Slalom in Ofterschwang: Janica Kostelic schreibt mit Sieg erneut Ski-Geschichte

Zettel und Schild auf den Plätzen zwei und drei Kirchgasser wieder stark - Pärson in Führung out

Janica Kostelic hat am Sonntag in Ofterschwang überlegen den Slalom gewonnen und sich mit ihrem 26. Weltcupsieg endgültig einen Platz in den Geschichtsbücher gesichert. Die 24-jährige Kroatin ist die erst zweite Skirennläuferin nach Petra Kronberger, die in einer Saison in allen fünf Disziplinen gewonnen hat. Kostelic gewann vor gleich drei Österreicherinnen, obwohl die nach Lauf eins auf Platz vier liegende Nicole Hosp ausfiel. Kathrin Zettel wurde Zweite, Marlies Schild vor Michaela Kirchgasser Dritte.

Österreichs Skidamen gelang damit zwar in den drei letzten Rennen vor den Spielen kein Sieg, sie zeigten aber speziell im Slalom nochmals ganz groß auf. Für die zweitplatzierte Zettel war es der bereits sechste Podestplatz in ihrer ersten vollen Weltcup-Saison, vom ersten Sieg trennten sie diesmal aber 1,33 Sekunden. Zudem schied die Halbzeitführende Anja Pärson im zweiten Durchgang aus und verletzte sich am Daumen.

Den ersten Sieg hat sich Zettel hoffentlich für einen besonderen Moment aufgehoben. "Ich war in Ofterschwang zweimal am Stockerl, ein sehr gutes Wochenende. Ich bin gut drauf", sagte das 19-jährige ÖSV-Team-Küken. Die Traumfahrt von Kostelic, die unmittelbar vor ihr mit klarer Bestzeit noch von Platz drei zum historischen Sieg gefahren war, hatte sie mitbekommen. "Mir war gleich klar, dass wird jetzt ganz schwer. Dann hatte ich zudem so viele Probleme, dass ich froh bin, im Ziel zu sein", so Zettel. "Janica ist berühmt für ihre Wahnsinns-Läufe. So ist sie von keiner zu biegen."

Durchatmen konnte auch Marlies Schild, auch wenn nach drei Siegen in Serie ihre grandiose Slalom-Serie riss. "Man hat den eisigen Hang aufgerauht, das habe ich nicht richtig mitbekommen", erklärte sie ihre Probleme. "Deshalb bin ich zwar mit dem Platz, nicht aber mit der Leistung zufrieden. Es waren einfach zu viele Böcke dabei", erklärte die ehrgeizige Salzburgerin, die die Führung im Slalom-Weltcup an Kostelic abgeben musste. "Ohne Fehler hätte ich sie aber sicher fordern können", so Schild.

Kirchgasser wieder stark
Michaela Kirchgasser wiederum toppte einen Tag nach Platz fünf im Riesentorlauf ihr bestes Weltcupergebnis als Vierte erneut. Damit ist ihr Startplatz im olympischen Slalom wohl fix, zudem schied Elisabeth Görgl aus. Das passierte im zweiten Lauf mit Zwischenbestzeit auch Hosp, die Tirolerin steckte ihren ersten Saisonausfall im Slalom aber gut weg. "Schade, ich wäre sehr gut am Weg gewesen. Ich wollte ganz nach vorne und habe riskiert, leider ist es nicht aufgegangen", sagte sie. Hosp ist Montag nicht bei der Vereidigung in Wien, sie lässt ihre Stirnhöhlenverkühlung untersuchen.

Janica Kostelic hingegen schickte trotz Fiebers mit einem finalen Fabellauf eine klare Botschaft an die Konkurrenz. In Bad Kleinkirchheim hatte die dreifache Olympiasiegerin schon den alpinen "Grand Slam" perfekt gemacht, mit ihrem 18. Slalomsieg stellte sie sich nun aber als Siegerin in allen fünf Disziplinen innerhalb einer Saison sogar auf eine Stufe mit Petra Kronberger, die seit 1990/91 diesbezüglich unerreicht war. Und das, obwohl Kostelic am Vortag mit 38 Grad Fieber im Bett gelegen war.

Kostelic erholt sich am Strand
"Ich denke über so etwas nicht nach. Es ist schön, wenn Rekorde passieren. Es war aber nie eines meiner Ziele", gab sich Kostelic wie üblich abgeklärt. Dass sie "krank" ("Ich fühle mich wirklich sehr schwach") am gefährlichsten ist, war wohl einer der Gründe für ihre geniale Fahrt. Kostelics Erklärung: "Der erste Durchgang hatte ja gar keine Kurven. Der zweite war dann wesentlich besser für mich." Sie gönnt sich vor Olympia, wo sie dreifache Titelverteidigerin ist, einige Tage am kroatischen Strand. "Es ist aber ziemlich kalt derzeit, hoffentlich gibt's einige sonnige Tage."

Enttäuscht war Anja Pärson (25), deren Aufholjagd in Ofterschwang am Sonntag abrupt gestoppt wurde. Die Schwedin, die nun im Weltcup wieder 261 Punkte Rückstand auf Kostelic hat, schied mit Zwischenbestzeit aus. Sie hätte Kostelic aber wohl trotzdem nicht mehr abgefangen.

Endstand:
1. Janica Kostelic CRO 1:42,22 Min.
2. Kathrin Zettel AUT 1:43,55 +1,33
3. Marlies Schild AUT 1:43,67 +1,45
4. Michaela Kirchgasser AUT 1:43,88 +1,66
5. Annemarie Gerg GER 1:44,11 +1,89
6. Tanja Poutiainen FIN 1:44,29 +2,07
7. Anna Ottosson SWE 1:44,40 +2,18
8. Laure Pequegnot FRA 1:44,41 +2,19
9. Chiara Costazza ITA 1:44,59 +2,37
10. Annalisa Ceresa ITA 1:44,63 +2,41
11. Lindsey C. Kildow USA 1:44,77 +2,55
12. Therese Borssen SWE 1:44,99 +2,77
13. Resi Stiegler USA 1:45,15 +2,93
14. Sarka Zahrobska CZE 1:45,18 +2,96
15. Nika Fleiss CRO 1:45,41 +3,19
16. Fanny Chmelar GER 1:45,43 +3,21
17. Andrea Fischbacher AUT 1:45,54 +3,32
18. Florine de Leymarie FRA 1:45,66 +3,44
19. Sarah Schleper USA 1:45,77 +3,55
20. Noriyo Hiroi JPN 1:46,06 +3,84
21. Ana Jelusic CRO 1:46,08 +3,86
22. Veronika Zuzulova SVK 1:46,09 +3,87
23. Monika Bergmann-Schmuderer GER 1:46,19 +3,97
24. Henna Raita FIN 1:47,79 +5,57
25. Kathrin Hölzl GER 1:51,20 +8,98

Ausgeschieden:
Im 1. Durchgang u.a.: Elisabeth Görgl, Karin Truppe (beide AUT), Manuela Moelgg (ITA), Martina Ertl-Renz (GER)

Im 2. Durchgang: Nicole Hosp (AUT), Anja Pärson, Frida Hansdotter, Maria Pietilä-Holmner (alle SWE), Rabea Grand (SUI)

(apa/red)