Sicherheitsrat soll sich raushalten: Iran droht mit industrieller Uran-Anreicherung

Chefunterhändler: "Beenden freiwillige Maßnahmen" Drohung zu Beginn intensiver Verhandlungswoche

Der Iran weigert sich, im andauernden Atomstreit nachzugeben. Jetzt droht das Land damit, die Uran-Anreicherung in industriellem Umfang zu betreiben, sollte der Westen den Streit vor den UNO-Sicherheitsrat bringen. Das erklärte der Sekretär des iranischen Sicherheitsrates und Chefunterhändler Ali Larijani.

"Sollte der Fall zum Sicherheitsrat gehen, sehen wird uns gezwungen...alle freiwilligen Maßnahmen zu beenden", so Larijani in der "Financial Times". Dies würde auch die Aufnahme einer industriellen Uran-Anreicherung einschließen, sagte er.

Teheran hatte Anfang Jänner die Anreicherung von spaltbarem Uran-235 in kleinem Umfang wieder aufgenommen. Die EU und die USA sehen darin die Verletzung einer 2004 getroffenen Moratoriumsvereinbarung und drängen darauf, das umstrittene iranische Atomprogramm im UNO- Sicherheitsrat zu behandeln. Das Gremium könnte Sanktionen gegen den Iran verhängen.

Ausreichend Mengen für Nuklearwaffen
Sollte der Iran tatsächlich mit der industriellen Uran-Anreicherung beginnen, könnte dies nicht nur zur Herstellung von Brennstäben in Atomkraftwerken dienen, sondern - bei ausreichend hoher Anreicherung - zur Produktion von Nuklearwaffen. Wegen Verhandlungen mit der EU hatte Teheran sein Atomprogramm zwei Jahre lang auf Eis gelegt.

Die Äußerungen Larijanis erfolgten vor dem Beginn einer Woche, die im Zeichen intensiver diplomatischer Bemühungen hinsichtlich des iranischen Atomprogramms stehen wird. Hochrangige EU-Vertreter wollen in die Hauptstädte jener Länder reisen, die im 35 Mitglieder zählenden Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO/IAEA) vertreten sind, um für die Linie der EU im Atomstreit zu werben.

Larijani dürfte, so die "Financial Times", nach Moskau reisen, um einen russischen Kompromissvorschlag zu erörtern, nach dem die Uran- Anreicherung in ein internationales Gemeinschaftsunternehmen ausgelagert werden soll.

Russland ruft zu Verhandlungen auf
Russland hat den Iran zu Verhandlungen über eine Beilegung des eskalierenden Atomstreits aufgefordert. "Wir hoffen, dass die iranischen Freunde eine Haltung wählen, die die Schärfe aus dem Konflikt nimmt und neue Verhandlungen ermöglicht", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow dem iranischen Vizeaußenminister Mehdi Safari am Montag in Moskau.

Moskau hatte vorgeschlagen, die Uran-Anreicherung, bei der atomwaffenfähiges Material entsteht, außerhalb des Iran auf russischem Boden in einem Gemeinschaftsunternehmen zu betreiben. So könnte der Iran seine zivilen Nuklearpläne verwirklichen und gleichzeitig die westlichen Befürchtungen einer militärischen Nutzung zerstreuen.

(apa/red)