Schneeräumung fordert ein Todesopfer:
Dachlawine reißt 69-Jährigen in die Tiefe

Schule in der Oststeiermark musste evakuiert werden<br>Lawinengefahr steigt nach Neuschnee in den Bergen<br>Mehrere Dächer in Niederösterreich eingestürzt <b>BILDER:</b> So hat der Winter Österreich im Griff!<br><b>PLUS:</b> Gleich nachschauen - so wird das Wetter!

Schneeräumung fordert ein Todesopfer:
Dachlawine reißt 69-Jährigen in die Tiefe

Die Schneeräumarbeiten auf den Gebäudedächern in Oberösterreich haben am Donnerstag ein erstes Todesopfer gefordert. In der Gemeinde Julbach (Bezirk Rohrbach) ist ein 69-Jähriger Pensionist heute bei Räumarbeiten von einer Dachlawine in die Tiefe gerissen worden. Der Mann wurde bei seinem Absturz unter den Schneemassen begraben. Seine Ehefrau, die ihn wenig später entdeckte, konnte ihm nicht mehr helfen.

Eine Entspannung der kritischen Lage war Donnerstagabend nicht in Sicht. Der Schneefall hielt weiter an. Die Bezirkshauptmannschaft Rohrbach berief einen Krisenstab ein. Bezirkshauptfrau Wilbirg Mitterlehner teilte mit, an alle Bürgermeister im Bezirk sei die dringende Empfehlung ausgegeben worden, am Freitag Gebäude mit großen Menschenansammlungen wie Schulen, Kindergärten und auch Kaufhäuser aus Sicherheitsgründen zu sperren, sofern die Dächer noch nicht von der Schneelast befreit worden seien beziehungsweise Gefahr in Verzug sei. In vier Gemeinden des Bezirkes wurden noch am Donnerstag Schulen oder Teile davon gesperrt. Für zwei Gemeinden wurde Hilfe vom Bundesheer angefordert. 64 Feuerwehren mit rund 500 Mann waren im Räumeinsatz.

Auch in den anderen Landesteilen ging der Kampf gegen die schweren Schneemassen weiter. Das Bundesheer verlegte Soldaten aus St. Johann im Pongau zur Verstärkung seiner Einsatzkräfte nach Oberösterreich. Es ging aber nicht nur das erforderliche Personal, großen Schneeschieber wurden zur Mangelware. Sie wurden sogar schon aus Wien herangeschafft.

Verkehrsbehinderungen auf A1 und Bundesstraßen
Der starke Schneefall hat auf zahlreichen Straßen zu schweren Verkehrsbehinderungen geführt. Wie der ÖAMTC berichtete, ist es sowohl auf der Westautobahn (A1) als auch auf zahlreichen Bundesstraßen in Niederösterreich, Salzburg und Oberösterreich zu Problemen gekommen.

In Oberösterreich war die Verbindung Linz-Wullowitz (Tschechien) gesperrt. Zahlreiche Lkw waren hängen geblieben, die Pkw wurden umgeleitet, so der ÖAMTC. Das Gebiet rund um die oberösterreichische Hauptstadt war tief verschneit.

Auf der A1 herrschten widrige Fahrbedingungen. Der Schneefall sorgte von Amstetten bis Salzburg für zahlreiche Dreher und Blechschäden.

Regelrecht im Schnee versunken ist das Mühlviertel. Dort wurden mehrere Straßen gesperrt. Rund um Gmunden kam es ebenfalls zu zahlreichen Behinderungen.

Schule in der Steiermark evakuiert
Wegen Einsturzgefahr musste die Volksschule im obersteirischen Gußwerk (Bezirk Bruck an der Mur) evakuiert werden. Die Dachkonstruktion hatte sich auf Grund der enormen Schneelast verschoben, hieß es in einer Aussendung der Polizei. Betont wurde aber, dass es sich um eine "reine Sicherheitsmaßnahme" handelte und für die Schüler keine Gefahr bestanden hätte.

In der Schule werden in vier Klassen rund 50 Kinder unterrichtet. Alle Schüler und ihre Lehrer wurden gegen 10.00 Uhr nach Hause geschickt. Feuerwehr und freiwillige Helfer sind damit beschäftigt, die zwei Meter hohen Schneemassen vom Dach zu entfernen. "Wegen der für die kommenden Tage angekündigten Schneefälle erschien es uns sicherer", so ein Sprecher der Gemeinde. Nach der Begutachtung durch einen Sachverständigen soll der Schulbetrieb am Freitag wieder aufgenommen werden.

Weiterhin Gefahr von Dacheinstürzen
Die Gefahr von Dacheinstürzen in Österreich war auch am Donnerstag noch nicht gebannt. Auf Grund neuer Schneefälle erhöhte sich die Gefahr in Teilen des Landes. Besonders stark betroffen war Niederösterreich mit vier Einstürzen. In der Steiermark musste eine Volksschule evakuiert werden, weil sich die Dachkonstruktion verschoben hatte.

Vier Einstürze in Niederösterreich
In Niederösterreich sind unter den Schneelasten am Mittwoch und in der Nacht auf Donnerstag gleich vier Dächer eingestürzt. Betroffen waren nach Angaben der Sicherheitsdirektion zwei Hallen im Bezirk Gmünd und ein Stallgebäude im Bezirk Neunkirchen. Der ORF Niederösterreich berichtete darüber hinaus von einer Scheune im Bezirk Scheibbs. Verletzt wurde niemand. Der entstandene Schaden ist erheblich.

Jörg Würzelberger, Sprecher des NÖ Landsfeuerwehrkommandos, sagte am Donnerstag auf Anfrage der APA, dass die Bezirkshauptmannschaft Gmünd eine Verordnung zur Überprüfung von Dächern erlassen habe. Damit beauftragt seien die Bürgermeister. Bei Bedarf würden Dächer von den Feuerwehren vom Schnee befreit. Im Bezirk Gmünd stünden "etliche Einsätze" an. Das gelte auch für den Bezirk Lilienfeld. Dort sind laut Würzelberger seit Mittwoch "etwa 100 Dächer abgeschaufelt" worden.

Gefahr in Oberösterreich besonders hoch
Die Dacheinsturzgefahr hielt auch in Oberösterreich an und wurde sogar noch größer. In immer mehr Gemeinden schaufelte die Feuerwehr den Schnee von öffentlichen Gebäuden, Firmen und auch Privathäusern, die sonst unter den Massen nachgeben könnten. Unterstützung kam auch vom Bundesheer: 580 Soldaten waren in Oberösterreich im Einsatz - laut Militärkommando das "absolute Limit".

In der Nacht auf Donnerstag hat es in Teilen des Salzkammergutes und im Innviertel wieder 15 bis 20 Zentimeter geschneit. In Bad Ischl (Bezirk Gmunden) schaufelten Soldaten das 4.000 Quadratmeter große Dach über zwei Bettentrakten des Landeskrankenhauses ab. Patienten mussten nicht evakuiert werden. Aus Sicherheitsgründen bleiben in Bad Ischl aber drei Schulgebäude bis voraussichtlich Montag geschlossen. Besonders schlimm war die Lage nach wie vor in Kopfing im Bezirk Schärding, wo am Mittwoch das Dach einer Volksschule unter der Schneelast eingebrochen war. Alle Schulkinder hatten am Donnerstag frei.

Angesichts der Schneefälle ist in Innsbruck ein Einsatzstab gebildet worden, der unter anderem die Schneelast auf Dächern prüfen soll. Nach Angaben der Berufsfeuerwehr vom Donnerstag bestand jedoch keine Einsturzgefahr für Gebäude. Am Mittwoch war vorsorglich das Dach der Olympiahalle - die zweitgrößte Hallenkonstruktion Österreichs - teilweise abgeräumt worden. Weitere Schneefälle wurden erwartet.

Niderösterreich verzeichnete "Schneerekord" in Litschau
Niederösterreich hat im Februar einen "Schneerekord" verzeichnet. Wie Helmut Derka, Klimatologe der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien in einer Aussendung am Donnerstag mitteilte, lag der Februar-Wert in Litschau (Bezirk Gmünd) mit 85 Zentimetern Schnee so hoch wie nie zuvor.

"So viel war es im Februar seit Beginn der Aufzeichnungen 1954 noch nie. Die alte Bestmarke datiert vom 27.2.1993 mit 78 Zentimetern," so Derka. Auch im Bergland Niederösterreichs seien beachtliche Schneemengen gefallen. In Lunz am See (Bezirk Scheibbs) gab es am Donnerstag 124 Zentimeter Schnee. "Nur drei Mal, in den Jahren 1952, 1965 und 1953 wurde dieser Februar-Wert überboten.", berichtete der Klimatologe. Zur "weißen Goldmedaille" in Lunz am See fehlten allerdings noch 41 Zentimeter.
(apa/red)