Salzburger Festspiele von

Punkrock-Lady Netrebko

Opern-Star zeigte sich in "La Boheme" ungewöhnlich - und wurde dafür bejubelt

  • Bild 1 von 21 © Bild: APA/Gindl

    Anna Netrebko zeigte sich als wilde Punklady in "La Boheme".

Große Oper mit einer ungewöhnlichen Punkrock-Lady gab es gestern bei den Salzburger Festspielen. Anna Netrebko wurde als "Mimi" mit Lederjacke und Netzstrümpfen in "La Boheme" bejubelt - und das zu Recht.

Die Begeisterung des Publikums galt der herausragenden Anna Netrebko in der Rolle der "Mimi", aber auch Piotr Beczala als "Rodolfo", Nino Machaidze als "Musetta" und Massimo Cavalletti als "Marcello" überzeugten. Regisseur Damiano Michieletto, Bühnenbildner Paolo Fantin und Kostümbildnerin Carla Teti verlegten die Geschichte behutsam und durchdacht in die Gegenwart.

Eindringlich-starke Bilder
Ein grell-bunter Supermarkt mit Animations-Batman, eine Studentenbude mit Videokamera aber ohne Heizung, eine Würstelbude an einer mehrspurigen Einfahrtsstraße in Paris und vor allem ein ebenso dramatisches wie poetisches Regenfenster als Schlussbild in der Sterbeszene der Mimi: Dem Regieteam sind eindringlich-starke Opernbilder gelungen, die gekonnt auf die real existierende Armut auch in unserer konsumorientierten Gegenwart verweisen. Der sentimentalen Weihnachtsgeschichte um die schwindsüchtige Mimi wurde dabei kein Haar gekrümmt. Getrübt wurde diese starke Leistung durch Defizite in der Personen-Führung.

Musik zu laut
Musikalisch haben die Wiener Philharmoniker und Dirigent Daniele Gatti guten Verismo-Klang präsentiert. Allerdings war das Orchester in einigen Passagen lauter als nötig, zwang die Solisten vereinzelt zum Forcieren und übertönte sie mit instrumentalen Nebenstimmen. Unterm Strich hatten die Musiker dennoch verdienten Anteil am Gesamterfolg.

Kommentare

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