Das erinnert schon fast an Stalingrad. Ähnlich wie im wohl bekanntesten Häuserkampf der Geschichte geben die Rebellen in Syrien an, dass nur jeder Zweite ihrer Kämpfer eine Waffe hätte. Damals gab es die Losung an die Kämpfer der Roten Armee, sich von gefallenen Feinden eine Waffe zu organisieren. Die Taktik der Freien Syrischen Armee (FSA) ist nicht viel anders, auch sie versuchen, Waffen von ihren Gegnern zu organisieren.
Die Rebellen haben im Grunde keine Chance gegen die waffenstrotzenden Streitkräfte von Präsident Bashar al-Assad. Über Panzer, Kampfjets und Hubschrauber verfügen die Aufständischen nicht. Zu ihrem Waffenarsenal zählen Schnellfeuergewehre, Sprengstoff, Blitzkommandos - und psychologische Kriegsführung.
"Ich habe den Oberbefehl über 12.000 Mann", sagt der Rebellenchef in der zentralsyrischen Provinz Hama, der sich den Kampfnamen Abu Ahmed zugelegt hat. "Nur die Hälfte von ihnen hat eine Waffe", fügt der FSA-Kommandeur hinzu. "Sie reichen ihre Kalaschnikows reihum weiter." Woher die vorhandenen Waffen im Einzelnen stammen, ist nicht leicht nachzuvollziehen. Nach ihrem eigenen Bekunden kaufen die FSA-Rebellen ihre Kampfausrüstung selbst, sofern sie sie nicht als Deserteure mitbringen oder den Regierungstruppen entringen.
Es fehlt am Nötigsten
"Es fehlt uns an allem", sagt Abu Ahmed. Keine panzerbrechenden Waffen, keine Flugabwehr. Was unter solchen Bedingungen jedoch funktioniert, ist der Guerilla-Kampf, der auch andernorts schon große Armeen ins Wanken brachte. "Was wir einsetzen können, sind Minen und Scharfschützen", sagt der Rebellenchef. "Wir zermürben kleine Gruppen von Soldaten, nehmen sie gefangen oder erschießen sie und eignen uns ihre Waffen an."
Einer der FSA-Offiziere führt Videos vor, die von seinen Leuten gedreht wurden. Zu sehen sind Allrad-Fahrzeuge der syrischen Armee, die über eine breite Straße donnern. Plötzlich gibt es Explosionen am Straßenrand, Splitter fliegen durch die Luft. "Wir haben Minen gebaut und in Serie geschaltet", sagt der Offizier namens Abu Abdo. Die Sprengsätze seien ferngezündet worden.
In der Bergkette Jabal Shashabu, welche die Ebene von Hama säumt, haben sich Abdallah Turk und seine 40 Kämpfer verschanzt. "Wir umzingeln Kontrollposten, wenn sie in Unterzahl sind", sagt der FSA-Kommandeur. "Wir fordern sie über Lautsprecher auf, sich zu ergeben - manchmal tun sie es, manchmal nicht..." Was im zweiten Fall geschieht, will Turk nicht näher beschreiben. Erst am 18. Juli habe die FSA bewiesen, wie weit ihre Arme reichen: Bei einem Selbstmordanschlag im Zentrum von Damaskus wurden Verteidigungsminister Daud Rajha und dessen Stellvertreter Assef Shaukat getötet.