Siegfried Wolf von

Star-Manager rügt Regierung

"Mehr Geld für Parteien, weniger Leistung für die Bürger: Das geht nicht."

Siegfried Wolf - Star-Manager rügt Regierung © Bild: APA/Techt

Als Sohn einer Feldbacher Bauernfamilie hat Siegfried Wolf früh einen Sinn für wirtschaftliche Zusammenhänge entwickelt. Er selbst nennt es Hausverstand. Freilich muss mehr dahinterstecken, um zu einem der mächtigsten Manager Europas aufzusteigen. Bei Magna brachte es Wolf von 1995 bis 2010 zum Boss des Weltkonzerns. Seit November 2010 ordnet er das Reich des russischen Oligarchen Oleg Deripaska. Als Miteigentümer leitet er die Sparten Bau und Automotive mit 210.000 Mitarbeitern. Von Angela Merkel bis Wladimir Putin schätzen viele Politiker seinen Rat. Umso kritischer betrachtet Wolf seine Heimat: Im NEWS-Interview analysiert der Topmanager schonungslos, was falsch läuft.

NEWS: Herr Wolf, haben Sie sich an die russischen Verhältnisse schon gewöhnt?
Siegfried Wolf: Auch wenn man, wie ich, gewohnt war, global zu arbeiten, so war es doch eine große Herausforderung und eine gewisse Umstellung für mich. Aber: Ja, es macht mir in Russland großen Spaß. Man arbeitet dort problemlosungsorientiert. Russland hat die dringende Notwendigkeit dazu erkannt. Europa dagegen nicht. Wir haben die Schmerzgrenze in Europa im Gegenzug dazu offenbar noch nicht erreicht.

NEWS: Das System in Russland ist besser als das europäische?
Wolf: Man kann das russische System nicht mit dem europäischen vergleichen. Wie man auch das amerikanische nicht mit dem europäischen vergleichen kann. Das hat historisch gewachsene Unterschiede. Wenn man Teilaspekte aus dem System Russland herausgreift, kann man sagen: Entscheidungen fallen in Russland eindeutig und schnell. Da wurden wir überholt. Von 4,3 Prozent Wachstum und einem ausgeglichenen Budget können wir in Osterreich bzw. Europa derzeit sowieso leider nur träumen. Wir müssen uns in Europa fragen, wie wir unser gewachsenes System demokratisch weiterentwickeln können, dass wir wieder zu rascheren Entscheidungen, größerer Effizienz und Umsetzungsstarke kommen.

NEWS: Was sagen Sie zum klaffenden Budgetdefizit?
Wolf: In Europa haben wir die Maastricht-Kriterien als Stabilitätspakt der Eurozone eingeführt. Das Problem: Defizitüberschreitungen werden nicht geahndet. Das Resultat: Kein Mensch halt sich mehr dran. Das ist wie eine Tempo-100-Beschrankung ohne Radar oder Strafe. Ich bin für eine Verschärfung: Jetzt ist ein Budgetdefizit von drei Prozent erlaubt. Man sollte aber für einen längeren Zeitraum gar kein Defizit zulassen. Der Schlendrian muss gestoppt werden.

NEWS: Was ist derzeit das größte Problem der EU?
Wolf: Das EU-System der Nationalstaaten ist zu sehr geprägt von nationalen Interessen. Nationale Politiker lavieren sich von einer Wahl zur anderen und blockieren, statt umzusetzen. Zwei österreichische Kanzler haben viel für Osterreich und für Europa geleistet: Franz Vranitzky und Wolfgang Schüssel. Schüssel hat notwendige Reformen umgesetzt und wurde daraufhin abgewählt. Gleich erging es Gerhard Schroder in Deutschland.

Nicht jeder muss in der Eurozone bleiben

NEWS: Wie wichtig ist es, dass die Griechen den Euro behalten?
Wolf: Ich würde mich nicht an das Mantra halten, dass jeder in der Eurozone bleiben muss. Das ist nicht notwendig. Irgendwann ist die Schmerzgrenze der zahlenden Länder erreicht. Die Menschen in Deutschland und Osterreich werden das nicht ewig mittragen.

NEWS: Welches Bild haben Sie von Österreich aus der Ferne?
Wolf: Das Bild einer vermeintlichen Insel der Seligen, auf der es sich Kanzler und Vizekanzler offensichtlich immer noch leisten können, den Wählern Sand in die Augen zu streuen. Es wird geredet, aber nichts getan. Wir haben Stillstand. Aber Stillstand ist Rückschritt. Mir fehlt es an messbaren Umsetzungen in den Bereichen Stärkung des Wirtschaftsstandortes, Wachstumsimpulse, Bildung, Bürokratieabbau, bei der überfälligen Verwaltungsreform. Stattdessen beschäftigt sich die Politik seit über einem halben Jahr ausschließlich mit sich selbst; mit U-Ausschüssen und Parteienfinanzierung. Da verbeißt man sich in die Telekom, um davon abzulenken, dass es einen Verteilungsapparat gibt, der in alle politischen Richtungen ausschüttet. Von Problemen zu reden heißt nicht, sie zu losen

NEWS: Wie zufrieden sind Sie mit den aktuellen Politikern?
Wolf: Darauf will ich gar nicht naher eingehen, weil ich die Frage ohnehin schon beantwortet habe. Ich möchte mutige Politiker, die auch unbequeme Wahrheiten aussprechen und entsprechend handeln. Ich möchte Politiker, für die das Land mit seinen Menschen an erster Stelle steht und nicht mehr das eigene Pfründesystem. Viele tagesaktuelle Debatten sind einfach nur unwürdig.

NEWS: Eine Frage an Sie als Wähler: Sind Sie frustriert?
Wolf: Frustriert nicht, aber ratlos, wem ich guten Gewissens noch meine Stimme geben kann. Welchen Politiker soll ich bitte in diesem Land wahlen?

Unsere Politiker fallen ja noch im Liegen um

NEWS: Reformen kosten Geld: Kann man die Bürger dafür gewinnen? Wolf: Ja. Die Menschen akzeptieren es, wenn es nachvollziehbar sinnvoll ist. Ich persönlich wurde auch noch mehr Steuer zahlen, wenn ich den Eindruck hatte, dass damit wirklich Sinnvolles geschieht.

NEWS: Wer ist für Sie ein Lichtblick auf der Regierungsbank? Wolf: Mir fehlen Personen, die glaubwurdig Reformen angehen.

NEWS: Finanzministerin Maria Fekter erntet Kritik, weil sie sagt, was sie sich denkt – fair?
Wolf: Ehrlichkeit zahlt. Das ist auch in den Zehn Geboten festgeschrieben. Das honoriert auch der Wähler. Ich unterstütze lieber jemanden, bei dem ich weiß, woran ich bin.

NEWS: Warum sind Reformen so schwierig? Wolf: Weil unsere lieben Politiker immer dann Probleme mit Reformen kriegen, wenn diese sie selbst betreffen. Zum Beispiel: Wir reden von einer Reform des Nationalrates. Dann stehen fünf Nationalrate dagegen auf, weil sie nicht wegrationalisiert werden wollen, und schon ist das Projekt wieder eingestellt. Das kann ja nicht sein (lacht)! Unsere Politiker fallen ja noch im Liegen um.

NEWS: Kann eine neue Partei oder Bewegung mehr bewirken?
Wolf: Eine neue Gruppierung hatte jedenfalls keine alten Verpflichtungen und keine verkrusteten Strukturen.

NEWS: Könnte Frank Stronach so eine Bewegung initiieren?
Wolf: Jemand wie Frank kann die richtigen Leute, ein Expertenteam, zusammenbringen und motivieren.

NEWS: Schließen Sie aus, selbst einmal politische Verantwortung zu übernehmen?

NEWS: Politberater Thomas Hofer sagt, wenn Frank Stronach eine neue Partei gründet, hätte diese mit einem Spitzenkandidaten Siegfried Wolf große Chancen, zweistellig zu werden und die Kanzlerfrage zu beeinflussen.
Wolf: Wenn Frank Stronach eine Partei gründet, wird er die besten Leute dafür finden.

Einer ordnet Inserate an, der andere lässt seinen Verein sponsern

NEWS: Was halten Sie von der Idee, die ÖIAG-Unternehmen den Ministerien anzuhängen?
Wolf: Davon halte ich gar nichts. Dann kommen diese Betriebe wieder in parteipolitischen Einfluss. Wie wollen wir das denn dem Finanzmarkt, den Aktionären, aber auch den Wählern erklären?

NEWS: Dann kommt es zu Skandalen wie bei der Telekom?
Wolf: Das ist das Sittenbild. Auch in anderen Bereichen war es so. Der eine ordnet Inserate von den OBB an, der andere lasst sich seinen Fusballverein sponsern. Wo ist der Unterschied? Das kann man nur mit klaren Losungen wie der OIAG in den Griff bekommen.

NEWS: Sind solche Zahlungen in irgendeiner Form zulässig?
Wolf: Wenn es dem Unternehmen keinen Mehrwert bringt, ist es nicht zulässig. Wenn es nur Freunderlwirtschaft ist, habe ich ein Problem damit.

Das komplette Interview könnenSie in der aktuellen Printausgabe von NEWS (26/2012) nachlesen!

Kommentare

na wenigsens Einer ist einer der Wenigen, die nicht auf der Pfründeliste stehen und sich schamlos bedienen. Der Mann arbeitet für sein Geld und - er verdient seinem Arbeitgeber Geld und ist seine Gage wert. ALLE Politiker und deren Vasallen nehmen viel Geld, stehlen noch viel mehr und leisten dafür gar nichts. Wenn sie es verbocken, dann sind sie nicht haftbar. Noch sind die Ösis zu saturiert und es geht so halbwegs. Es wird aber schlechter und damit werden wir auch Zustände wie in Spanien, Griechenland, Frankreich etc. bekommen. Autos werden brennen und die Menschen werden ärgerlich und zornig mit den Machthaberern aufräumen. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Wird schon noch kommen.

Sprachs und verschwand nach Moskau.... ...also ehrlich Herr Wolf, alles was Sie da "vorbeten" ist mittlerweile fast jedem Bürger mit IQ 100 und darüber bekannt. Alles nichts neues, wir wissen das unsere Politiker nur an sich selbst denken, ablenken und nur sich selbst Geld zuschanzen etc. - nichts neues. Das Problem ist nur, dass wir alle - wie Sie auch - keine Ahnung mehr haben welchen dieser korrupten Leute wir denn noch wählen sollen - es gibt eigentlich niemanden mehr. ROT / SCHWARZ ist total mies, Grün und blau ebenfalls links und rechts korrumpiert, bleiben nur mehr neue Parteien wie die Piraten. Stronach macht nichts wirklich, nur viel warme Luft, ist schon zu alt. Und Leute wie bucher oder Paierl sind ebenfalls abgelegte Politiker.

also - wenns so weiter geht wähle ich die Piraten! Dann gibts wenigstens was zu lachen!

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