Sensationelle Leistung: Marlies Schild holt Silbermedaille in Kombination der Damen!

Kostelic wieder unschlagbar, Bronze für Pärson ÖSV-Team stark: 5. Zettel, 6. Hosp, 7. Kirchgasser

Marlies Schild hat am Samstag die fünfte Medaille für Österreich im fünften Alpinbewerb der XX. Olympischen Winterspiele gewonnen. Unmittelbar nach dem Silber von Hermann Maier im Super G musste sich die nach dem Slalom führende 24-jährige Salzburgerin in San Sicario in der Abfahrt nur von Titelverteidigerin Janica Kostelic überholen lassen und gewann Silber in der Kombination. Nur fünf Hundertstel vor der bitter enttäuschten Schwedin Anja Pärson, die als klare Favoritin gegolten hatte.

Kostelic hatte als Slalom-Zweite zwar nur 0,46 Sekunden Rückstand auf Schild gehabt, weil das Antreten der kranken Kroatin aber an einem seidenen Faden gehangen war, hatten alle Experten auf Pärson als Kombisiegerin getippt. Der Schwedin, die schon in der Spezialabfahrt "nur" Bronze geholt und in dieser Saison alles Olympia untergeordnet hatte, gelang aber erneut keine optimale Abfahrt. Die sonst so freundliche Pärson nahm es mit versteinertem Gesicht zur Kenntnis und starrte böse in die untergehende Sonne.

"Es ist wie zu gewinnen und Letzte zu werden", sagte Pärson zum Vergleich ihrer beiden Bronzemedaillen. "Ich bin hierher gekommen, um Olympiasiegerin zu werden und habe eine weitere Chance vergeben. Ich habe es verloren, weil die Abfahrt nicht schon am Freitag war."

Kostelic durfte dagegen über ihren bereits vierten Olympiasieg jubeln, mit dem sie zur erfolgreichsten Alpin-Läuferin der Olympia-Geschichte avancierte. Die 24-Jährige hatte 2002 in Salt Lake City bereits dreimal Gold und einmal Silber erobert. "Ich zitterte von Beginn weg. Bis zur Ziellinie war es eine sehr lange Zeit. Doch jetzt habe ich Gold, das reicht mir, das war mein Ziel hier bei den Spielen. Damit bin ich glücklich", erklärte Kostelic, die im Zielraum vor lauter Freude wie ein Schlosshund geheult hatte, nachdem sie auf die Spezial-Abfahrt am Mittwoch noch wegen eines unregelmäßigen Pulsschlags hatte verzichten müssen.

Kostelic widmete Medaille "dem kroatischen Volk"
Und auch ihr Kombi-Start war lange Zeit auf des Messers Schneide gestanden, weil ihr die Höhenluft im Piemont wegen ihrer fehlenden Schilddrüse (wurde Anfang 2004 operativ entfernt) schwer zu schaffen macht. "Normalerweise widme ich meine Medaillen niemandem. Doch wie alle wissen, hatten wir Krieg in Kroatien. Daher widme ich diese Medaille dem kroatischen Volk", betonte Kostelic, die in der Abfahrt Bestzeit erzielte. Trotzdem wird sie auf den Super G am Sonntag wohl verzichten. "Zu 99 Prozent fahre ich nicht, weil ich einfach zu erschöpft bin."

Im Gegensatz zu Pärson gelang Schild ihre vielleicht beste Fahrt in der Königsdisziplin. Wegen der Wetterkapriolen wurde dreieinhalb Stunden nach geplantem Beginn die Kombiabfahrt, die eigentlich schon am Freitag auf dem Programm gestanden, aber wegen zu starken Windes abgesagt worden war, vom Super-G-Start absolviert. Und das war das Glück der 24-jährigen Slalom-Spezialistin aus Salzburg. Sie verlor als Siebente zwar fast eine Sekunde auf Abfahrts-Weltmeisterin Kostelic, rettete aber hauchdünn Silber vor Pärson.

"Ich habe mit dem dritten Platz spekuliert, bin überglücklich, dass es der zweite geworden ist. Das war ein super Auftakt, es kann nicht besser sein", frohlockte Schild. Doch das gesamt ÖSV-Damenteam, das mit einer jungen und für den Spezialbewerb vielversprechenden Slalomtruppe angetreten war, zeigte eine famose Leistung. "Belohnt" wurde diese aber nur mit den Plätzen vier (Zettel), fünf (Hosp) und sechs (Kirchgasser).

Zettel mit viertem Platz zufrieden
"Vierte muss man erst einmal werden. Ich darf nicht unzufrieden sein, aber natürlich ärgert man sich immer wieder über einen vierten Platz. Über den bei der WM im Vorjahr habe ich mich aber mehr gefreut", gestand die 19-jährige Kathrin Zettel.

Auch die Niederösterreicherin hätte am ehesten mit Nicole Hosp, der stärksten Abfahrerin in diesem Quartett, gerechnet. Die Tirolerin hatte am Ende eines langen und nervenraubenden Tages als Abfahrts-13. aber über zwei Sekunden Rückstand auf die Siegerin. "Schade. Es wäre einiges mehr drin gewesen. Ich habe keine Ahnung, wo ich die Zeit habe liegen lassen", sagte Hosp

"Mit so wenig Rückstand auf eine Abfahrtssiegerin, das kann sich sehen lassen", gab sich Michaela Kirchgasser hingegen zufrieden. "Ich hätte eben im Slalom nicht so viel verlieren dürfen, wenn ich hier hätte mitmischen wollen", betonte die junge Salzburgerin. "Im ersten Olympiarennen Sechste, das ist nicht so schlecht!"

Endstand Damen-Kombination:
1. Janica Kostelic CRO 2:51,08 Min.
2. Marlies Schild AUT 2:51,58 +0,50
3. Anja Pärson SWE 2:51,63 +0,55
4. Kathrin Zettel AUT 2:52,41 +1,33
5. Nicole Hosp AUT 2:53,21 +2,13
6. Michaela Kirchgasser AUT 2:53,48 +2,40
7. Martina Ertl-Renz GER 2:54,28 +3,20
8. Jessica Lindell-Vikarby SWE 2:55,19 +4,11
9. Julia Mancuso USA 2:55,44 +4,36
10. Brigitte Acton CAN 2:55,75 +4,67
11. Resi Stiegler USA 2:55,79 +4,71
12. Janette Hargin SWE 2:56,13 +5,05
13. Emily Brydon CAN 2:56,51 +5,43
14. Nike Bent SWE 2:56,62 +5,54
15. Veronika Zuzulova SVK 2:56,63 +5,55
16. Monika Bergmann GER 2:56,80 +5,72
17. Kaylin L. Richardson USA 2:56,83 +5,75
18. Marie Marchand-Arvier FRA 2:57,11 +6,03
19. Sarka Zahrobska CZE 2:57,14 +6,06
20. Nadia Fanchini ITA 2:57,15 +6,07
21. Petra Robnik SLO 2:57,40 +6,32
22. Lucie Hrstkova CZE 2:59,57 +8,49
23. Sona Maculova SVK 3:00,25 +9,17
24. Petra Zakourilova CZE 3:00,77 +9,69
25. Carolina Ruiz-Castillo ESP 3:00,93 +9,85
26. Macarena Simari Birkner ARG 3:02,66 +11,58
27. Wendy Siorpaes ITA 3:02,85 +11,77
28. Dagny I. Kristjansdottir ISL 3:04,25 +13,17
29. Maria Belen Simari Birkner ARG 3:05,35 +14,27
30. Noelle Barahona CHI 3:26,62 +35,54

(apa/red)