Mit dem Beginn der Vorbereitung auf die EURO 2008 rückt auch die Rolle von Roger Spry immer mehr in den Mittelpunkt. Der Engländer arbeitet seit Oktober 2006 als Conditioning Coach für den ÖFB, führte neue, unkonventionelle Trainingsmethoden ein und verordnete den österreichischen Fußball-Teamspielern seit Amtsantritt regelmäßig Individualprogramme.
Der 57-Jährige hat nun die ÖFB-Kicker erstmals über mehrere Wochen zur Verfügung und will Andreas Ivanschitz und Co. in dieser Zeit optimal auf die Heim-EM vorbereiten.
APA: Vor einigen Monaten sagten Sie, dass die verschiedenen Komponenten ihrer Arbeit in der EM-Vorbereitung ineinandergreifen werden. Ist dies schon passiert?
Spry:
"Es wird passieren. Wenn man die Spieler immer nur drei oder vier Tage beisammen hat, kann man nicht wirklich mit ihnen arbeiten. Jetzt aber können wir die Resultate der Individualprogramme sehen und alles zu einem intensiven Paket zusammenschnüren. Ich kann jetzt alles kontrollieren, weil ich die Spieler im Gegensatz zum Rest der Saison lange bei mir habe und kann mit jedem Spieler an einer
Steigerung arbeiten."
APA: Ist es für Sie eine neue Situation, ein Nationalteam auf ein großes Turnier vorzubereiten?
Spry: "In der Vergangenheit habe ich meistens mit Clubs zusammengearbeitet, was nicht mit Nationalteams zu vergleichen ist. Ich habe aber 1994 Kuwait fünf Wochen auf den Golf-Cup vorbereitet und wir haben ihn gewonnen. Die Arbeit, die wir beim ÖFB machen, ist erfolgreich getestet, und auch wenn eine EM nicht mit dem Golf-Cup zu vergleichen ist, bin ich dennoch überzeugt, dass wir viele Leute überraschen werden."
APA: Reicht die Zeit bis zur EM, um die Fitness der Teamspieler noch entscheidend zu verbessern?
Spry: "Wir arbeiten derzeit am Fine-Tuning, das heißt, wir haben einen Ferrari, der zwar sehr schnell ist, an dem wir aber noch kleine Verbesserungen vornehmen. Es gab nie ein Problem mit der Fitness der Spieler und ich arbeite auch nicht an der Fitness, denn die ist - wie uns die Test-Ergebnisse zeigten - gut, besser zum Beispiel als jene von Spielern von Aston Villa oder Sporting Lissabon und nur ein bisschen hinter den Milan-Spielern. Wir arbeiten daran, die Leistung der Spieler zu steigern und ihnen beizubringen, ihre Fitness effizient zu nützen."
APA: Wie viel Prozent der physischen Leistungsfähigkeit der Spieler bei der EM werden dann auf Ihr Konto gehen?
Spry: "Sehr wenig, denn ich bin beim ÖFB kein Fitness-Coach. An der Fitness der Spieler arbeiten die Club-Trainer, die ihre Spieler zehn Monate im Jahr zur Verfügung haben. Mein Job ist, an der Performance der Spieler zu arbeiten. Das ist etwas ganz anderes, da geht es darum, wie sie sprinten, stoppen, springen, sich umdrehen und so weiter."
APA: Nach der EURO endet ihr ÖFB-Engagement. Wissen Sie schon, was Sie danach machen werden - wieder ein Nationalteam betreuen oder mit einem Verein arbeiten?
Spry: "Mit einem Nationalteam zu arbeiten ist ein bisschen frustrierend, weil ich die Spieler nur selten zur Verfügung habe. Auf der anderen Seite ist es wieder reizvoll, die besten Spieler eines Landes versammelt zu haben. Wie es nach der EM weitergehen wird, weiß ich aber noch nicht. Ich habe fünf oder sechs Angebote, doch ich beschäftige mich nicht damit, weil meine ganze Konzentration auf die EURO ausgerichtet ist."
(apa/red)