Seilbahnzwischenfall in Sölden: Angestellter
verurteilt - Fahrlässige Gemeingefährdung

Verurteilt: Sechs Monate bedingt und Geldstrafe 2004: Leere Gondel abgestürzt, langsame Bergung

Nach einem spektakulären Seilbahnzwischenfall im November 2004 am Rettenbachferner im Tiroler Ötztal (Gemeinde Sölden) ist der Betriebsleiterstellvertreter der "Schwarze-Schneid"-Bahn am Innsbrucker Landesgericht wegen fahrlässiger Gemeingefährdung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten und eine Geldstrafe von 10.800 Euro verurteilt worden. Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig.

Im Gegensatz zu dem Unglück in Sölden im September 2005, bei dem neun Gondelinsassen starben, kamen bei dem Zwischenfall 2004 keine Menschen ums Leben. Eine leere Gondel war am 14. November 2004 in die Tiefe gestürzt. Hauptursachen dafür waren laut des Sachverständigen die Vereisung, Ablenkung und eine daraus folgende Einklemmung des Telekommunikationsseils. 115 Passagiere mussten nach dem Absturz der Gondel bis zu acht Stunden bei eisiger Kälte auf ihre Bergung per Seil warten.

Laut Anklage hatte sich die Bahn zunächst abgestellt. Trotz systembedingter Fehlermeldungen habe der 44-jährige Angeklagte aus dem Ötztal dann dennoch die Anweisung gegeben, die blockierenden Sicherheitssysteme zu deaktivieren und die Gondelbahn im Notbetrieb wieder anzufahren. Zuvor habe zudem ein Gondelbenützer noch den telefonischen Hinweis gegeben, dass auf Höhe der Stütze 8 das Steuerkabel der Bahn über dem Tragseil liegen würde und vom Schiefstand einer Gondel berichtet. Kurz nachdem die Bahn wieder angefahren war, stürzte die leere Gondel in die Tiefe.

Der Angeklagte bekannte sich vor Gericht nicht schuldig. Er sei "auch im Nachhinein der Meinung, alles richtig gemacht zu haben." Der 44-Jährige gab an, dass es bei der Bahn bereits vor dem Unglück öfters die Fehleranzeige "Störung Kommunikation" gegeben habe. In diesen Fällen habe man "den Computer heruntergefahren und die Störung ist weg gewesen", sagte er.

Die vorsitzende Richterin Ingrid Brandstätter fragte daraufhin, ob man am Unglückstag nicht daran gedacht habe, dass wirklich außen an der Bahn ein Fehler vorliege und dass der Computer richtig anzeige. Daraufhin der Angeklagte: "Förderseilmäßig hat es nichts gehabt, und dass sich das Steuerkabel einhängt, hätten wir nie geglaubt." Dass das Förderseil in der korrekten Position gewesen sei, habe man mit dem Fernglas gesehen. Brandstätter bezeichnete es bei der Urteilsbegründung als fahrlässig, trotz weiter aufscheinender Sicherheitswarnungen nicht an Ort und Stelle gefahren zu sein, um die Ursache der Warnungen zu suchen.

Am Vormittag wurden mehrere Zeugen vernommen. Ein Gondelinsasse gab an, dass bei den Menschen in der Bahn "riesen Lebensangst" entstanden sei. Der Betriebsleiter der "Schwarze-Schneid"-Bahn sagte aus, er habe für die Zeitspanne des Seilbahnzwischenfalls eine "Gedächtnislücke". Grund dafür sei eine schwere Gehirnerschütterung, die er bei einem Unfall erlitten habe. Der Betriebsleiter war - mit seinem Stellvertreter abgesprochen - zum Zeitpunkt des Unglücks nicht bei der Bahn, sondern im Ort Sölden gewesen.

(apa/red)