Seit "Thema Sadomasochismus plötzlich salonfähig geworden. Aber warum interessieren sich jetzt Menschen, die mit SM bisher nichts am Hut hatten, für diese Sexualpraktiken? Und können Beziehungen von ein wenig SM profitieren? NEWS.AT hat bei der Domina und Buchautorin Nala Martin nachgefragt.
Die 1980 in Wien geborene Nala Martin lebt ihre Leidenschaften aus. Zusammen mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern wohnt sie in Hamburg und arbeitet als Informatikerin. Dann ist da aber noch eine andere Seite: Martin ist eine professionelle Domina. Sie schafft den Spagat, diese beiden Welten zu vereinen - und hat nun auch einen Roman über das Thema geschrieben, der mitten im "Shades of Grey"-Hype veröffentlicht wurde. "Ich merke schon, dass mein Buch "Safeword" davon profitiert", erzählt sie NEWS.AT im Gespräch. Auch wenn es Zufall war, dass der Roman just zu dieser Zeit auf den Markt kommt und eigentlich eine ganz andere Basis hat. "E.L. James' Buch entspringt ja eigentlich einer Twilight-Fan-Fantasie. Mein Roman basiert hingegen auf meinen Erfahrungen in der SM-Szene." Außerdem sei "Shades of Grey" ja auch eine Art Märchen. "Ein Mädchen trifft auf einen reichen Prinzen. Das Revolutionäre daran ist, dass der Prinz nicht nur das Gute personifiziert, sondern gleichzeitig auch das Böse. Er trägt sozusagen auch die "böse Stiefmutter" in sich."
Den Kopf mit Neuem füttern
Gelesen hat sie "Shades of Grey" zwar nicht ("Nach den Kritiken hat es mich nicht mehr wirklich gereizt"), aber schlecht findet sie den ganzen Hype im Prinzip nicht. "Es ist doch eigentlich irrelevant, ob James wirklich weiß, wovon sie schreibt, oder ob die Masse das Phänomen genau versteht. Das Gute daran ist einfach, dass sich die Gesellschaft für das Thema öffnet und sich damit beschäftigt. Das bietet einen Einstieg und gibt Menschen, die Neigungen in diese Richtung haben, das Wissen, dass sie nicht alleine oder eigenartig sind." Aber was bringt Menschen, die bisher nichts mit SM am Hut hatten, nun dazu, Bücher wie "Shades of Grey" oder "Safeword" zu lesen? "Die Geschichten inspirieren viele Leser dazu, im Kopf zu spielen, ihre Fantasien in Bewegung zu bringen." Ob man dies dann auch genau so in der Realität ausleben möchte, steht auf einem anderen Blatt. "Der Kopf wird mit Neuem, Spannendem gefüttert - das ist das Wichtigste!"
Tasten Sie sich vor!
Aber was, wenn man beim Lesen entdeckt, dass man diese Fantasien auch wirklich ausleben möchte - aber in einer "normalen" Beziehung steckt? "Offenheit ist einfach das Wichtigste. Ehrlich zu sich selbst zu sein und ehrlich zu dem anderen. Es bringt ja nichts, solche Bedürfnisse zu verdrängen und sie dann schließlich heimlich zu praktizieren oder fremdzugehen!" Viele möchten SM-Fantasien ja auch lieber mit dem eigenen Partner als in einem professionellen Szenario ausleben. "Versuchen Sie bei einem Glaserl Wein bei Ihrem Partner vorzufühlen." Fallen Sie also nicht mit der Tür ins Haus, sondern tasten Sie sich vor. Am besten ist es schließlich, langsam einzusteigen und nicht gleich das volle Programm durchzuziehen. Man kann experimentieren, Neues einbauen - und dabei schauen, wie weit man gehen möchte.
Was ist wichtiger?
Und was, wenn der andere darauf gar keine Lust hat? Dann rät Nala Martin dazu, ganz ehrlich die eigenen Prioritäten zu prüfen. Wie wichtig ist mir meine Partnerschaft? Und wie intensiv ist die Neigung? Dass sich ein "normales Leben", eine glückliche Beziehung und SM vereinen lassen - davon ist Nala Martin überzeugt. "Ich bin das lebende Beispiel", lacht sie. "Und am allerwichtigsten ist doch immer, dass der Kopf in Bewegung bleibt."
Nala Martins Roman "Safeword" ist die Geschichte der Domina Sharon, die mit ihrem Stammgast Dave die Rollen tauscht und im Zuge einer Wette auf die Nutzung eines Safewords verzichtet. Ein Spiel, das für Sharon gefährliche Folgen hat... Erschienen ist "Safeword" bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, 10,30