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Stiefbruder erschossen: Mordprozess delegiert

Verhandlung findet in Korneuburg statt, da in Wien "Anschein möglicher Befangenheit"

Der mittlerweile 45 Jahre alte Banker, der am 18. September 2015 in seiner Wohnung in Wien-Währing seinen um zwei Jahre jüngeren Stiefbruder erschossen haben soll, wird sich im Landesgericht Korneuburg wegen Mordes verantworten müssen. Die Verhandlung, für die an sich das Wiener Landesgericht für Strafsachen zuständig wäre, wurde verlegt.

In Wien wäre "der Anschein einer möglichen Befangenheit gegeben", teilte Friedrich Forsthuber, der Präsident des Wiener Grauen Hauses, am Mittwoch auf APA-Anfrage mit. Das Wiener Oberlandesgericht (OLG) habe daher die Verhandlung nach Korneuburg delegiert - "vernünftigerweise, weil in diesem Fall schon die Staatsanwaltschaft Korneuburg die Ermittlungen geleitet und die Anklage eingebracht hat", sagte Forsthuber.

Hintergrund der möglichen Befangenheit der gesamten Wiener Richterschaft: Der Angeklagte war von Juni 2010 bis Jänner 2015 mit einer bei der Wiener Anklagebehörde tätigen Staatsanwältin verheiratet, die natürlich auch den im selben Gebäudekomplex untergebrachten Strafrichtern bekannt ist. In der Person der Staatsanwältin erblickt die Mordanklage auch das mögliche Motiv für die angenommene vorsätzliche Tötung. Der Angeklagte dürfte davon ausgegangen sein, dass diese mit seinem Stiefbruder ein sexuelles Verhältnis hatte, wofür es insofern keine Beweise gibt, als die Staatsanwältin, ihr Umfeld und auch die Angehörigen sowie der Freundes- und Bekanntenkreis des zu Tode gekommenen 42-Jährigen im Ermittlungsverfahren ein solches entschieden in Abrede gestellt bzw. nicht mitbekommen haben.

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