Eine Partei sucht ihre Zukunft. Langweilig? Ohne Visionen? Die SPÖ will dem Frust begegnen und Basis und Interessierte von außen beim Programm mitreden lassen.
Im Vergleich mit anderen Parteien geht es der SPÖ nicht schlecht: Sie führt, seit man über den FPÖ-Mann Martin Graf und seine Aktivitäten mehr weiß, wieder in den Umfragen. Und sie bezieht aus dem Sieg des Sozialisten François Hollande in Frankreich Hoffnung für das kommende Wahljahr. Doch von Begeisterung ist selbst bei SPÖ-Anhängern nicht viel zu spüren. Die Partei gilt als visionslos, als verwaltend statt gestaltend. In erfrischender Aufrichtigkeit nennt SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter diese Diagnose "nicht ganz falsch .
Aufmüpfige Junge in der Partei formulieren es härter. SJ-Chef Wolfgang Moitzi: "Leider ist das Zitat, wonach, wer Visionen hat, einen Arzt braucht, mittlerweile Parteiprogrammatik geworden. Das wirkt sich in der Wirtschaftskrise doppelt bitter aus, weil die SPÖ auf die Krise und den Sparkurs, der in Europa durchgezogen wird, jetzt keine Antworten hat.
Wider die Gehorsamskultur
Niki Kowall, der Vorsitzende der kreativen "Sektion 8 in Wien 9 (Wien-Alsergrund), konstatiert, die SPÖ habe 30 Jahre lang die Trends der Zeit verschlafen. Seit er im Vorjahr beim Wiener Parteitag einen Antrag gegen das kleine Glücksspiel durchboxte, wird er laufend von roten Sektionen, Ausschüssen oder Granden wie der Salzburger Parteichefin Gabi Burgstaller zur Diskussion eingeladen. Meist hört er: "Endlich einer, der das sagt. Kowall antwortet dann: "Ihr dürfts das alle. Das ist eure Partei, für die ihr die Verantwortung habt. Auch wenn eine Parteispitze lieber "keine Wellen hat: "Ja, bitte, machts Wellen! Pfeifts euch nix.
Lebendigkeit und Veränderung können nur von innen kommen, sagt er: "Es darf nicht sein, dass sich drei Leute im Hinterzimmer etwas ausmachen, und nicht einmal die Landesparteichefs hauen auf den Tisch. Er will die "Gehorsamskultur in der SPÖ beenden, denn "wir sind ja ein demokratischer Verein. Auch der Bundesvorsitzende kann mir als Sektionsvorsitzendem, und ich bin der kleinste Scheißer in der Hierarchie, überhaupt nichts sagen. Also will er auch nicht als Rebell gelten, nicht einmal als Querdenker: "Wir sind die Mainstreamdenker.
Von der Änderung der Diskussionskultur erwartet sich Kowall Redemokratisierung und Repolitisierung. Daraus würden dann schon bessere Inhalte und mutigeres Spitzenpersonal erwachsen. Umgekehrt, meint er, funktioniert das nicht.
"Sonst bleibt nichts mehr übrig"
Günther Kräuter spürt, dass da etwas in Gang gekommen ist, und will den Schwung von unten nützen. Er lud sich unlängst, gut vorbereitet, in die Sektion 8 ein. Er bindet Parteijugend und Kritiker in den Landesorganisationen in die anlaufende Programmdiskussion ein. Der offizielle Startschuss wird am Parteitag im Oktober gegeben. Mehrere Landes- und Bezirksorganisationen, die Jusos und die Sektion 8 haben Vorschläge erarbeitet, die Kräuter "voll unterstützt. Interessierte von außerhalb der SPÖ sollen mitreden. Moitzi will NGOs einbeziehen, die damit ihre Ideen in die Politik einbringen können. Die Debatte soll in Veranstaltungen und parallel im Internet stattfinden.
Ob die SPÖ so viel Offenheit durchhält? SJ-Chef Moitzi antwortet trocken: "Die Frage stellt sich bald nicht mehr, wenn mans nicht macht. Wenn alles so bleibt, wie es ist, bleibt bald nichts mehr übrig.
Kommentare
Wundern darf man sich nicht In Griechenland haben Konservative und Sozialisten den Staat in den Bankrott geführt.
Bei uns regieren seit 1945 bis auf wenige Ausnahmen Konservative und Sozialisten.
In Griechenland gibt es" Vetternwirtschaft und Korruption"; das kennen wir doch auch. (Ohne einem Parteibuch ist man in Österreich nicht ausreichend qualifiziert).
Österreich hat einen eigenen "Staatsfunk" in dem Parteigünstlinge im Proporz versorgt werden. Diese Leute berichten dem Volk dann ihre "unabhängigen" Informationen.
Bei uns wird jede politische Funktion weiterhin gleich 10 fach besetzt! Einmal im Bund und 9 x mit gleichen Aufgaben in den Ländern....
Griechenland ist näher als manche glauben.
@christian95 Da Deine Posts ja Dauerkampagnen sind, will ich noch immer wissen wer die Funkion des Innenministers oder Justizministers in den Bundesländern hat. Bis dato keine Antwort von Dir!
Re: Wundern darf man sich nicht Und damit beendet RobOtter den Threat - stimmts?
Wie der Niki Kowall WAHRSCHEINLICH(!?) ist! Der ist genauso wie seinerzeit das Josef CAPERL! Der hat sich auch als Revoluzzer gegen den Kreisky aufgespielt, ist wegen dieser Geisteshaltung statt mit der Krawatte mit Rollkragenpulli ins Parlament gegangen und hat sich - nachdem er auf Grund vieler Vorzugsstimmen drinnen war - blitzschnell angepasst. Das macht der jetzt schon seit rund 20 Jahren - sich anpassen meine ich -, ja nichts gegen die Partei sagen und voll abkassieren. Niki Kowall sind Sie auch so einer? Derzeit ist die SPÖ für mich als Wechselwähler nicht wählbar. Schauts euch nur euren Faymann an, der ist zum Kotzen aber nicht zu wählen.
Re: Wie der Niki Kowall WAHRSCHEINLICH(!?) ist! Vollkommen richtig! Dem kann man nichts hinzufügen!
Re: Wie der Niki Kowall WAHRSCHEINLICH(!?) ist! der Beschwichtigungs und Lächelkanzler ist mit all seinen Genossen unwählbar.