Schluss mit lustig: Junger Grieche nach 220 Bombendrohungen in Athen festgenommen

Mann hielt die städtische Polizei wochenlang in Atem

Die griechische Polizei hat am Donnerstag einen 26-Jährigen festgenommen, der die Hauptstadt mit mehr als zweihundert Bombendrohungen wochenlang in Atem gehalten hatte. Der aus der Hafenstadt Patras stammende Mann sagte der Polizei, er habe sich "nur einen Spaß erlaubt", wie der staatliche Rundfunk berichtete.

In den vergangenen zwei Monaten hatte er nach Polizeiangaben insgesamt 220 Mal mit anonymen Anrufen die Behörden in Alarmbereitschaft versetzt und wiederholt Verkehrsbehinderungen verursacht. Einmal musste eine Maschine der Fluglinie "Olympic Airlines" nach Athen zurückkehren, weil der Anrufer vor einer Bombe mit Milzbrand-Erregern gewarnt hatte.

U-Bahn musste mehrmals gestoppt werden
Mindestens zehn Mal musste die Untergrundbahn von Athen wegen anderer Bombendrohungen geschlossen werden. Drei Mal musste der während der Weihnachts- und Neujahrsfeiertage mit Menschen überfüllte zentrale Syntagma-Platz von Athen vorübergehend geräumt werden. Experten der Polizei waren gezwungen, die Drohungen ernst zu nehmen, nachdem im Dezember zwei Mal Sprengsätze vor Ministerien in der griechischen Hauptstadt explodiert waren.

Im Dezember hatte der Berufungsprozess gegen 17 Mitglieder der linksextremistischen Untergrundorganisation "17. November" begonnen. Die 2001 zerschlagene Gruppe, die sich nach dem Datum der blutigen Niederwerfung des Athener Studentenaufstands gegen die Militärdiktatur im November 1973 nennt, hat in einem Vierteljahrhundert 23 Menschen ermordet, darunter Diplomaten, Unternehmer, Verleger und Politiker, und Dutzende von Bombenanschlägen verübt. Prominente Anschlagsopfer waren der konservative Parlamentsabgeordnete Pavlos Bakoyannis, Schwiegersohn des ehemaligen Ministerpräsidenten Konstantinos Mitsotakis und Ehemann der heutigen Athener Bürgermeisterin, der CIA-Resident in Athen, Richard Welch, und Diplomaten aus Großbritannien und der Türkei.

In erster Instanz war im Dezember 2003 der heute 61-jährige Anführer der Organisation "17. November", Alexandros Giotopoulos, zu 21 Mal lebenslanger Haftstrafen verurteilt worden. Fünf Mitglieder der Organisation erhielten damals Haftstrafen zwischen dreizehn Jahren und lebenslang. Alle legten Berufung ein.
(apa)