Autsch! von

Welcher Insektenstich
der schmerzhafteste ist

Dagegen stinken Wespen und Bienen ab - als ob man bei lebendigem Leib verbrennt

Hornisse © Bild: imago/Westend61

Warum eigentlich haben so viele Menschen so große Angst vor Hornissen? Ganz klar: Weil ihr Stich besonders schmerzt und obendrein hochgiftig ist. Stimmt's? Weit gefehlt! Denn erstens sind die fetten, schwarz-gelb gestreiften Insekten nur dann gefährlich, wenn man auf sie allergisch ist, und zweitens schmerzt der ihr Stich nicht mehr als der einer Honigbiene (obwohl auch schon dieser nicht besonders angenehm ist). Woher wir das wissen? Von Justin O. Schmidt, der auch herausgefunden hat, welcher Insektenstich am allermeisten schmerzt.

Der US-Amerikaner Justin O. Schmidt ist Insektenforscher am Southwest Biological Institute. Und dafür bekannt, dass er nicht zimperlich ist, wenn es um Schmerz geht. So hat er sich von über 150 verschiedenen Insektenarten aus aller Herren Länder stechen und beißen hat lassen. Aus Forschungszwecken, versteht sich. Denn anhand seiner zahlreichen, mitunter höchst unangenehmen Erfahrungen erstellte er den "Schmidt-Stichschmerz-Index".

Auf einer vierstufigen Skala reihte er also Bienen, Wespen, Ameisen und natürlich Hornissen ein. Doch nicht, dass Sie jetzt glauben, mit der Zuordnung einer bestimmten Zahl zu einem bestimmten Schmerz sei es getan. Denn der Forscher hat es sich nicht nehmen lassen, seine Empfindungen in den schillerndsten Farben zu schildern. Von "flüchtig, fast fruchtig" bis hin zu "Als ob man über glühende Kohlen läuft und dabei einen sieben Zentimeter langen, rostigen Nagel in der Ferse stecken hat."

Stufe 1.0: Blutbiene und Furchenbiene

Blutbiene
© imago/blickwinkel

Der Schmerz der in Mitteleuropa angesiedelten Blutbiene fühlt sich Schmidt zufolge ebenso wie der der Furchenbiene "leicht, flüchtig, fast fruchtig" an. "Als ob ein winziger Funke ein einziges Haar auf dem Arm ansengt". Mal ehrlich: Bei dem Namen "Blutbiene" hätten wir uns jetzt schon etwas Schlimmeres erwartet. Aber gut.

Stufe 1.2: Feuerameise

Feuerameise
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Haben Sie schon mal einen elektrischen Schlag abbekommen, während Sie über einen statisch aufgeladenen Flokatiteppich gelaufen sind? Genauso soll sich nämlich der Biss einer Feuerameise anfühlen. "Scharf, plötzlich, etwas beunruhigend", ergänzt Schmidt. Naja, Schmerzen haben meistens etwas Beunruhigendes an sich.

Stufe 1.8: Knotenameise

Knotenameise
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Auch die nächste Stufe wird von einer Ameisenart belegt. Dieses Mal von einer Knotenameise. Ihr Schmerz ist "selten, stechend, irgendwie hoch." Und wenn Sie sich jetzt fragen, wie sich ein hoher, stechender Schmerz anfühlt: "Als ob jemand eine Heftklammer in deine Wange schießt." Autsch! Die Knotenameise ist übrigens in Mittel- und Südeuropa beheimatet.

Stufe 2.0: Kurzkopfwespe

Kurzkopfwespe
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Wenn Sie wissen wollen, wie es sich anfühlt, wenn der US-amerikanische Komiker W. C. Fields - er ruhe in Frieden! - eine Zigarre auf Ihrer Zunge auslöscht (Wir wollen es nicht wissen!), dann müssen Sie sich von der auch bei uns beheimateten Kurzkopfwespe stechen lassen. So beschreibt Schmidt nämlich den Schmerz ihres Stichs. Und um das Erlebnis noch etwas schmackhafter zu machen: Der Schmerz ist "reichhaltig, herzhaft und heiß".

Stufe 2+: Honigbiene, Hornisse

Biene
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Und hier haben wir sie auch schon: die Honigbiene. Auf derselben Stufe in Schmitds Schmerzskala wie die meist weit mehr gefürchtete Hornisse. Ihr Stich fühlt sich an "wie ein abgebrochener Streichholzkopf, der auf deiner Haut abbrennt". Nicht gerade angenehm. Aber es gibt wohl Schlimmeres.

Stufe 3.0: Feldwespe

Feldwespe
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"Ätzend, brennend und unerbittlich" ist der Stich der Feldwespe. "Als ob jemand einen Bohrer benutzt, um einen eingewachsenen Zehennagel freizulegen, oder man einen Becher mit Salzsäure über eine Schnittwunde schüttet." Ein Glück, dass die Großzahl der 630 verschiedenen Arten in den Tropen und den Subtropen und gerade mal sechs Arten in Mitteleuropa angesiedelt sind.

Stufe 4.0: Tarantulafalke

Tarantulafalke
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"Heftig, blendend, furchtbar elektrisch" fühlt sich der Stich des Tarantulafalken an. "Als ob jemand einen laufenden Fön in dein Schaumbad fallen lässt." Hört sich ziemlich fatal an. Tödlich ist die Wespenart allerdings nur für Vogelspinnen. Mit ihrem Stich lähmt sie das arme Tier, in deren Rücken sie ihre Eier ablegt. Die geschlüpfte Larve wiederum ernährt sich dann bis zu ihrer Verpuppung von der Spinne. Pfui!

Stufe 4.0+: 24-Stunden-Ameise

24-Stunden-Ameise
© Imago/Photoshot/Evolve

Und jetzt zum ultimativen Schmerz schlechthin: Es ist ein "reiner, intensiver, strahlender Schmerz. Also ob man über glühende Kohlen läuft und dabei einen sieben Zentimeter langen, rostigen Nagel in der Ferse stecken hat". So beschreibt Schmidt den Stich (Ja, diese Ameise beißt nicht - sie sticht!) der 24-Stunden-Ameise, die übrigens auch Bullet Ant genannt wird. Man kann sich vorstellen warum.

Diese Ameisenart ist eine der größten der Welt. Angesiedelt ist sie im tropischen Regenwald Süd- und Mittelamerikas. Weniger kreativen Köpfen zufolge soll sich ihr Stich anfühlen, als würde man bei lebendigem Leib verbrennen. Hoffen wir, dass wir diesem Exemplar niemals begegnen!

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