Armee setze inzwischen zudem nicht mehr nur Kampfhubschrauber, sondern auch Flugzeuge ein. "Unsere Herzen sind bei den Menschen in Aleppo", sagte Nuland.
Rebellen bereiten sich vor
Angesichts des Vormarschs der Rebellen in Aleppo in den vergangenen Tagen plant die syrische Armee nach Angaben aus Sicherheitskreisen am Freitag oder Samstag eine Gegenoffensive. "Die militärische Verstärkung ist in Aleppo eingetroffen, wir rechnen jeden Moment mit einer großangelegten Offensive", sagte ein Sprecher der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA). Demnach schickte die Armee rund hundert Panzer nach Aleppo. Hunderte Kämpfer der Rebellen errichteten Blockaden aus Sandsäcken und richteten Feldlazarette ein, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Quer über einer Zufahrtstraße wurde ein Bus gestellt, um diese zu blockieren.
Dreijähriger erschossen
Landesweit wurden am Donnerstag der Beobachtungsstelle in London zufolge bei Kämpfen in der Hauptstadt Damaskus, in Aleppo und in anderen Städten mindestens 121 Menschen getötet. Unter den Toten waren demnach mindestens 64 Zivilisten. Syrische Soldaten haben nach jordanischen Angaben am Freitag das Feuer auf eine Gruppe von Flüchtlingen eröffnet und dabei einen dreijährigen Buben erschossen. Der Knabe erlag sofort seiner Schussverletzung am Hals.
Erstmals ist unterdessen ein syrisches Parlamentsmitglied in die Türkei geflohen. Die Abgeordnete Ikhlas al-Badawi erklärte am Freitag im Fernsehsender Sky News Arabia, sie habe sich abgesetzt, um dem "tyrannischen Regime" von Assad und seiner seit fast 50 Jahren herrschenden Baath-Partei zu entkommen.