Staatsgold von

Scheitert die Goldinventur?

Wenn Edelmetall nicht separat gehalten wird, ist eindeutige Zuordnung unmöglich

Goldbarren übereinander gehäuft © Bild: Getty/ AFP/PAUL J. RICHARDS

Die Österreichische Nationalbank (OeNB), hat vergangene Woche viel über die 280 Tonnen Gold der Republik Österreich preisgegeben, auf welchen Teil davon man aber wirklich Zugriff hat, lässt sich daraus nicht erkennen, sagt eine US-amerikanischen Organisation, die sich seit 15 Jahren mit dem internationalen Goldmarkt beschäftigt. Stimmt die Information, so hätte Österreich kein Recht auf konkrete Goldbarren zuzugreifen.

„Um das zu wissen, müsste die Bank nicht nur preisgeben, wie viel sie aktuell verliehen hat, sondern auch, ob das Gold in zuordenbaren oder nicht zuordenbaren Konten (allocated/not allocated) gehalten wird“, erläuterte Chris Powell vom Gold Anti Trust Action Committee (GATA).

Die OeNB hatte vergangene Woche vor dem Parlament einräumen müssen, dass sich 80 Prozent des Golds in London befinden und erklärt, dass sie in den vergangenen zehn Jahren 300 Mio. Euro mit Goldleihegeschäften verdient habe. Nachdem ein Experte kommentiert hatte, dies lege nahe, dass ein großer Teil verliehen sei, ließ die Bank durchsickern, dass das aktuell nur mehr 16 Prozent der Bestände betreffe. Eine Erklärung für die relativ hohen Erlöse aus der Goldleihe gab sie keine ab.

Kein Recht auf konkrete Barren?

Zuordenbares Gold bedeutet laut GATA, dass die Barren genau gewogen und mit Seriennnummern versehen dem Eigentümer direkt zugeschrieben werden können und auf Verlangen ausgefolgt werden müssen. Nicht zuordenbares Gold sei lediglich eine Forderung gegen die lagernde Institution, im besseren Fall also etwa die Bank of England (BoE) oder die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).
GATA geht davon aus, dass diese Forderungen unbesichert sind; ob dies wirklich der Fall ist, ist aber nie offiziell verlautbart worden.

Im Fall von nicht zuordenbarem Gold hätte die OeNB weder das Recht, konkrete Barren zurückzubekommen noch gäbe es eine Liste, die für eine Inventur der physischen Bestände verwendet werden könnte.

Keine verlässliche Prüfung möglich?

„Als Konsequenz könnte sich ergeben, dass es praktisch unmöglich ist, große Teile der Goldreserven verlässlich zu prüfen“, sagte GATA-Sekretär Powell in seinem Email. Wie berichtet wird der österreichische Rechnungshof (RH) 2013 die Nationalbank und deren Devisenbestände durchleuchten, hat bisher aber offen gelassen, ob das erstmals auch die physischen Goldbestände umfasst.

GATA wirft den westlichen Zentralbanken vor, den Goldpreis seit Jahrzehnten zu manipulieren, um damit ihre Währungen - vor allem den Dollar - zu stützen und die Zinsen künstlich niedrig zu halten. Ein großer Teil dieser Transaktionen werde mit Material von Zentralbanken durchgeführt, was dazu geführt habe, dass in deren Tresoren real nur mehr die Hälfte des Golds lagere, das offiziell ausgewiesen werde.
Kritiker weisen dies als „Verschwörungstheorie“ zurück und bezeichnen die Thesen als "weit hergeholt“.

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