Soziale Netzwerke von

"Facebook schaut zu"

Der österreichische Kläger Maximilian Schrems verrät die Tricks des IT-Giganten

Soziale Netzwerke - "Facebook schaut zu" © Bild: NEWS/Herrgott

Mit 22 Anzeigen, die er gegen das weltweit größte Online-Netzwerk wegen möglicher Verstöße gegen den Datenschutz eingebracht hat, hat der österreichische Jus-Student Maximilian Schrems international Schlagzeilen gemacht. Der 24-jährige Student aus Salzburg gibt sich trotzdem bescheiden: "Der Hype geht schließlich nicht um mich, sondern um Facebook und den Datenschutz". Im NEWS-Interview verrät Schrems die Tricks des IT-Giganten.

NEWS: Was nervt Sie eigentlich so an Facebook?
Schrems: Ich habe überhaupt nichts gegen Facebook. Mich ärgert nur, wie der Konzern seine marktbeherrschende Stellung illegal ausnützt.

NEWS: Was ist denn an Bildern von süßen Kätzchen und meinem Mittagessen illegal?
Schrems: Das große Problem ist, dass man nichts mehr löschen kann und jedes Posting, jede Nachricht auf irgendeinem Server für die Ewigkeit gespeichert bleibt. Wir haben in Europa aber Gesetze, die das verbieten. Stellen Sie sich vor, die Post öffnet jeden Brief, der versendet wird, kopiert den Inhalt, klebt ihn wieder zu und sendet ihn weiter. Was wäre da wohl los?

NEWS: Warum schreit bei Facebook niemand auf?
Schrems: Facebook ist psychologisch sehr geschickt konstruiert. Durch die „persönliche“ Seite hat der User das Gefühl, die Kontrolle über die Inhalte zu haben. Hat er aber nicht. Facebook schaut bei jedem Schritt zu.

NEWS: Wir haben Gesetze, die diese Praktiken verbieten. Weshalb werden sie nicht umgesetzt?
Schrems: Ich habe bei meiner Arbeit gegen Facebook festgestellt, dass wir Bürger zwar Rechte auf dem Papier haben. Aber wenn man sie de facto einfordert, werden sie einem verwehrt.

Facebook wird von Irland gedeckt
NEWS: Starker Tobak. Aber gerade die deutschsprachigen EU-Mitglieder sind sensibel, was Datenschutz angeht.
Schrems: Ja, die deutsche Datenschutzbehörde macht Druck auf die irische, die für Facebook verantwortlich ist. Allerdings ist der IT-Sektor überlebensnotwendig für Irland. Das Land steht kurz vor dem Bankrott. Facebook wird von der irischen Regierung gedeckt. Sie zahlen dort auch nur zwei bis drei Prozent Steuern.

NEWS: Die Frist, die Facebook für die Anpassung der Datenschutzrichtlinien gewährt wurde, lief am 31. März aus. Ist Facebook so mächtig, dass sie sich über EU-Recht hinwegsetzen können?
Schrems: Bis jetzt hat es den Anschein. Allerdings bringt Viviane Reding (EU-Justizkommissarin; Anm.) eine neue Verordnung für ganz Europa heraus, die Verstöße gegen den Datenschutz mit einer Strafe von zwei bis drei Prozent des Umsatzes vorsieht. Bislang waren es 100.000 Euro in Irland, 20.000 Euro in Österreich.

NEWS: Das würde Facebook hart treffen.
Schrems: Ursprünglich sollten es fünf Prozent sein. Doch da wurde kräftig lobbyiert. Ich saß mit Beamten der EU-Kommission beim Bierchen zusammen. Sie haben mir gesagt, dass die Lobbying-Angriffe der Amerikaner in Brüssel bei wenigen Gesetzen so stark waren wie bei der neuen Datenschutzverordnung.

Behörden missbrauchen Daten
NEWS: Stellen wir uns vor: Die Novelle fällt zahnlos aus, und Facebook bleibt ein rechtsfreier Raum.
Schrems: Ganz einfach: Die Daten könnten vor allem von Behörden missbraucht werden. Leider ist das keine dunkle Zukunftsvision. Das passiert heute schon: Zum Beispiel im Tierschützerprozess haben die Behörden alle Mittel ausgeschöpft, um die Angeklagten anzupatzen.

NEWS: Facebook als Tool des Überwachungsstaates?
Schrems: Total. Als wir im Silicon Valley bei Facebook waren, haben wir gefragt, ob sie National Security Letters (seit 9/11 ein formloses Schreiben der NSA, das fordert, ohne richterlichen Beschluss Daten auszuliefern; Anm.) erhalten. Der Zuständige sagte: „Natürlich, die bekommen wir jeden Tag.“ In den USA dürfen die Behörden auf alle Facebook-Inhalte zugreifen. Das hat uns der Mitarbeiter offiziell bestätigt. In Europa spielen s’ sich halt noch a bisserl, aber damit werden die Behörden eines Tages auch durchkommen.

NEWS: Ist dieser Kampf gegen den Riesen nicht ermüdend?
Schrems: Doch. Aber noch sind wir mitten im Verfahren, und obwohl die Iren versuchen, alles zu blockieren, sind wir an einem Punkt, wo sich weiterkämpfen auszahlt, aber auch der wird mal überschritten sein.

Alles über die Falle Facebook lesen Sie in der aktuellen NEWS-Ausgabe 17/2012!

Kommentare

!? Wegen jeden Blödsinn klagen, ist ja wie in Amerika!?

Wie wär es für alle die es stört, SICH EINFACH NICHT BEI FACEBOOK ANZUMELDEN!?
das ist keine Pflicht, falls das hier wer vergessen hat?!
Man ist einfach selbst verantwortlich was man kommentiert, was einen gefällt usw.

Zivilcourage... ...soviel bekannt ist, hat der junge Mann bereits ein Jobangebot von Facebook bekommen, es aber abgelehnt. Alle Achtung vor diesem Idealismus und der Zivilcourage. Und selbst wenn seine Arbeit irgendwann profitabel wird, hat er\'s verdient. Immerhin steckt er mitten in seinem Studium und hätte mit seiner Zeit noch was anderes anzufangen.

Der junge Mann hat Mut... und Recht... Wenn man sich überlegt wegen welchen Kleinigkeiten heute wegen Verletzung des Datenschutzgeheimnisses geklagt wird ist es schon ein Wahnsinn, wenn man sich anschaut welche Daten die Leute auf Facebook stellen.

Jeder ist Herr über die Daten, die er im Internet hinterlässt. Es sind sich nur die wenigsten bewusst, was man mit ihren Daten anfangen kann.

Wer in Facebook registriert ist, sollte sich halt genau überlegen mit wem er Kontakt hat, welche Informationen er online stellt und welche nicht. Der Selbstdarstellungsdrang der Leute ist halt größer als die Vorsicht.

Am besten ist es man hat kein Profil auf Facebook, somit hinterlässt man keine verwertbaren Daten für Facebook und die Werbeindustrie und kann im Fall auch nicht im Internet bei Facebook bequem gemobbt werden.

Facebook & Datenschutz Ein Widerspruch wie er nicht größer sein könnte. In der Vergangenheit waren Stasi-Akte das Sammelsurium von allen möglichen Informationen über eine Person, deren Gewohnheiten, Verbindungen und Umfeld. Kaum jemand, der nicht darüber erschüttert oder empört war. Heute liefert jeder der facebook verwendet freiwillig solche Informationen ab, die dann von der Stasi (national security, usw.) nach Belieben verwendet oder mißbraucht werden. Selbst Schuld kann man da nur sagen. Angesichts der immer weiter schreitenden Bevormundung der Bürger durch den Staat wird sich das schon sehr bald als die kommende Bedrohung herausstellen - nur dann wird es zu spät sein. Stasi-Akten konnten gelöscht bzw vernichtet werden - das Internet vergißt nie.

thaddaeus1947 melden

Es ist eben ein kostenloses Netz, der Betreiber bestimmt die Regeln! Herr Schrems hat die Sache etwas überzogen. Facebook hat mehr Vorteile als Nachteile? Daher überlege dich sehr gut was du schreibst?
Wir sind schon seit den 80er Jahren, noch in den Kinderschuhen der EDV, vielfach in allen möglichen Registern gespeichert. Wollen Sie Herr M. SCHREMS alles löschen lassen?
Dann viel Glück, Sie werden zuerst ein Greis sein, bevor Sie am Ende angelangt sind?
Wenn einer nichts zu verbergen hat, so braucht man sich um den Datenschutz nicht zu kümmern?
Zum Glück leben wir in einem Land, wo man noch seine Meinungen kundtun kann?
Vermutlich könnte sich diese Freiheit, in absehbarer Zeit noch ändern? a.l.

FreakVienna melden

Re: Es ist eben ein kostenloses Netz, der Betreiber bestimmt die Regeln! "Wenn einer nichts zu verbergen hat, so braucht man sich um den Datenschutz nicht zu kümmern"
was soll denn das für ein schwachsinn sein? Ich habe nichts zu verbergen, trotzdem kommt mir das kotzen wenn ich drüber nachdenke dass jemand DEN ES NICHTS ANGEHT meine privatsphäre auskundschaftet. wenn das so weitergeht muss die zahl von terroranschlägen eindeutig wieder steigen... sonst kann man den mist ja kaum rechtfertigen^^

Ich wage fast zu wetten..., ....dass der junge Mann eines Tages schweigen wird. Der Grund wird nicht sein, dass ihm ein Gericht verboten hat zu reden, sondern dass Facebook ihm soviel Geld geboten hat, dass er freiwillig aufhören wird, zu klagen. Ich bin fast dazu geneigt, auf das zu wetten. Jeder Mensch hat seinen Preis. Beim einen liegt er etwas höher und beim anderen etwas niedriger. Aber ab einer gewissen Summe geben sie alle ihren Widerstand auf! "Wetten dass........!

Seite 1 von 1