Kein Platz für großflächiges Heimkino? Oder nicht gewillt, Unsummen dafür auszugeben? Sony verspricht mit der kryptischen Bezeichnung HMZ-T1 Abhilfe zu schaffen. Hinter diesem sogenannten Personal 3D Viewer verbirgt sich für knapp 800 Euro eine Art Helm, der mit zwei OLED-Displays eine Bildschirmdiagonale von 200 Zoll (rund fünf Meter) vorgaukelt. Und damit die Wollmilchsau auch noch Eier legt, funktioniert das ganze mit stereoskopischen 3D-Inhalten und bietet über Kopfhörer Surround-Sound. NEWS.AT hat sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen, den 3D Viewer genauer unter die Lupe zu nehmen.
Eigentlich besteht der 3D Viewer aus zwei Einheiten. Neben dem Visier, das man sich am Kopf festzurrt, liefert Sony eine Art Set-Top-Box mit, die ihren Platz als signalverarbeitende Schnittstelle zwischen Helm und Quelle einnimmt. Hier kann im Prinzip jedes HDMI-taugliche Gerät angeschlossen werden, also beispielsweise Spielkonsole, Blu-ray-Player aber auch PC, Tablet oder Digitalkamera. Mittels HDMI-Ausgang kann die Box auch mit einem anderen Ausgabegerät verbunden werden. Ist das Visier ausgeschaltet, wird dann das Signal im sogenannten "Pass-Through"-Modus durch die Box geschleust. Beide Ausgabegeräte gleichzeitig anzuspielen funktioniert aber leider nicht.
Von der Box zum Visier hin führt ein einziges, über drei Meter langes und recht dünnes Kabel, das die Einheit auch mit Strom versorgt. In der Praxis erweist es sich als ausreichend lang und keineswegs störend. Eine kabellose Lösung zum 3D-Viewer wäre sicherlich praktischer, aber technisch unvergleichlich komplizierter und vor allem nur teuer zu lösen.
Anschnallen und feintunen
Mit einem Mix aus Plastikriemen und Gummibändern wird der 3D-Viewer am Kopf festgezurrt. Das hört sich vielleicht dramatisch an, ist es aber keinesfalls. Die "Bügel" des Viewers sind herausausziehbar und bieten einen großen horizontalen Spielraum. An den Bügeln befindlich sind auch die fest integrierten On-Ear-Kopfhörer im Walkman-Look der 80er-Jahre, die sich horizontal herausziehen und kippen lassen. Plastikriemen (Oberseite) und Gummi-Band (Rückseite) sind erweiterbar und dazu gedacht, dass das Gewicht des Visiers auf dem Hinterkopf ruht. Separat draufzustecken sind zwei kleine Gummi-Klappen an der Unterseite des Geräts, um den Lichteinfall von unten auf ein Minimum zu reduzieren.
In der Praxis muss man sich anfangs eine gewisse Routine anlernen, um sich das Visier aufzusetzen. Hat man den Dreh einmal raus, sitzt der 3D-Viewer dann auch relativ bequem. Nur deshalb "relativ", weil man das Gefühl nicht los wird, etwas umgeschnallt zu haben. Frei sitzend wird man kaum eine Kinofilm-Länge durchhalten: Die besten Positionen sind eindeutig jene, bei denen der Hinterkopf gestützt bzw. angelehnt wird.
Ist alles korrekt festgezurrt, kann man auch schon loslegen und den 3D Viewer an der Unterseite des Visiers einschalten. Dort befinden sich auch zwei gut ertastbare Schieberegler, mit denen sich der Abstand zwischen den zwei OLED-Displays einstellen lässt. Obwohl man die Bedienknöpfe nicht sieht (weil man ja das Visier aufhat), kann man mittels erhabenem Steuerkreuz überraschend gut durchs klar strukturierte Menü navigieren, um die letzten AV-Einstellungen an eigene Vorlieben anzupassen. Weniger gut gelungen ist die Lautstärkeregelung, die mit nach innen gewölbten Mini-Knöpfchen zu einer Fummelei ausartet.
Wie im Kino...
Schon während des Navigierens durchs Menü lässt sich erahnen, dass das versprochene Kinofeeling nicht übertrieben ist. Man kann sich das ungefähr so vorstellen, als würde man in einem mittelgroßen (und im Unterschied zur Realität ebenen) Kinosaal im hinteren Drittel Platz nehmen. Dank dualer OLED-Technologie punkten 2D-Inhalte nicht nur durch die dargestellte Größe, sondern auch durch satte, kontrastreiche Bilder. Besonders hervorzuheben ist aber das 3D-Erlebnis, da aufgrund der niedrigen Reaktionszeit der getrennten Bildschirme Geisterkonturen eliminiert und auch keine Helligkeitseinbußen zu verzeichnen sind. Spitze!
Die Medaille hat aber auch eine Kehrseite. Zum einen ist der 3D-Effekt zwar fehlerfrei, aber nicht so stark ausgeprägt wie bei der Technologie aktiver Shutterbrillen. Das liegt ganz einfach daran, dass die Simulation eines Kinosaales einen dementsprechenden Abstand zwischen "Projektionsfläche" und Betrachter generiert und herausragende Objekte somit eher im virtuellen Raum verhallen als wenn man mit einer Shutterbrille (relativ) nahe vor dem Bildschirm sitzt.
Zum anderen ließ sich im Testzeitraum eine Unschärfe an den vertikalen Rändern des Bildes wahrnehmen, die nicht zu korrigieren ist. Da man in der Regel meistens ohnehin auf die Mitte des Bildes fokussiert ist, kann man im wahrsten Sinne des Wortes darüber hinwegsehen und sich auf die gestoche scharfe Mitte des 3D Viewers konzentrieren. Gerade bei manchen Spielen, die eine Wahrnehmung des kompletten Sichtfelds erfordern, lässt sich dieses Manko aber definitiv nicht wegdiskutieren.
...mit akustischen Aussetzern
Ganz und gar nicht wie im Kino verhalten sich die On-Ear-Kopfhörer. Sie lassen sich zwar perfekt ans Ohr anschmiegen, der Output ist für audiophile Gemüter aber bestenfalls durchschnittlich. Gemessen an der akustischen Qualität tragbarer Geräte mag sich der 3D Viewer ja ganz gut behaupten können. Wer in den Genuss einer vollwertigen Heimkino-Beschallung gekommen ist, weiß allerdings, dass der Sound im Vergleich dazu häufig recht schal und klapprig ist. Da können selbst die unterschiedlichen Raumklang-Modi wenig herauskitzeln. Schade auch, dass die Kopfhörer fest im 3D Viewer integriert sind und mangels Audio-Ausgang keine Möglichkeit besteht, das System selbst zu "tunen".
NEWS.AT-Fazit
Zum jetztigen Zeitpunkt ist der Personal 3D Viewer unterm Strich eine eindrucksvolle Machbarkeitsstudie und für Gadget-Liebhaber fast schon ein Must-Have mit Kultfaktor. So toll das Konzept (insbesondere in 3D) funktioniert, so stark fällt im Alltag nach den ersten Aha-Erlebnissen aber auch der fehlende Feinschliff auf. Während man über gelegentliche Unschärfe an den Rändern im wahrsten Sinne des Wortes noch hinwegsehen kann, wünscht man sich nach ein paar Stunden Film- und/oder Spielgenuss mehr Tragekomfort und eine flexiblere Audio-Lösung. Wie wir aber bereits wissen, ist der Nachfolger mit
Raum für Verbesserungen nur eine Frage der Zeit
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