"Saliera" ist wieder da: Ermittlungen zum Kunstdiebstahl so gut wie abgeschlossen

Die Version des Täters wird noch einmal überprüft Staatsanwaltschaf über Sympathiebonus verwundert

"Saliera" ist wieder da: Ermittlungen zum Kunstdiebstahl so gut wie abgeschlossen

Die Ermittlungen von Polizeiseite sind in Sachen der wiedergefundenen "Saliera" so gut wie abgeschlossen. Das sagte der Leiter der Wiener kriminalpolizeilichen Abteilung, Ernst Geiger. Überprüft würden lediglich die Kontakte des mutmaßlichen Diebes, des 50-jährigen Wieners Robert Mang. Der Alarmanlagen-Errichter, für den die Unschuldsvermutung gilt, hatte sich am Freitagabend bei der Polizei gemeldet, nachdem Fotos publiziert wurden, auf denen er zu sehen war.

"Es gibt keine Hinweise, dass der Diebstahl der 'Saliera' nicht von einem Einzeltäter begangen worden ist", sagte Geiger. Überprüft wird auch Mangs Version des Diebstahls vom Mai 2003 und, ob er etwa Kontakte in das Museum hatte. Dass dabei noch etwas herauskommt, glaubt der Kriminalist derzeit eher nicht. Der 50-Jährige war seiner Aussage zufolge vor dem Coup allein in einigen Lokalen und trank "ein paar Bier".

Geiger hält im Übrigen die Veröffentlichung von Ermittlungsdetails - etwa, wie die Polizei über einen Handycode zum Fahndungsfoto des Verdächtigen kam - für "kein wirkliches Problem". Diejenigen, "die das wirklich interessiert, können das auch durch Internetrecherchen herausfinden", betonte der Kriminalist. Er verwies darauf, dass in Zusammenhang mit der DNA-Analyse auch eine breite Öffentlichkeit wisse, dass man keine Zigarettenstummel am Tatort hinterlassen sollte. "Dennoch vergisst immer wieder jemand darauf."

Geiger bezeichnete den Fall "Saliera" als eines der Highlights seiner persönlichen Karriere. Er sei aber nicht mit dem Fall Jack Unterweger zu vergleichen. "Wenn jemand Menschen tötet, ist das bei weitem entsetzlicher." Die schwerste Entscheidung in der Causa um Benvenuto Cellinis Skulptur sei gewesen, "gehen wir an die Öffentlichkeit oder nicht". Geiger: "Das ist wie am Roulettetisch, ob man auf schwarz oder rot setzt."

Strafverfahren verzögert sich
Die Aussagen einer Restauratorin im Kunsthistorischen Museum (KHM), wonach die "Saliera" beim Diebstahl Kratzspuren abbekommen und ihr das Vergraben unter der Erde auch nicht unbedingt gut getan habe, vor allem aber die Verantwortung des in U-Haft sitzenden Täters dürften das anhängige Strafverfahren gegen Robert Mang doch verzögern. "So flott, wie man es sich zunächst vielleicht vorgestellt hat, wird es nicht gehen", sagte Ernst Kloyber, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Wien.

War die Staatsanwaltschaft gestern noch von einem raschen Abschluss ihrer Untersuchungen ausgegangen, stellte Kloyber nun im Gespräch mit der APA klar: "Das, was der Verdächtige bisher in seinen Einvernahmen geliefert hat, ist eigentlich kein Geständnis. Das wird man sich genauer anschauen müssen. Er gibt die Tat zu, leugnet aber die Bereicherungsabsicht. Dabei war die Tat von vorne bis hinten sorgfältigst durchgeplant!"

Verwunderung über Sympathiebonus
Bei der Anklagebehörde wundert man sich über die Sympathien, die Robert Mang in manchen Medien genießt. "Das ist immerhin ein Diebstahl mit einem Schaden, den es in diesem Land wenn überhaupt, so schon sehr lange nicht mehr gegeben hat! Mit 50 Millionen Euro kann ich mir einen funkelnagelneuen Airbus 320 mit 180 Sitzplätzen kaufen und eine eigene Fluglinie aufmachen!", wetterte Kloyber. Hätte Mang das "Lösegeld" von fünf bzw. zehn Millionen Euro tatsächlich bekommen, "wäre für ihn auf jeden Fall noch ein kleines Regionalflugzeug drinnen gewesen", so der Behördensprecher.

Offen ist, ob die Staatsanwaltschaft im Hinblick auf die angeblich gravierenderen Beschädigungen der "Saliera" nicht doch noch einen Restaurator bzw. Kunst-Experten als Sachverständigen beizieht. "Wir warten jetzt zunächst einmal ab, bis die Polizei ihre Ermittlungen offiziell zur Gänze abgeschlossen hat. Wer weiß, was da noch kommt", erläuterte Kloyber das weitere Prozedere.

Robert Mang verbleibt in jedem Fall bis zum ersten Haftprüfungstermin in U-Haft. Dieser findet in zwei Wochen statt. Insider halten es für ausgeschlossen, dass der 50-Jährige im Hinblick auf das öffentliche Aufsehen des Falles, die Schadenssumme und den zu erwartenden Strafrahmen von bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe in absehbarer Zeit auf freien Fuß kommt. Genau das möchte sein Anwalt Gerald Albrecht erreichen.

(apa/red)