Symbol der Unmenschlichkeit: Gefängnis Abu Ghraib seit Jahrzehten Ort des Leids

Traurige Berühmtheit durch Folterskandal 2004 40 Häftlinge in vier mal vier Meter kleinen Zellen

Das Gefängnis von Abu Ghraib ist in den vier Jahrzehnten seines Bestehens zu einem Symbol für Unrecht und Grausamkeit im Umgang mit Gefangenen geworden. Ins Blickfeld der internationalen Medien rückte die Haftanstalt bei Bagdad erst im April 2004, als US-Medien Fotos veröffentlichten, die amerikanische Soldaten bei der Misshandlung und Erniedrigung irakischer Gefangener zeigten. In der arabischen Welt wie auch im Westen lösten die Bilder einen Sturm der Entrüstung aus. Das Image der USA und ihrer Streitkräfte erlitt nachhaltigen Schaden.

Schon vor der US-Invasion 2003 war Abu Ghraib ein Ort unsagbaren Leids. Der Herrschaftsapparat des irakischen Baath-Regimes von Saddam Hussein nutzte das in den sechziger Jahren von britischen Baufirmen errichtete Gefängnis zur Internierung von Oppositionellen, für Folterungen, Exekutionen und grausame "medizinische" Menschenversuche. In den letzten Jahren unter Saddam Hussein waren auf dem 115 Hektar großen Gelände nach Informationen des unabhängigen US-Politikinstituts globalsecurity.org bis zu 15.000 Häftlinge untergebracht. Jeweils 40 von ihnen waren in einer der vier mal vier Meter großen Zellen eingesperrt.

Kurz vor dem Einmarsch der US-geführten Truppen 2003 wurden die meisten Häftlinge freigelassen. Die US-Streitkräfte nutzten die von Stacheldraht umgebene, mit Wachtürmen ausgestattete Anstalt als Gefängnis für verdächtige Iraker. Mehr als 3000 Iraker wurden dort zeitweise festgehalten. Im vergangenen Jahr baute die US-Armee zwei neue Zellentrakte und vergrößerte die Fläche dadurch um 25 Prozent. Das Abu-Ghraib-Gefängnis liegt in der gleichnamigen Vorstadt 20 Kilometer westlich von Bagdad an der Verbindungsstraße nach Jordanien. US-Soldaten haben aber nicht nur im berüchtigten Abu-Ghraib-Gefängnis gezielt Gefangene misshandelt. Dies geht aus einem 1.200 Seiten umfassenden Dokument hervor, das das Pentagon veröffentlichte. Auch in Mosul kam es zu derartigen Misshandlungen. (apa)