Sicherheitmängel in Wiener Museen: Experten-Vorwürfe werden zurückgewiesen

KHM: "Aussagen unseriös und verantwortungslos" Auch die Österreichische Galerie wehrt sich

Sicherheitmängel in Wiener Museen: Experten-Vorwürfe werden zurückgewiesen

Die Albertina weist in einer Aussendung die von einem Experten bei einem Rundgang mit der APA geäußerten Vorwürfe zu angeblichen Sicherheitsmängeln zurück. Robert Goliasch habe sicherheitslogistisch völlig unterschiedliche Bereiche des Museums nicht unterschieden. Der besonders kritisierte Bereich der zu den Toiletten führenden Bullaugen "ist vom Filmmuseum aus öffentlich zugänglich und befindet sich außerhalb des Sicherheitsbereiches des Museums. Um dorthin zu gelangen, braucht man nur die Stiege zu nehmen, die vom Eingangsbereich Augustinerstrasse hinaufführt." Auch die anderen kritisierten Museen weisen die Vorwürfe zurück

"Auch der zentrale Court sowie die Prunkräume und die Wege zu und von den Prunkräumen zählen zu den nicht-sensiblen Verkehrswegen, in denen außerhalb der Öffnungszeiten allein das Ziel verfolgt wird, nicht autorisierte Personen filmisch und durch Bewegungsmelder zu erfassen. Im übrigen wird ein Besucher bis zum Betreten der Schiele-Ausstellung in jedem Fall mindestens viermal von verschiedenen Blickwinkeln erfasst: auch Herr Goliasch wurde von 13.35h an von unseren Videokameras erfasst und von der Sicherheitszentrale aus auf seinem Weg durch die Albertina begleitet", heißt es in der Stellungnahme.

In der Albertina habe die Sicherheit der Kunstwerke, der Besucher und Mitarbeiter sowie des Gebäudes einen hohen Stellenwert. "Das Museum wird seit fünf Jahren laufend und regelmäßig (zumindest einmal jährlich) von externen Beratern überprüft, die Sicherheitskonzepte und deren bauliche, technische und personelle Umsetzung werden dabei evaluiert und kritisch beleuchtet."

Die derzeitige Direktion habe von Beginn an mehrere nationale und internationale Experten für die Entwicklung des Sicherheitsplanes beigezogen: "So wurde von 1999 bis 2003 von der Ing. Peter Waldenberger KG, die auch die Sicherheitskonzepte vieler österreichischer Banken erstellt, ein Sicherheitsplan und dessen Realisierung betrieben. Seit 2004 überprüfte die Sicherheitskonzepte und Einrichtungen der Albertina DI Okorn vom Institut für angewandte Sicherheitstechnik in Mühlheim."

Auch wurden und werden die technischen, baulichen und personellen Sicherheitsvorkehrungen regelmäßig im Auftrag des Bildungsministeriums von Heinrich H. Bradl, einem unabhängigen Sicherheitsexperten, evaluiert. Dieser habe in einem Bericht u.a. geschrieben: "Die bestehenden Standards der Albertina erfüllen in allen Bereichen (baulich, technisch, organisatorisch und personell) die Anforderungen der höchsten Gefahrenstufe 3 ... Der Einsatz des Sicherheitspersonals und Aufsichtsdienstes erfolgt zielgerichtet im Rahmen eines modernen Sicherheitsmanagements und stellt sicher, dass auf jeden Sicherheitsvorfall schnell und angemessen reagiert wird ... Die zum Zeitpunkt der Überprüfung bestehenden Sicherheitsmaßnahmen in der Albertina sind zeitgemäß und am aktuellen Stand. Sie entsprechen dem Bedrohungsbild und können zurecht als ausgezeichnet beurteilt werden."

Zusätzlich veranlasse die Direktion der Albertina in unregelmäßigen Abständen Übungen zu verschiedenen Einbruchs-, Diebstahls-, Raub- und Brandszenarien. "Einen besonderen Stellenwert nehmen dabei die das Bewachungspersonal unvorbereitet treffenden simulierten Fluchtwegsszenarien ein", so die Albertina.

Österreichische Galerie wehrt sich
Für "unseriös und verantwortungslos" hält die Österreichische Galerie Belvedere die von einem Experten im Rahmen eines Museums-Rundgangs mit der APA getroffenen Aussagen über die Sicherheitseinrichtungen des Museums: "Es liegt in der Natur der Sache, dass Sicherheitsvorkehrungen in Museen nicht jedermann zugänglich bzw. nachvollziehbar oder sichtbar sind", so das Museum in einer Stellungnahme.

"Für die Kontrolle und Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen wird die Österreichische Galerie Belvedere von einem renommierten und einschlägigen Unternehmen beraten und unterstützt, das auch in anderen Museen und vergleichbaren Institutionen tätig ist", heißt es, "Die Österreichische Galerie Belvedere wurde wie andere Bundesmuseen durch einen durch das BMBWK bestellten Sicherheitsfachmann evaluiert und beraten. Sicherheitskonzepte und - anlagen werden vom Museum selbst laufend evaluiert und wenn notwendig auf den neuesten Stand der Technik gebracht."

KHM bezweifelt Aussagen vehement
Auch das Kunsthistorische Museum (KHM) hält die von einem Sicherheitsexperten im Rahmen eines Museumsrundgangs mit der APA getroffenen Aussagen über die Sicherheitseinrichtungen des Museums "für unseriös und verantwortungslos": "Die aufgezeigten Kritikpunkte zeigen eine erstaunliche Unkenntnis über sicherheitstechnische Details, beziehungsweise eine notwendigerweise gegebene Uninformiertheit über alle nicht sichtbaren Sicherheitsvorkehrungen", so eine Aussendung.

"Es ist grundsätzlich nicht möglich ein so komplexes Gebäude, wie es das KHM mit seinen zirka siebzig Ausstellungsräumen ist, in so kurzer Zeit (das selbsternannte Expertenteam hielt sich nicht einmal eine Stunde im KHM auf) und ohne Einsichtnahme in das zugrundeliegende Sicherheitskonzept einer seriösen Evaluierung nach Sicherheitslücken zu unterziehen. Aus diesem Grund sind die in den APA-Meldungen getätigten Aussagen vehement zu bezweifeln", heißt es in der Stellungnahme.

Das KHM werde ebenso wie das MUMOK, die Österreichische Galerie Belvedere, das Parlament, das Palais Epstein und die Österreichische Nationalbibliothek vom international anerkannten Sicherheitsberatungsunternehmen SecureLINE laufend kontrolliert, beraten und unterstützt. Nach einer umfassenden Evaluierung und Erstellung eines Sicherheitskonzeptes durch dieses Unternehmen "wurde ein Maßnahmenkatalog aufgestellt und alle Empfehlungen und Anregungen werden nach einem dem BMBWK bekannten Prioritätenplan laufend umgesetzt. Es findet ein ständiger Austausch zwischen dem Leiter der Sicherheitsabteilung des KHM und den Beratern der Firma SecureLINE statt. Die Umsetzung des Maßnahmenkataloges wird laufend von SecureLINE überprüft."

"Die öffentliche Diskussion von Sicherheitskonzepten in sensiblen Bereichen ist der Sache an sich nicht dienlich und unüblich", so das Museum in seiner Stellungnahme abschließend.

(apa)