"Swider" ist schon ganz heiß aufs Fliegen: Widhölzl am Kulm einer der Top-Favoriten

Optimismus: "Ich weiß, dass es mich gut tragen wird" Auch Morgenstern will in Bad Mitterndorf eine Medaille

Der Kulm ist eines der liebsten Flugreviere von Andreas Widhölzl. Der 29-jährige Tiroler nimmt die Skiflug-WM in Bad Mitterndorf/Tauplitz in entsprechend positiver Stimmung in Angriff. Misserfolge der bisherigen Saison hat er abgehakt, der Vize-Weltmeister von 2000 weiß um seine Stärke auf den größten Sprungschanzen. "Das Skifliegen kommt meinem Stil optimal entgegen, Form und Material passen, ich werde es genießen", sagte Widhölzl am MIttwoch im Teamhotel am Grundlsee.

Bei der WM-Generalprobe vor einem Jahr hat Widhölzl einen Sieg gefeiert und ein Mal Platz zwei belegt, die Titelkämpfe 2006 - zehn Jahre nach dem Sieg von Andreas Goldberger - sind für ihn trotz Olympia der Saisonhöhepunkt. "Beim Fliegen sind meine Chancen sicher höher, bei den Winterspielen kann man viele Faktoren wie den Wind noch nicht abschätzen" erklärte der dreifache Familienvater, dessen Gattin mit der jüngsten, achtmonatigen Tochter zum Kulm kommen wird.

Skifliegen übt auf Widhölzl enorme Faszination aus, auch als Zuschauer könnte er sich daran begeistern. "Wenn man bei der 185-m-Marke steht und sieht, was da abgeht, dann ist das enorm spektakulär", machte der heimische Mitfavorit Werbung für seinen Sport. Die Spannung sei beim Fliegen noch größer als auf normalen Schanzen. Bei der WM am Kulm sieht Widhölzl neben seinem Topfavoriten Janne Ahonen (FIN) eine große Zahl von Anwärtern auf Edelmetall. "Acht Leute springen um den Titel, da wird es sicher schwierig, eine Medaille zu machen."

Bei der WM 2004 in Planica hat das ÖSV-Team die Fans mit Bronze für das schwache Einzel-Abschneiden versöhnt, doch in der Heimat will es er Team-Leader nicht auf den letzten Tag ankommen lassen. "Am Kulm will ich nicht nur eine Team-Medaille, zuerst kommt der Einzelbewerb", gibt sich Widhölzl im Bewusstsein seiner Klasse kampfeslustig. "Ich weiß, dass es mich gut tragen wird."

ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner hat nach der Tournee mit seinen Springern die Schwächen analysiert und sieht alle auf einem guten Weg. Das Abschlusstraining in Bischofshofen habe Positives bewirkt. "Jetzt möchte ich die Freude und Freiheit in den Sprüngen im Wettkampf umgesetzt sehen", sagte der Team-Weltmeister-Coach. "Ich bin sicher, dass wir bei der Vergabe der Medaillen ein Wort mitreden werden."

Das Potenzial für einen Spitzenplatz hat auch Thomas Morgenstern. "Das Ziel ist ein Platz ganz vorne, denn nur einen Medaille zählt bei einer WM", sagte der 19-jährige Kärntner. Doch in Gesprächen mit dem Team-Psychologen Christian Uhl hat er gelernt, sich nicht selbst unter übergroßen Druck zu setzen. "Es gibt keinen Zwang, dass es hier klappen muss, ich habe noch viele Jahre vor mir." In Bischofshofen habe er "lässige Trainingssprünge" absolviert, sagt Morgenstern. Wenn er vom ersten Training an ins Fliegen kommt, ist für den Youngster viel möglich. Morgenstern: "Das Wichtigste ist, dass es vom Kopf her passt."

(apa/red)