Springreiten: Positiver Dopingtest bei Dreifach-Saisonsieger Thomas Frühmann!

Diuretikum als Teil eines Herzmedikamentes

Österreichs derzeit erfolgreichster Springreiter, Thomas Frühmann, hat einen positiven Dopingtest abgegeben. Dem 55-Jährigen, der nach drei Siegen in vier Weltcup-Springen in Genf, Leipzig und Vigo Gesamt-Weltcup-Zweiter ist, wurde bei einer Routine-Kontrolle durch den Internationalen Reitverband (FEI) Ende Dezember in London das Diuretikum Hydrochlorothiazide nachgewiesen. Die von Frühmann angeforderte B-Probe ist ebenfalls positiv, wie der Wiener am Freitagabend erfuhr.

Frühmann, der unter Bluthochdruck leidet, nimmt den Wirkstoff als Teil eines für ihn lebenswichtigen Herzmedikamentes seit Jahren ein und hat das laut eigenen Angaben auch immer offiziell angeführt. "Ich bin überhaupt nicht geschockt. Ich habe nur das gemacht, was die Ärzte gesagt haben. Mir wurde das Medikament schon vor über 10 Jahren in Maria Alm erstmals verschrieben", sagte Frühmann am Samstag zur APA - Austria Presse Agentur.

Der Haken an der Sache dürfte aber sein, dass er das Medikament nicht gemeldet hat - und auch sein Arzt nicht. "Solche Medikamente müssen einmal im Jahr gemeldet werden und das ist anscheinend nicht passiert", wusste Springreit-Referentin Gabi Morbitzer. Ihre Sekretärin habe Frühmann sogar schon darauf aufmerksam gemacht.

Der Gesamt-Weltcupsieger von 1992 und Olympia-Silbermedaillengewinner mit der Mannschaft im gleichen Jahr war 2000 bereits einmal unter Dopingverdacht geraten, nachdem er nach Einnahme des gleichen Mittels einen positiven Test abgegeben hatte. Er wurde bei diesem nationalen Test damals offiziell vom Verdacht des Dopings freigesprochen. "Das ist damals irgendwie im Sande verlaufen", erinnert sich Frühmann.

Die aktuelle Probe war Ende Dezember beim Weltcup-Turnier in London, das er auf Platz drei beendet hatte, vorgenommen worden. Als nächster Schritt folgt nun ein Hearing beim Österreichischen Bundesfachverband für Reiten und Fahren (BFV).

Wie es sonst weitergeht, weiß Frühmann nicht. "Ich habe keine Ahnung, bei mir läutet nur dauernd das Telefon." Seine nächsten Einsätze sind für Dortmund und Braunschweig in vier Wochen geplant, der nächste Weltcup voraussichtlich in Göteborg und dann das Weltcup-Finale in Kuala Lumpur.

Der Mitveranstalter des traditionellen "Fest der Pferde" in der Wiener Stadthalle leidet seit Jahren unter Bluthochdruck und nimmt deshalb schon lange das Kombinationspräparat CONCOR+ ein. Dieses Herzmedikament enthält einen ACE-Hemmer und in geringer Dosis auch das Diuretikum Hydrochlorothiazide. Während der ACE-Hemmer die Herzfunktion stärkt, ist Hydrochlorothiazide ein Mittel, dass Thomas hilft, Wasser aus dem Körper zu transportieren, um das Herz zu entlasten. Im Gegensatz zu ACE-Hemmern steht Hydrochlorothiazide jedoch auf der Liste der im Sport verbotenen Substanzen.

Die Springreit-Referentin will sich jedenfalls für Frühmann einsetzen. "Er hat ein sensationelles Comeback gefeiert, das Pferd ist fantastisch in Schwung. Er gilt für das Weltcup-Finale ja als Mitfavorit. Und Ende August, Anfang September gibt es ja auch die WM. Es wäre schade, wenn er durch so einen Blödsinn zurückgeworfen wird. Das können wir jetzt wirklich nicht gebrauchen", sagte Morbitzer. Es sollte eine Rollen spielen, dass das Medikament früher schon einmal an die FEI gemeldet worden ist, hofft die Funktionärin.

Der Fall erinnert allerdings an die Causa Stefan Koubek. Dem Tennisprofi war eine Spritze verabreicht worden, der behandelnde Arzt hatte einen Formalfehler begangen und Koubek wurde für drei Monate gesperrt.

Demel: "Schon vor Jahren ein Problem mit ihm gehabt"
Dr. Karlheinz Demel, der Vorsitzende des Österreichischen Anti-Doping-Comites (ÖADC), äußerte am Samstag wenig Verständnis für den neuen Dopingfall Frühmann. "Wir haben schon vor Jahren ein Problem mit ihm gehabt. Frühmann weiß, dass es seit 2003 neue Regeln gibt." Demel habe auch diesbezügliche Broschüren verschickt. Ein Diuretikum sei noch dazu besonders heikel, weil es auch zum Verschleiern anderer unerlaubter Hilfsmittel diene.

"Wenn er das Medikament braucht, warum beantragt er es dann nicht?", sagte Demel am Samstag zur APA - Austria Presse Agentur. Frühmann habe das alles schon einmal erlebt und er wisse, was zu tun ist. "Aber er ist weiterhin schlampig geblieben." Demel selbst wird vorläufig von sich aus nicht tätig, erst wenn er vom internationalen Reitverband FEI den Auftrag dazu bekommt.

Die Tatsache, dass das Medikament im Zuge der nationalen Kontrolle schon einmal gemeldet worden war, hilft Frühmann da gar nichts, so Demel. Im Gegenteil. "Wenn die Wind davon kriegen, wird es eher schlimmer. Aber ich werde ihnen nichts davon sagen, das ist nicht meine Art."

Mit dem Fall Koubek sei diese Causa nicht zu vergleichen. "Koubek hat sich damals auf den Rat eines anerkannten Arztes verlassen." Frühmann habe Bescheid gewusst und hätte eine Ausnahmegenehmigung beantragen müssen. "Wer's nicht tut, ist selber schuld."

(apa)