Soll Schalterpersonal ersetzen: Scharfe Expertenkritik an ÖBB-Fahrscheinautomaten

Testurteil: System "tatsächlich unnötig kompliziert" Benutzer erlebt so manche böse Überraschung...

Soll Schalterpersonal ersetzen: Scharfe Expertenkritik an ÖBB-Fahrscheinautomaten

Große Aufregung herrschte in den vergangenen Wochen um die Einführung der neuen ÖBB-Ticket-Automaten, die in Hinkunft Schalterpersonal ersetzen sollen. Das Wiener Webdesign-Unternehmen "intuitiv", das sich auf Benutzerfreundlichkeit spezialisiert hat, testete die elektronischen Bahn-Mitarbeiter auf Herz und Nieren. Das Urteil ist vernichtend, denn das System ist laut Expertenmeinung "tatsächlich unnötig kompliziert".

Kritik übten die Tester schon vor dem ersten physischen Kontakt mit dem Gerät. Denn selbst auf internationalen Bahnhöfen steht in großen Lettern "Fahrkarten" auf den Automaten - und nicht etwa "Tickets". Auch die Erkennbarkeit, dass es sich bei dem Bildschirm nicht um eine Werbefläche handle, ließe zu wünschen übrig.

Und habe der Kunde schließlich durchschaut, wie er zur Bestellmaske kommt, werde es spätestens dort unübersichtlich. "20 Auswahlmöglichkeiten warten auf den überforderten Benutzer. Bahninterne Fachbegriffe ("EURegio", "VVNB", "VOR") werden nicht erklärt und bleiben daher für Auswärtige rätselhaft. Die Standard-Möglichkeit ("Fahrkarte Inland mit Zielwahl") links oben ist nicht besonders hervorgehoben - wer mehr auf Symbole schaut, wird wahrscheinlich auf "Einzelfahrt Vollpreis" in der Mitte drücken", so ein Auszug aus dem Automaten-Test.

Je weiter man vordringe, desto größer werde die Wahrscheinlichkeit in eine Falle zu tappen. Die größte lauere ganz zum Schluss: "Fast geschafft! Nur mehr zahlen, und ab geht's. Aber welche Scheine oder Münzen akzeptiert der Automat? Die Abbildungen rechts unten könnten ein Hinweis sein, aber sicher ist das nicht. Und wer jetzt erst anfängt, sein Kleingeld zu zählen, könnte eine böse Überraschung erleben: Nach 52 Sekunden bricht die Maschine ohne Warnung einfach ab! Und man beginnt wieder ganz von vorne..."

Das Fazit der Tester ist ernüchternd: "Für gewisse Funktionen sind Maschinen besser geeignet als Menschen. Aber dieses System vereint die Nachteile aus beiden Welten: So knausrig mit Informationen wie ein mürrischer Schalterbeamter und doch so unflexibel wie ein 'Blechtrottel'. Wer zum Beispiel erst beim Bezahlen draufkommt, dass die Fahrkarte erst ab der Wiener Stadtgrenze gelten soll, muss zurück zum zweiten Schritt und alles noch einmal eingeben."(apa)