Einst war es ein Kinderheim, heute ein nobles Vier-Sterne-Hotel: das Schloss Wilhelminenberg in Wien-Ottakring. Das Anwesen befindet sich am nordwestlichen Stadtrand, umgeben von einem 120.000 Quadratmeter großen Park. Doch es liegt ein dunkler Schatten über den prachtvollen Bau: In den 1970er-Jahren, als er ein Heim für Sonderschülerinnen war, soll es dort zu schwerem Missbrauch gekommen sein, bis hin zur Kinderprostitution und Serienvergewaltigung.
Im Jahr 1781 kaufte der Feldmarschall Franz Moritz Graf von Lascy das Grundstück am Stadtrand Wiens und ließ das Schloss erbauen. Laut Hotelwebseite kaufte ein Freund ihm den Besitz ab und erweiterte es um Waldteile und Hutweiden. Diese ließ es zu einem Park mit Teichen, einen Rundtempel, römischen Ruinen und einem Jagdschlösschen umgestalten. Nach oftmaligen Eigentümerwechsel kaufte 1824 Julius Fürst von Montleart das Anwesen. 1838 wurde das Gebäude um zwei Seitentrakte vergrößert.
Anf. 20. Jhdt.: Zum Palais im Neoempirestil umgebaut
1865 starb Julius Fürst von Montleart. In Folge kam es zu einem Erbschaftsstreit, das Gut wurde gerichtlich zum Kauf angeboten. Schließlich erhielt der Sohn des Verstorbenen, Moritz Fürst Montleart, für 125.000 Gulden den Zuschlag. Er schenkte den Besitz seiner Ehefrau Wilhelmine. 1887 starb Moritz Fürst Montleart, 1895 seine Frau. Durch Schenkung fiel das Schloss schließlich in den Besitz von Erzherzog Rainer von Habsburg-Lothringen. Dieser ließ das schon baufällige Anwesen abreißen und dafür von 1903 bis 1908 ein Palais im Neoempirestil errichten.
Vom Lazarett zur Sängerknaben-Bleibe
Es folgten unterschiedliche Funktionen für das Schloss. Im Ersten Weltkrieg diente es als Lazarett für Kriegsopfer, im Zweiten wurde es zu einem Heereslazarett mit Anschluss an das Wilhelminenspital. Eine Zeit lang residierten auch die Wiener Sängerknaben dort. Im Jahr 1927 wurde die Stadt Wien Besitzer des Schlosses samt Park und Nebengebäuden.
Die dunklen 60er Jahre
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss zu einem Heim für erholungsbedürftige Kinder und ehemalige KZ-Häftlinge umfunktioniert. In den 60er Jahren diente es als Heim für Sonderschülerinnen. In dieser Zeit soll es auch zum Missbrauch gekommen sein, den zwei ehemalige Zöglinge nun publik gemacht haben. Insgesamt gab es Plätze für 120 Kinder, die bis zu 15 Jahren alt waren. 1977 wurde das Heim geschlossen, die Mädchen auf andere Heime aufgeteilt.
Jahrtausendwende: Umbau zum Hotel
1986 gab die Stadt Wien bekannt, das Schloss zu sanieren. Das Gebäude wurde zum Gästehaus. Im Jahr 2000 übernahm "Austria Trend Hotels & Resorts" das Management und verwandelte das Gästehaus in das "Austria Trend Hotel Schloss Wilhelminenberg". Nach dreijähriger Renovierungsphase wurde die Herberge 2003 schließlich zum Vier-Sterne-Hotel aufgewertet.
Kommentare
Hat eh jeder gewusst! Warum hat man früher zu uns gesagt: Wannst schlimm bist kommst ins Heim! Wennst ganz schlimm bist am Wilhelminenberg!