Schwache Beteiligung an Post-Demo: Nur
600 Teilnehmer bei Protestmarsch in Wien

Gewerkschafter Fritz: "Streikdrohung bleibt aufrecht" SP-Moser mit deftigen Attacken gegen Schüssel

Rund 600 Teilnehmer haben sich Donnerstag Nachmittag vor der Postzentrale in Wien-Innere Stadt eingefunden, um gegen die Privatisierung der Post zu protestieren. Angemeldet waren bei der Polizei rund 800 Teilnehmer. Prominentester Teilnehmer des Protestzuges waren Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel und der SPÖ-Wirtschaftssprecher Johann Moser. Auf Plakaten war zu lesen: "Stopp dem Privatisierungswahn" und "Erst stirbt die Post, dann das Land".

Moser fand am Rande der Veranstaltung heftige Worte für Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V). Dessen "Postraubzug" gehe nun in die letzte Phase, sagte Moser zur APA. Er warf der Regierung vor, seit dem Jahr 2000 45 Prozent aller Postämter geschlossen zu haben. Moser wörtlich: "Ich frage mich, was Schüssel gesagt hätte, wenn wir jede zweite Kirche zugesperrt hätten." Er betonte, dass die Post in den vergangenen fünf Jahren 570 Mio. Euro an das Budget abgeliefert habe.

Von dem raschen Börsegang würden jedoch nur die Spekulanten profitieren, so Moser, der einen weiteren Mitarbeiter-Abbau befürchtet. Sollte die Post nämlich an der Börse notieren, würde das Post-Management nur noch die Interessen der Aktionäre verfolgen.

Unter Posthorn-Tönen und vor einem symbolischen Kreuz aus Briefkästen und Kerzen hat die Post-Belegschaft protestiert.

Belegschaftsvertreter sprachen von einem "Todeskreuz" als Antwort auf eine "Geldbeschaffungsaktion", die die Regierung "schönreden" wolle. Der oberste Post-Gewerkschafter Gerhard Fritz stellte einmal mehr klar, "die Streikdrohung bleibt aufrecht". Wenn die weiteren Gespräche keine Einigung bringen würden, werde man alle Maßnahmen ergreifen, um die Interessen der Post-Belegschaft zu wahren.

Vor dem Finanzministerium hatten sich kurz vor 18.00 Uhr nach Angaben der Polizei mittlerweile rund 600 Postler eingefunden. Einer fehlte: Der Chef der Post-Christgewerkschafter, Manfred Wiedner.

Infrastruktur-Staatssekretär Eduard Mainoni (B) bezeichnete in einer Aussendung die Beteiligung an dem Protestmarsch als "Abfuhr für die Gewerkschaft".

Zahlreich versammelt waren hingegen die Autofahrer im Stau. Die Exekutive berichtete von umfangreichen Verkehrsbehinderungen. Ein Polizist zur APA: "Die Post bringt allen etwas."

(apa/red)