Springer zieht Pro7-Verkaufsoffert zurück:
Jetzt ist überhaupt Kartellverbot zu erwarten

"Verkauf kommt vor Übernahme nicht in Betracht" Konzern erwägt Fusion vor Gericht durchzusetzen

Die Pläne des Axel Springer Verlags für einen Einstieg in das lukrative Fernsehgeschäft stehen vor dem Aus: Der Konzern zog am Montag sein Verkaufsangebot für den Sender ProSieben zurück. Mit diesem Zugeständnis wollte Springer ursprünglich das bereits vom Kartellamt angedrohte Veto gegen die geplante Übernahme der Sendergruppe ProSiebenSat1 abwenden.

Nun erwartet Springer nach eigenen Angaben ein Verbot der Medienübernahme durch die Kartellwächter. Allerdings schließt der Konzern nicht aus, sich die Fusion vor Gericht zu erstreiten. Ein Verkauf von ProSieben komme "vor Vollzug der Übernahme rechtlich nicht in Betracht", erklärte Springer am Montag. Das Kartellamt hatte zuletzt zur Auflage gemacht, dieser - profitable - Teil der Senderkette müsse bereits vor der Transaktion verkauft werden. Ansonsten fürchtete das Kartellamt eine übermäßige Meinungsmacht des Konzerns, zu dem die Flaggschiffe "Bild" (verkaufte Auflage rund 3,6 Millionen) und "Welt" gehören.

Laut Springer-Sprecherin Edda Fels stieß der Konzern bei dem Kartellamt mit dem Wunsch auf Granit, die bis zum Freitag terminierte Entscheidungsfrist um eine Woche zu verlängern. Das hätte es Springer nach Fels' Worten ermöglicht, noch einmal mit den ProSiebenSat1-Verantwortlichen - allen voran Mehrheitseigner Haim Saban - zu verhandeln. Allerdings galt die Zustimmung Sabans zu der vom Kartellamt geforderten Zerschlagung der Sendergruppe als unwahrscheinlich: Der US-israelische Milliardär hatte ProSiebenSat1 innerhalb von zwei Jahren aus den Trümmern des Imperiums von Medienzar Leo Kirch aufgebaut.

Ein Nachgeben des Kartellamts schließt Springer nun definitiv aus: "Die Wahrscheinlichkeit einer Untersagung liegt bei hundert Prozent", sagte Konzernsprecherin Fels. Der Verlag will nun die "zur Verfügung stehenden Rechtsmittel und Optionen prüfen".

(apa)