Streit ums Fußball-Programm: Weiter Stimmungstief zwischen Premiere & ATVplus

Pay-TV-Sender stößt sich an Übertragung via Handy Weiter Nein zum ORF - Aber Gespräche mit dem ÖSV

Um die Chemie zwischen den Bundesliga-Fernsehpartnern Premiere und ATVplus ist es nach wie vor nicht besonders gut bestellt. Per einstweiliger Verfügung will Premiere dem österreichischen Privatsender verbieten, (Fußball-)Programm fürs Handy an Hutchison (Drei) und Mobilkom (A1) weiterzugeben, sagte Carsten Schmidt, Sport-Vorstand des Abosenders. ATVplus habe keine Rechte für mobile Endgeräte. Bei ATVplus sieht man das anders.

"Sie geben etwas weiter, das ihnen für diese Weitergabe nicht gehört", so Schmidt. "Die Rechte liegen bei uns." ATVplus dagegen wendet ein: Mobilkom habe eine Kabel-Lizenz, man dürfe die Signale an sie daher ebenso weitergeben wie an Kabel-TV-Unternehmen. Mit Drei habe man derzeit keinen Vertrag. Die einstweilige Verfügung sei eingegangen, bestätigte ein ATVplus-Sprecher. Noch aber laufe die Stellungnahmefrist.

Zwischen den beiden Sendern kracht es schon länger im Gebälk. Zuletzt ging es um den Zeitpunkt der Fußball-Berichte auf ATVplus. Dort würde man das "Volltreffer"-Magazin gerne früher zeigen, dazu sagt Premiere-Vorstand Georg Kofler laut und deutlich nein. "Gespräche gibt es derzeit keine", so Schmidt. "Wir sind schon sehr negativ überrascht über die Ausführungen von Dr. Kloiber und dass man uns droht, keine Rechnungen mehr zu zahlen."

ATVplus-Hauptgesellschafter Herbert Kloiber hatte gedroht, die Zahlungen einzustellen, wenn es keine Einigung geben werde. "Dann werden eben die Gerichte festlegen, was angemessen ist", so Kloiber vor einigen Wochen. Dieser "Konfrontationskurs" könnte tatsächlich Klagen nach sich ziehen, meinte dazu Schmidt.

"Die Antwort heißt nicht ORF"
Dennoch: "Wir glauben an ATVplus", betonte er mehrmals. Auch für die Neuausschreibung der Rechte, die kommendes Jahr wieder vergeben werden. Allerdings diskutiere man mit der Bundesliga auch den "Worst Case", wobei eine Partnerschaft mit dem Küniglberg jedoch nicht im Bereich des Möglichen zu liegen scheint. "Die Antwort heißt nicht ORF", sagte Schmidt. Für die Free-TV-Rechte der Champions League gibt es auf DSF demnächst "Champions TV" - diese Marke sei "keine nur für Deutschland eingetragene", ließ der langjährige Sportchef von Premiere mögliche Alternativen durchblicken.

Genau beobachtet hat man in den vergangenen Wochen, wie der ORF die Auflagen des Bundeskommunikationssenats (BKS) für die Fußball-Kurzberichterstattung einhält. Derzeit hat Premiere keinen Grund zur Klage: "Wir werten das sekundengenau aus und nehmen zur Kenntnis, dass der ORF dieses Urteil, das ja sehr kreativ ist, nicht kreativ umsetzt, und das finden wir schon sehr bemerkenswert." Mit Einsprüchen gegen den BKS ist dennoch zu rechnen, wobei Premiere derzeit vor allem die Liga am Zug sieht, die aber erst Parteienstatus erlangen muss.

Deutsche Bundesliga bald übers Internet?
In Deutschland hat Premiere andere Sorgen: Noch ist nicht klar, ob die dortige Bundesliga überhaupt beim Pay-TV-Sender zu sehen sein wird, gingen die Rechte doch an ein Kabel-Konsortium. Schmidt versprüht aber Optimismus: "Wir reden mit allen Parteien und glauben, dass es im März zu wesentlichen Vorentscheidungen kommen kann." Eine Möglichkeit: Premiere wird Telekom-Partner und strahlt die Spiele über Internet, genauer gesagt den technischen Standard IPTV, aus. Bei den deutschen Abonnenten gebe es eine hohe Durchdringung mit dem Breitband-Anschluss DSL, so Schmidt. Aber "wir sprechen sowohl mit den Kabelnetzbetreibern als auch mit der Telekom. Letztendlich würden wir uns natürlich freuen, wenn wir uns das Bessere aussuchen können."

Premiere will gespräche mit dem ÖSV
Mit Fußball, Basketball und Eishockey sieht Schmidt Premiere in Österreich derzeit gut aufgestellt. Den Skizirkus hätte man aber noch gerne im Programm. Der Vertrag zwischen ORF und ÖSV läuft über zehn Jahre, was nach Ansicht von Premiere "gelinde gesagt nicht ganz üblich ist". Diese Ansicht hat man schon vor geraumer Zeit der österreichischen Wettbewerbsbehörde übermittelt, nun soll es bis Ende März Gespräche mit ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel geben. Über Details will sich Premiere aber nicht äußern.

(apa/red)