Schönborn in Interview: Schöpfungslehre ist keine "Alternative" zur Evolutionstheorie

Schöpfung ist Glaubenssache, Evolution eine These Mit "Modell Evolution" kann nicht alles erklärt werden

Schönborn in Interview: Schöpfungslehre ist keine "Alternative" zur Evolutionstheorie

Der Wiener Erzbischof, Kardinal Schönborn, betrachtet die christliche Schöpfungslehre nicht als "Alternative" zur Evolutionstheorie. Die Evolutionstheorie sei eine naturwissenschaftliche These, die Schöpfungslehre sei eine Sache des Glaubens.

Er glaube, "dass die beiden füreinander offen sind und dass sie doch auch einander Fragen stellen sollen", sagte Schönborn. Aber er erwarte nicht, dass die Schöpfungslehre der Evolutionstheorie als eine "andere wissenschaftliche Theorie" gegenüber gestellt werde, betonte Schönborn laut Kathpress in einem Interview mit dem US- Internetdienst "Beliefnet".

Schönborn stellte klar, dass seine Skepsis nicht der wissenschaftlichen Evolutionstheorie, sondern dem ideologischen "Evolutionismus" gelte. Seine Einwände seien in erster Linie nicht naturwissenschaftlicher, sondern philosophischer Natur. Es gehe um eine Kritik am atheistischen Materialismus, der die heutige Gesellschaft dominiere. Den "Evolutionismus" bezeichnet Schönborn als "weltanschauliche Position", die meint, "dass mit dem Modell Evolution alles erklärt werden kann, vom Big Bang bis zu Beethovens Neunter Symphonie". Das sei aber "Ideologie".

Das Hauptwerk von Charles Darwin "The Origin of Species" sei ein geistesgeschichtlicher Meilenstein und gehöre zu den großen Werken der Weltliteratur. Das heiße aber nicht, dass er "mit allem einverstanden" sei: "Wenn die Thesen Darwins eine wissenschaftliche Hypothese sind, müssten sie sich der Kritik stellen. Was er kritisiere, sei eine gewisse "Immunisierungsstrategie", betonte der Kardinal. "Als ob es eine Beleidigung der Würde Darwins wäre, wenn man seine Theorie wissenschaftlich kritisiert und sagt, da und dort gibt es Punkte, die mit dieser Theorie nicht erklärt werden können."

(apa)