Solana will mit Nahost-Reise Wogen glätten:
Vermittlungsauftakt heute in Saudiarabien!

Karikaturenstreit und Nahost-Frieden im Mittelpunkt Ruft zu Dialog zwischen islamischer Welt & Europa auf<br>Kofi Annan ruft in Karikaturen-Krise zur Mäßigung auf

Der Außenpolitik-Koordinator der Europäischen Union, Javier Solana, hat am Montag eine Reise durch den Nahen Osten begonnen, um die Wogen im Streit um die Mohammed-Karikaturen zu glätten. Erste Station seiner Reise war das saudiarabische Jeddah, wo er mit dem Vorsitzenden der Organisation der Islamischen Konferenz zusammentraf. "Seien Sie sich sicher, wir werden unser Möglichstes tun, um so etwas nicht noch einmal geschehen zu lassen", sagte er nach dem Gespräch. "Wir brauchen einander."

Die Islamische Konferenz ist ein lockeres Bündnis aus 57 moslemischen Staaten. Sie hat sich in dem Streit um die Karikaturen um Mäßigung bemüht. Außerdem steht ein Treffen mit König Abdullah auf der Tagesordnung. Solana wird zudem Ägypten, Jordanien, die Palästinenser-Gebiete und Israel besuchen.

Ziel seiner Reise sei es herauszufinden, "wie wir uns von dieser Affäre wieder erholen können", sagte Solana vergangene Woche in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

In zahlreichen islamischen Ländern haben in den vergangenen Tagen Hunderttausende gegen die Karikaturen über den Religionsstifter Mohammed demonstriert, die in europäischen Zeitungen abgedruckt worden waren. Dabei kam es besonders in den Palästinenser-Gebieten, im Libanon und in Syrien zu Gewaltakten gegen europäische Einrichtungen.

Solanas Worten zufolge wurde aber nicht nur der Ruf Europas in der moslemischen Welt beschädigt, sondern auch der Ruf des Islam und der Araber in Europa. Beide Seiten nähmen einander als intolerant und gefühllos war. "Ich hoffe, es wird in beide Richtungen zu einer Erholung kommen", sagte Solana.

Annan ruft in Karikaturen-Krise zu Mäßigung auf
Im Konflikt um die Mohammed-Karikaturen hat UNO-Generalsekretär Kofi Annan im dänischen Fernsehen zur Mäßigung aufgerufen. Annan sagte im öffentlich-rechtlichen Sender DR1, es sei an der Zeit, "die Megafone auszudrehen und in Ruhe miteinander zu reden".

Die umstrittenen Mohammed-Zeichnungen in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten", die den Streit auslösten, bezeichnete der UNO-Generalsekretär als "beleidigend" gegenüber dem Islam, einer "Religion mit weltweit mehr als einer Milliarde Anhängern". Die Karikaturen vermittelten - "wahrscheinlich nicht absichtlich" - den Eindruck, dass der gesamte Islam gewalttätig sei. Dies habe in der islamischen Welt viel Empörung ausgelöst und jetzt komme es darauf an, die Gemüter zu beruhigen.

Gewalttätige Reaktionen seien nicht zu rechtfertigen, fügte Annan hinzu. Die Antwort auf die Krise dürfe nicht Gewalt, sondern müsse Verständigung und Dialog sein. Auch er trete für Rede- und Meinungsfreiheit ein. Mit ihnen müsse jedoch verantwortungsvoll und im Respekt für den Glauben der anderen umgegangen werden. Bezeichnenderweise hätten die "großen Zeitungen und die sehr guten Zeitungen auf der Welt" die Zeichnungen nie veröffentlicht.
(apa)