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Sully: Ein Film wie sein Held

Warum Clint Eastwoods Hommage an den "Held vom Hudson" so gelungen ist

Sully © Bild: Courtesy of Warner Bros. Pictures

Er ist der „Held vom Hudson“: Chesley Sullenberger, der Pilot, der im Jänner 2009 ein Flugzeug mitten im New Yorker Fluss landete und damit 155 Personen das Leben rettete. Doch ein gefeierter Held war er nicht für alle, musste er anfangs seine Tat sogar noch rechtfertigen.

15. Jänner 2009: Ein Airbus hebt vom New Yorker Flughafen La Guardia ab. Nach wenigen Minuten gerät die Maschine jedoch in einen Schwarm Gänse und der Aufprall lässt beide Triebwerke gleichzeitig ausfallen. Der Kapitän, Chesley Sullenberger, reagiert innerhalb von Sekunden und landet das Flugzeug im Hudson River. Auch sein Co-Pilot Jeff Skiles und die drei Flugbegleiterinnen handeln wie im Lehrbuch und wie durch ein Wunder überleben alle 150 Passagiere und die fünf Crewmitglieder.

Sully
© Courtesy of Warner Bros. Pictures

Dieses Ereignis ging als das „Wunder vom Hudson“ in die Geschichtsbücher ein, Kapitän Sullenberger, „Sully“, erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen für seinen Verdienst. Doch während die Öffentlichkeit Sully schon zu ebendiesem Helden machte, wurde der Fall sofort nach dem Ereignis vom National Transportation Safety Board (NTSB) untersucht. Und nach den ersten Ansichten der Behörde war Sullys Tat das Gegenteil jener eines Helden. Wieder und wieder musste er sich verteidigen und erklären, warum er die Maschine nicht zum Flughafen zurückflog. Diese Untersuchungen hätten beinahe den Ruf und die Laufbahn von Kapitän Sullenberger ruiniert.

Sully
© Courtesy of Warner Bros. Pictures Sully (Hanks) und sein Co-Pilot Jeff Skiles (Aaron Eckhart)schauen auf die sinkende Maschine

Der zerrissene Held

Genau diesen – relativ unbekannten – Aspekt griff Hollywood-Altmeister Clint Eastwood nun in seinem neuen Film „Sully“ auf. Er legt den Fokus weniger auf den Beinahe-Absturz oder gar Einzelschicksale der Passagier als auf den Kapitän. Und der ist während dieser Tage von einer inneren Zerrissenheit gezeichnet. Die Welt, die Medien feiern ihn als großen Helden, als neuen Superstar, die Sicherheitsbehörde will aber nicht an diese Heldentat glauben, so scheint es. Sully, mit viel Empathie von Tom Hanks verkörpert, kann nicht schlafen und wenn doch, hat er Alpträume über das, was hätte passieren können. Er fängt selbst an, an seiner Entscheidung, das Flugzeug im Fluss zu landen, zu zweifeln.

Sully
© Courtesy of Warner Bros. Pictures

Großartig porträtiert Eastwood hier diese innere Zerrissenheit. Immer und immer wieder poppt die Frage – beim Kapitän, bei seiner Umgebung, beim Zuseher – auf: Wäre eine sichere Landung am Flughafen doch möglich gewesen? Tom Hanks läuft vielleicht einmal zuviel um den Block in Manhattan und runzelt dabei einmal zuviel die Stirn, doch das kann nicht an der Tatsache rütteln, dass Eastwood hier ein großartiger Film gelungen ist. Und zwar weil dieser trotz der für Hollywood aufgelegten Geschichte eben nicht zum großen Drama wird, das den Zuschauer im Emotionen-Karussell schwindlig werden lassen könnte, sondern es im Gegenteil schafft, trotz dieses Dramas die Ruhe zu bewahren. Ganz wie sein Protagonist. Ganz groß.

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