Sauli Niinistö im Porträt: Herausforderer mit einer Unternehmer-Elite im Rücken

Minister will an die Spitze des Staates vorrücken

Der 57-jährige Sauli Niinistö ist auf ersten Blick ein unwahrscheinlicher "Kandidat der Arbeiter" - jener Slogan, mit dem er seinen bisher erfolgreichen Wahlkampf um das Amt des finnischen Staatspräsidenten geführt hat. Die vergangenen Jahre verdingte sich der langjährige finnische Finanzminister mit seinem bisherigen, trocken-neoliberalen Image als einer der Vizechefs der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Luxemburg.

Am 24. August 1948 im südwestfinnischen Salo geboren, begann Niinistö seine politische Karriere nach einem abgeschlossenen Jus-Studium Ende der 70er Jahre zunächst als Regionalpolitiker der konservativen Sammlungspartei (Kokoomus) in seiner Heimatstadt. 1987 wurde der mittlerweile als Anwalt selbstständige Niinistö ins finnische Parlament gewählt.

1994 stieg er zum Parteichef der Konservativen auf. Ein Jahr später wurde er im Kabinett des Sozialdemokraten Paavo Lipponen zunächst Justiz- und später Finanzminister. Diesen Posten behielt er fast acht Jahre lang - bis zur Abwahl der "Regenbogenkoalition" Lipponens im März 2003. Anfang 2005 willigte Niinstö ein, als Kandidat der Konservativen in den Präsidentenwahlkampf zu gehen. Sechs Jahre davor hatte er den selben Vorschlag abgelehnt.

Hinter Niinistö steht nach Einschätzung von politischen Beobachtern die finnische Unternehmer-Elite, die mit der links-liberalen Werten verschriebene Amtsinhaberin Tarja Halonen (62) nie so recht ihre Freude hatte. Die Spin-Doktoren Niinistös schafften es mit nicht unbeträchtlichem Kapitaleinsatz, das eher nichts sagende Image ihres Kandidaten mit sportlich-schicken Anzügen, einer eigens für den Wahlkampf aus dem Boden gestampften Kaffeehaus-Kette und flotten Sprüchen derart aufzupolieren, dass Niinistö es überraschend locker schaffte, Ministerpräsident Matti Vanhanen als bürgerlichen Gegenkandidaten in der ersten Runde der Präsidentenwahl auszubremsen.

Zuletzt winkte Niinistö vor der Stichwahl am 29. Jänner sogar eine gewisse Siegeschance. Niinistö erreichte im ersten Wahldurchgang am 15. Jänner ein knappes Viertel der Stimmen, vor dem entscheidenden Durchgang kam er in einer Umfrage sogar bis auf sechs Prozent an Halonen heran.

Niinistö ist seit dem Autounfall seiner Frau im Jahr 1995 Witwer. Er war danach längere Zeit mit Ex-Miss Finnland, Kulturministerin Tanja Karpela, liiert. Aus der Ehe mit seiner verunglückten Frau hat Niinistö zwei erwachsene Söhne. Vergangenen Dezember machte der jetzige Präsidentschaftskandidat Schlagzeilen, als er bei einem Urlaubsaufenthalt in Thailand vom Tsunami überrascht wurde, sich jedoch unter laut Boulevardpresse dramatischen Umständen mitsamt seinen Söhnen und seiner Freundin retten konnte. (apa)