"Semmering-Basistunnel neu": Projekt ist auf Schiene, soll bis 2020 realisiert werden!

ÖBB Infrastruktur Bau AG stellte Zielsetzungen vor Geschätzte Kosten betragen 1,25 Milliarden Euro

Seit Jahrzehnten verfolgen die ÖBB das Ziel, mit einem neuen Bahntunnel durch den Semmering die Verkehrsabwicklung der Südbahnstrecke zu verbessern, nun gibt es wieder einen Anlauf: Das Projekt "Semmering-Basistunnel neu" soll - im Einvernehmen mit den beteiligten Bundesländern und bei enger Bürgerbeteiligung - in zeitlicher Nähe zur Koralmbahn bis 2018/2020 realisiert werden.

Die ÖBB Infrastruktur Bau AG, die im Vorjahr den Projektauftrag erhalten hat, stellte anlässlich des Planungsstarts heute, Dienstag, im Ort Semmering die Zielsetzung für das laut Kostenschätzung 1,25 Mrd. Euro-Projekt vor. SPÖ-Verkehrssprecher Kurt Eder warf der Bundesregierung und Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (V) im Zusammenhang mit dem Semmering-Tunnelprojekt "Pflanzerei" vor, statt 2020 hätte der Tunnel schon in ein bis zwei Jahren fertig sein können.

Gebaut werden soll laut ÖBB eine so genannte Flachstrecke mit maximal acht Promille Steigung. Der Ausgangspunkt auf niederösterreichischer Seite in Gloggnitz bleibt gleich, auf steirischem Boden wird der Standort für einen Bahnhof mit IC-Halt und regionaler Anbindung im Raum Mürzzuschlag/Langenwang gesucht. Varianten für die etwa 28 Kilometer lange Tunnelstrecke werden sowohl nördlich als auch südlich der Semmeringschnellstraße untersucht.

Projektleiter Franz Bauer bezifferte die geschätzten Kosten mit 1,25 Mrd. Euro. Er zeigte sich erfreut über das verkehrspolitische Einvernehmen zwischen dem Bund und den Ländern Niederösterreich und Steiermark und weiters überzeugt davon, dass die bestehende Weltkulturerbe-Strecke und die leistungsfähige neue Südbahn sinnvoll neben einander bestehen werden. Beim Tunnelbau werde größte Rücksicht darauf genommen, den Wasserhaushalt des Gebirgskörpers so wenig wie möglich zu beeinflussen.

Bauer hob die Bedeutung der Südbahn als Teil des transeuropäischen Netzes für den Wirtschaftsstandort Österreich und die regionale Wirtschaft hervor, wobei er auch auf den Ausbau der Knoten Wien, Linz und Graz sowie der Donau- und Phyrn-Achse verwies. Die Finanzierung des Projektes sei laut Ministerratsbeschluss gesichert, der Rahmenplan für die erste Tranche der Planung betrage 20 Mio. Euro.

Der Baubeginn ist für 2010 geplant
Derzeit werden die Untergrundverhältnisse erkundet. Varianten-Entwicklung und Trassenplanung für den Tunnelbau sollen bis 2008 erfolgen. Die Behördenverfahren könnten 2009 bis 2010 abgewickelt werden, so dass nach der Ausschreibung ab 2010/2011 gebaut werden soll. Wie Bauer erläuterte könnte die Möglichkeit, das - geänderte - UVP-Verfahren mit dem eisenbahnrechtlichen zu konzentrieren, einen zeitlichen Vorteil bringen. Dazu kämen ergänzende Einreichungen, z.B. zum Naturschutz.

Auf Grund der langen Vorgeschichte des Projektes sprach Bauer von besonderen Sensibilitäten, auf die die ÖBB Bedacht nehmen. So würde Günther Kienast, seit 1984 mit Bürgerbeteiligungsverfahren beschäftigt, mit der mediativen Prozessbegleitung beauftragt. Kienast sieht seine Rolle darin, Kommunikation zwischen den Interessengruppen schon im Vorfeld der Behördenverfahren herbeizuführen und Konsens zu suchen. Bauer erklärte dazu, dass aus den Gemeinden bereits zwei Variantenvorschläge vorgelegt wurden.

Für den Projektleiter gibt es zum derzeitigen Stand noch keine Präferenzen hinsichtlich der Trasse - ebenso wenig für den Standort des Bahnhofes im Mürztal. Es gelte die Interessen Mürzzuschlags als Bezirkshauptstadt zu berücksichtigen und gleichzeitig die Erfordernisse der geringen Steigung, was für einen Standort südlich von Mürzzuschlag sprechen würde. Hingegen sei der Bau eines unterirdischen Bahnhofes auf Grund der notwendigen Dimension eher problematisch und mit einem U-Bahnhof nicht vergleichbar. Die bisherigen Investitionen in Planung und Vermessung sollen einbezogen werden - so auch der vorhandene Sondierstollen. Wobei es laut Bauer nicht primär um dessen Einbindung geht, sondern um die bestmögliche Variante.

SPÖ: "Menschen werden zum Narren gehalten"
SPÖ-Verkehrssprecher Eder äußerte scharfe Kritik: "Die Menschen werden zum Narren gehalten". Hätte man vor eineinhalb Jahren zu bauen begonnen, was rechtlich und technisch möglich gewesen wäre, dann würde der Tunnel 2007 oder 2008 fertig werden, so Eder im SPÖ-Pressedienst. "Stattdessen hat Landeshauptmann Pröll mit Einverständnis von Bundeskanzler Schüssel den baureifen Tunnel zu Grabe getragen. Übrig geblieben sind Kosten in der Höhe von 93 Millionen Euro, die für den Sondierstollen ausgegeben wurden". Die Bundesregierung habe ihre Glaubwürdigkeit in verkehrspolitischen Fragen längst verloren, das beweise diese neuerliche "Pflanzerei" beim Semmering-Basistunnel. "Alle, die heute versprechen, dass der Tunnel vielleicht in 15 Jahren fertig sein wird, werden dieses Datum nicht mehr als politische Verantwortungsträger erleben", so der SPÖ-Verkehrspolitiker.

(apa/red)