"Saliera selbst Schuld am Diebstahl?" SPÖ verreißt Gehrer in wilder Nationalratssitzung

Gehrer lobt "sichere Museen" und KHM-Boss Seipel. Umfrage: Haben Sie noch Vertrauen in die Ministerin?

Die donnerstägige Sondersitzung des Nationalrats wurde einzig Bildungsministerin Elisabeth Gehrer gewidmet. In einer Dringlichen Anfrage mit dem Titel "Von der Bildungsmisere zum Kulturdesaster" wurde von der SPÖ die gesamte Politik der Ressortchefin verrissen. In Sachen "Saliera" wurden mangelnde Sicherheitsvorkehrungen im Kunsthistorischen Museum angeprangert, bei den "Klimt-Bildern" bemängelten die Sozialdemokraten unsensibles Verhalten gegenüber den Erben, bezüglich des Schulsystems vermissten sie Reformen nach dem Pisa-Absturz und bei den Unis bedauert man Untätigkeit im EuGH-Verfahren zur gleichrangigen Zulassung ausländischer Studenten an den österreichischen Hochschulen.

Gehrer hat in der Beantwortung der Dringlichen SP-Anfrage zum Gegenangriff angesetzt. Die Ressortchefin lobte die österreichischen Museen als vorbildlich und verwies darauf, dass es unter anderem den heftig attackierten Direktor des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel, zu verdanken sei, dass die unter SP-Alleinregierung entstandenen Missstände nun beseitigt seien.

Die Sicherheitsvorschriften zur Zeit des Diebstahls hätten den "internationalen Standards" entsprochen. Ansonsten wäre es ja wohl gar nicht möglich gewesen, dass internationale Ausstellungen in das Museum gekommen wären.

Dass der Raub gelungen war, sieht die Ministerin im Bereich des menschlichen Versagens - nämlich, da die entsprechende Video-Überwachung nicht eingeschalten war. Kein Problem hat Gehrer damit, dass auch freie Dienstnehmer im Wachpersonal des KHM beschäftigt sind. Betont wurde von der Ministerin, dass ihr keine weiteren Diebstähle neben Saliera und dem Papyrus-Totenbuch bekannt seien. Dass Kunst-Staatssekretär Franz Morak vom Museum eine Geburtstagsfeier spendiert wurde, begründet sie damit, dass es sich dabei eigentlich um eine sehr wichtige Öffentlichkeitsarbeit-Veranstaltung zu einer Sonderausstellung gehandelt habe.

Cap: "Schuld ist offenbar die Saliera selbst"
In der Begründung der Dringlichen hatte der geschäftsführende SP-Klubchef Josef Cap nochmals heftige Attacken gegen Gehrer und Seipel gefahren: "Gehrer zerstört sich selbst unter Beteiligung von Seipel und der schulpolitischen Steinzeit-Fraktion der ÖVP."

Dass die Saliera entsprechend gesichert war, zog Cap in Zweifel: "Schuld ist offenbar die Saliera, dass sie gestohlen wurde. Warum ist sie auch so untätig in der Vitrine gelegen", spottete der Klubchef. Warum Seipel nicht schon längst abberufen worden sei, stelle für ihn ein Rätsel dar. Offenbar wisse er zu viel, interpretierte Cap das "geheimnisvolle Lächeln" des Generaldirektors. Aber vielleicht könnte man Seipel neben der Erfolgsprämie auch noch eine Sicherheitsprämie zugestehen, ätzte der Klubbobmann.

Molterer: "Menschenverachtende Kampagne"
Als "nachmittägliche Geschichtenerzählerei", die "mit der Beantwortung einer Dringlichen Anfrage nix zu tun" habe, bezeichnete SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen den Auftritt Elisabeth Gehrers. ÖVP-Klubobmann Wilhelm Molterer warf der Opposition dagegen vor, "nicht die Sache diskutieren, sondern Gehrer ruinieren zu wollen". "Was Ihnen bei Bundesminister Grasser nicht gelungen ist, wird Ihnen auch bei Bundesministerin Gehrer nicht gelingen", so Molterer. Er ortete eine "menschenverachtende Kampagne gegen eine erfolgreiche Bundesministerin, ich halte das für ungustiös".

Schüssel schützt Seipel, Gusenbauer fordert Rücktritt
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat das Vorgehen der Regierung bei den Klimt-Bildern ausdrücklich verteidigt. Bei dem genannten Preis sei es nicht möglich, dass Österreich um die fünf Gemälde mitverhandle.

Ausdrücklich vom Kanzler in Schutz genommen wurde der Direktor des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel. Der "enorme Aufschwung" des KHM sei mit dem Namen Seipel verbunden.

SP-Chef Alfred Gusenbauer empörte sich gleich im Anschluss über diese Forderung Schüssels. Seipel wäre nach Meinung Gusenbauers schon längst in die Wüste Gobi geschickt worden, wenn er Nicht-ÖVPler wäre: "Nur weil er Parteifreund ist, wird er geschützt."

(apa/red)