Schlecker von

"Als Sanierer bist du das Arschloch"

Rudolf Haberleitner über untätige Politiker und wie er die Drogeriekette zukunftsfit macht

Schlecker - "Als Sanierer bist du das Arschloch" © Bild: APA/Neubauer

Rudolf Haberleitner ist wohl das glatte Gegenteil zum Schlecker-Patriarchen Anton Schlecker. Ganz anders als beim autoritär geführten Schlecker früher, setzt er auf verbindliches, freundliches Auftreten gepaart mit einem unbedingten Willen zur Teamarbeit. Trotzdem ist Haberleitner so etwas wie Schleckers Nachfolger. Er hat sich die Austro-Tochter des insolventen Drogeriemarktes mit seinem Fonds „TAP 09“ gesichert und Großes damit vor.

Haberleitner ist wohl einer der erfolgreichsten Sanierer des Landes. Dass man von ihm so wenig hört, ist seinem Erfolg geschuldet. Denn er hat sich auf das stille außergerichtliche Verfahren, bei Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten, spezialisiert. Stilles Verfahren ist dabei wörtlich zu nehmen. Im Optimalfall steht das Unternehmen am Ende wieder erfolgreich da und die einstigen Probleme werden gar nicht erst zum Medien-Thema. Er hat dafür ein eigenes Vorgehen entwickelt und bereits große Erfolge erzielt. Namen nennt er keine, einige sind aber doch bekannt geworden. Der Joop!-Konzern, oder der Junghans Konzern wurden beispielsweise von ihm saniert. In diesem Business hat man dennoch keine gute Nachrede: „Als Sanierer bist du immer das Arschloch. Scheitert man, ist man der böse Arbeitsplatz-Vernichter. Hat man Erfolg ist man ein Abzocker.“

20 Prozent Rendite
Erst relativ spät begann er auf eigene Rechnung zu arbeiten und gründete mit dem Anwalt Franz Guggenberger den Fonds „TAP 09“. Der Name steht für „The Turnaround Plattform“ und ist Programm. Man sucht Unternehmen, die in der Vergangenheit eine ausgezeichnete Performance brachten, Güter des täglichen Bedarfs herstellen und die ohne Entwicklungsrückstand voll im Markt stehen, aber aus verschiedenen Gründen in finanziellen Turbulenzen sind. Das Unternehmen wird von den Spezialisten des Fonds genauestens unter die Lupe genommen und geprüft, ob eine Übernahme Sinn macht.

Nach Sanierung in fünf oder zehn Jahren verkauft der Fonds dann weiter. Die Idee ist dabei fast immer, wieder auf den alten Erfolgskurs des Unternehmens zurückzukehren und vielleicht einen kleinen zusätzlichen Gewinn zu machen, nicht aber die Bilanz künstlich aufzublähen. Also kein Heuschreckenfonds, sondern ein Sanierer, der nach getaner Arbeit das Geschäft wieder den Branchenspezialisten überlässt. Zu Recht stolz ist Haberleitner deshalb, dass alle Firmen die jemals in seinem Besitz waren, immer noch existieren.

Für die Anleger zahlt sich ein Engagement trotz der konservativen Strategie aus. Ab 250.000 Euro ist man dabei, mit diesem wird die Übernahme und Sanierung finanziert und es muss für fünf Jahre gebunden werden. Für die fünf Jahre ist eine jährliche Rendite von 20 Prozent erwartbar.

Warum Schlecker?
Doch warum tut sich Haberleitner, Schlecker an? Ein Unternehmen das seit Jahren fast nur mit Negativmeldungen in den Schlagzeilen war. Nun, der neue Eigentümer sieht hinter den schmutzigen Fassaden eine Geschäfts-Perle. Er glaubt auch zu wissen, was bei Schlecker insgesamt schief gelaufen ist. Das ursprüngliche Konzept eines Nahversorgers hätte immer sehr gut funktioniert. Erst als das Unternehmen begann, den großen Ketten in den Städten Konkurrenz zu machen, sei man in Schwierigkeiten gekommen. Die anderen haben Schlecker schlicht an die Wand gedrückt.

Die Tochterfirma des Konzerns Schlecker Österreich war zusätzlich in den Märkten, Belgien, Luxemburg, Italien und Polen tätig, auch diese Auslandsbeteiligungen wurden nun mitübernommen. Das Unternehmen hatte nie Schulden, sondern schrieb jedes Jahr Gewinn, sogar noch 2011, als der Mutterkonzern bereits am Abgrund stand. Probleme entstanden erst 2012, als die Kreditversicherer sich weigerten weiter zu versichern. Die Warenlieferungen wurden immer weniger und die Umsätze gingen in Folge zurück. Dennoch soll das Unternehmen weiterhin 60 Prozent Eigenkapital haben. „Eine Quote von der viele Einzelhandelsunternehmen nur träumen können“, meint Haberleitner.

Mit dem alten Kapitel Schlecker will man nun abschließen und nennt sich jetzt „dayli - mein shop“. Die ungewöhnliche Schreibweise wurde gewählt, weil der Begriff „Daily“ nicht markenrechtlich schützbar ist und ein Name benötigt wurde, der überall verständlich ist. Schon in vier Wochen soll er samt neuem Logo, auf allen Filialen zu finden sein.

“Wir wollen Nahversorger Nr. 1 sein“
Wenn sich Rudolf Haberleitner über etwas wirklich aufregen kann, dann über die bisherige Kritik an seinem Konzept. Viele Experten zeigten sich skeptisch, ob es im Lebensmittelhandel noch Platz für einen Mitbewerber gibt. „Da haben sie recht, für Lebensmittelhändler ist es schwierig“, meint er. „Aber sie kennen unser Konzept nicht. Wir wollen kein Lebensmittelhändler sein, sondern der Nahversorger Nr 1. Dazu gehören für uns wenige Produkte des täglichen Bedarfs, die aber nicht mehr als acht Prozent des Sortiments ausmachen.“

Wegen der Filialstruktur von Schlecker sieht man sich für die Rolle als Nahversorger gut aufgestellt. Mit 891 Filialen in Österreich ist man fast überall vertreten. Zum Vergleich: BIPA und DM haben zusammen nur einige Filialen mehr. Gegen die Meinung vieler Experten sieht Haberleitner das jedoch als Vor- und nicht als Nachteil. „Die anderen verfolgen das Konzept ein Geschäft auf die grüne Wiese zu stellen und die Kunden müssen dann kommen. Wir sind hingegen schon bei den Kunden und haben einen ganz engen Einzugsbereich von etwa 3.000 Leuten pro Filiale.“ Dementsprechend sieht er auch keine Konkurrenz für sein Unternehmen. „Sicher wir werden dem Lebensmittelhandel Umsatz abzwacken, aber wir konkurrieren nicht mit ihm, weil wir viel breiter aufgestellt sind.“ Auch ein sozialer Aspekt sei dabei. Man wolle dazu beitragen, die Lebensqualität der Kunden zu erhöhen, indem man ihnen ermöglicht vor Ort einzukaufen, statt mit dem Auto hinzufahren.

dayli als Autoverleih und Copyshop?
Heuer rechnet man noch mit einem Verlust von 6 bis 7 Millionen Euro, aber schon nächstes Jahr will man einen Gewinn erwirtschaften. Auch den Mitarbeiterstand will man halten, Schlecker Österreich beschäftigte immerhin 3550 Mitarbeiter in Österreich und weitere 1.500 im Ausland. Mittelfristig will man sogar deutlich mehr Mitarbeiter, bis zu 1.000 zusätzliche sind denkbar.

Das hat auch einen Grund, denn Haberleitner verfolgt einen ambitionierten Ausbauplan für die Filialen. Man will künftig deutlich mehr anbieten, als bisher. Als Kernelement bleibt der Verkauf von Drogeriewaren. Dazu sollen Waren für den täglichen Gebrauch und Fertiggerichte kommen. Außerdem 45 verschiedene Dienstleistungen, von der Tätigkeit als Postpartner, über Copyshop und Fax, eine Reinigung, ein Stehcafe, Reiseangebote bis zum Autoverleih. Außerdem einen eigenen „Brandcorner“ mit verbilligten Markenprodukten. Ein „Homeshopping in the Shop“ soll die Vorteile des Einkaufens von zu Hause, mit der Möglichkeit der Unterstützung in den Filialen verbinden. Viele, vor allem ältere Kunden, hätten Bedenken beim Homeshopping. Im Geschäft, wo ihnen die Mitarbeiterin zur Hand gehen könne, sei die Hürde weit geringer. Mitarbeiterin ist übrigens durchaus wörtlich zu verstehen, denn 97 Prozent der Beschäftigten sind Frauen.

Enttäuscht von der Politik
Dass es von Seiten der Politik so wenig Interesse gab, bei der Fortführung des Unternehmens zu helfen, ärgert Haberleitner. „Nicht ein Politiker fand es der Mühe wert zu fragen, ob es Hilfe braucht.“ Das findet er angesichts der vielen tausend Beschäftigten beschämend. „Da diskutiert man wochenlang über das Anfütterungsverbot, aber ob man helfen kann, dass tausende Arbeitsplätze erhalten werden, das ist kein Thema. Da rührt man keinen Finger.“

Trotz der Hürden soll Schlecker beziehungsweise „dayli“ binnen fünf Jahren wieder auf Kurs gebracht werden. Der Umsatz in Österreich soll wieder auf 430 Millionen Euro steigen. „Diesen Umsatz hatte Schlecker schon vor 5 Jahren, damals waren es hierzulande sogar 503 Millionen.“ Nach einem Negativszenario gefragt antwortet Haberleitner cool: „Ganz ehrlich, wenn alles so eintritt, wie wir uns das vorgestellt haben, dann ist es das Negativszenario.Wir haben erhebliches Aufwärtspotenzial.“ Selbst an eine Expansion wird schon gedacht. Aktuell befindet man sich in Verhandlungen mit dem Massenverwalter über einige hundert Schleckerfilialen in Süddeutschland. Auch einen Manager für den Lebensmittel-Verkauf hat er schon an Bord. Peter Krammer, der für DM als Expansionsmanager tätig war und für OMV die Tankstellenshops aufbaute, ist mit an Bord. Es wird sich zeigen, ob die ehrgeizigen Pläne aufgehen. Eines lässt sich aber schon jetzt feststellen: Der traut sich was, der Haberleitner.

Kommentare

Das Hü Hott Konzept Teil Irgendwie zweifelt man an der Professionalität und Seriosität des Konzepts. Zunächst wird ein Name kommuniziert, bei dem man "hopperla" vergessen hat zu prüfen, ob er überhaupt markenrechtlich zu schützen ist. Dann spricht man von der Beibehaltung sämtlicher outlets, jetzt plötzlich von 3000 Kunden. Hat sich Herr Haberleitner angesehen, wieviel Schlecker Filialen in kleineren Orten angesiedelt sind, in denen es zum Teil einen Einzugsbereich von 1000 - 1500 Kunden gibt.
Wird Herr Haberleitner überrascht sein, wenn er feststellt, dass es in vielen Zentren kleinerer Städte Österreichs starke Spar, Billa oder auch Nah & Frisch Märkte gibt, und er dort nicht konkurrenzlos ist, wie er verblüffender Weise von sich gibt?

Haberleitner Respekt... Ich war selber mehr als 10 Jahre Sanierungsmanager.

Allerdings ist das Shop- und Marketingkonzept von Schlecker überaltet. Da hilft auch ein Relaunch auf Dayli nichts. Die meisten Schleckerfilialen in Österreich habe wenige bis gar keine Parkplätze, liegen abseits anderer Einkaufszentren quasi Stand alone und sind aus meiner Sicht mit diesem Sortiment nicht wettbewerbsfähig. Der Nahversorger Nr. 1 in Österreich ist je nach Bundesland entweder Billa oder Spar bzw. im Kosmetikbereich DM oder BIPA.

Ich hoffe nur Herr Haberleitner weiß was er tut.

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