Skandal in russischer Armee: Rekrut wurde von Unteroffizieren grausam misshandelt

Beide Beine, ein Finger und Genitalien amputiert Soldatenmütter: 2.000 junge Opfer im Jahr

Russische Unteroffiziere haben einen Wehrpflichtigen so stark misshandelt, dass ihm beide Beine, ein Finger und die Genitalien amputiert werden mussten. Parlamentarier forderten am Donnerstag eine strenge Bestrafung des "bestialischen Verbrechens". Die Misshandlungen hatten sich zu Neujahr in einer Militärschule in Tscheljabinsk am Ural ereignet. Der Rekrut soll auch vergewaltigt worden sein.

Der Vorfall war bekannt geworden, weil sich Mitarbeiter des Krankenhauses nicht an die von den Militärs auferlegte Schweigepflicht gehalten und das lokale Komitee der Soldatenmütter eingeschaltet hatten. Die Gliedmaßen mussten wegen fortgeschrittener Blutvergiftung amputiert werden. Bis zum Donnerstag wurden drei der mutmaßlichen Täter festgenommen.

Die russische Armee ist berüchtigt für die Misshandlung von jüngeren Wehrpflichtigen. Der so genannten "Dedowschtschina" fallen nach Angaben der Soldatenmütter jedes Jahr immer noch 2.000 Wehrpflichtige zum Opfer, ohne dass die oberste Militärführung ernste Maßnahmen dagegen ergreifen würde. Auch in diesem Fall hatten das Militär und der Verteidigungsminister versucht, den Vorfall herunterzuspielen.

In einem anderen Fall muss Russland einem 29-Jährigen, der mit brutaler Folter durch Polizisten bis zum Selbstmordversuch getrieben wurde, 250.000 Euro an Schmerzensgeld und Entschädigung zahlen. Dies entschied der Gerichtshof für Menschenrechte am Donnerstag. Die Straßburger Richter zeigten sich zugleich "besonders betroffen" über die schlampigen, unvollständigen und teilweise falschen Angaben in den Ermittlungsakten.

Der Kläger, der selbst Polizist ist, hatte im September 1998 bei Nischni Nowgorod im Norden Russlands mit einem Freund eine junge Anhalterin mitgenommen. Nachdem diese spurlos verschwand, wurden gegen die Männer Ermittlungen eingeleitet. Der 29-Jährige wurde von seinem Freund bezichtigt, die Jugendliche vergewaltigt und getötet zu haben.(apa/red)