Vor gar nicht allzu langer Zeit verlautbarten Wissenschafter, Botox würde gegen Depressionen wirken. Nun haben Genfer Forscher herausgefunden, dass das Nervengift auch das Wachstum zügeln kann. Sie hoffen, eines Tages Menschen mit Riesenwuchs mittels Botox behandeln zu können.
Der Schauspieler Richard Kiel, bekannt als "Beisser" aus den James Bond -Filmen, ist wohl ihr berühmtester Vertreter: Bei Menschen mit der seltenen Krankheit Akromegalie produziert das Gehirn zu viele Wachstumshormone, weshalb ihre Knochen und Gewebe übermäßig wachsen. Oft leiden Betroffene an Herzkrankheiten oder Diabetes. Meist ist ein gutartiger Tumor in der Hirnanhangsdrüse die Ursache, doch nicht alle können operiert werden.
Nervenlähmend und wachstumshemmend
Also überlegten Forscher vom Universitätsspital Genf: Wenn das Anti-Faltenmittel Botox Gesichtsnerven lähmen kann, warum nicht auch überaktive Hormon-produzierende Zellen? Das Team um den Pädiater Emmanuel Somm kombinierte das Botox mit verschiedenen Eiweißbausteinen, damit die entstandene Substanz ganz spezifisch auf die Hormon-abgebenden Zellen einwirken würde.
Versuch bei Ratten geglückt
Tatsächlich stoppte das so entstandene Eiweiß bei Ratten die Produktion und die Absonderung des Wachstumshormons, wie die Forscher nun im Fachblatt "Journal of Clinical Investigation" berichten. Entsprechend waren auch der Körper, die Organe und die Knochen der Tiere kleiner und leichter als bei unbehandelten Artgenossen.
Botox gegen Hormonstörungen
Diese Ergebnisse zeigten, dass das Nervengift Botox auch andere Zelltypen als Nervenzellen beeinflussen kann. Schließlich liefern die Studienergebnisse Grund zur Hoffnung, dass mit solchen Substanzen auf Botox-Basis eines Tages ganz gezielt die Hormonüberproduktion bei
Menschen mit Akromegalie
, aber auch anderen Hormonstörungen, gezügelt werden kann.