"Rundumschlag gegen Polizei und Behörde":
Heftige Kritik an Museumsdirektor Seipel

Zinggl: Lenkt von seiner eigenen Verantwortung ab Saliera wieder da - gegenseitige Schuldzuweisungen

Der Direktor des Kunsthistorischen Museums (KHM), Wilfried Seipel, steht weiterhin in der Kritik von fast allen Parteien. Der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl warf Seipel in einer Aussendung vor, mit seinem "Rundumschlag gegen Polizei und Burghauptmann in der Causa Saliera" von seiner eigenen Verantwortung für die offensichtlich unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen beim Diebstahl des Salzfasses abzulenken.

"Um seine Haut zu retten, schreckt der Direktor auch vor der dreisten Unwahrheit nicht zurück", so Zinggl. Seipels Behauptung, wonach die Polizeieinheit WEGA für das Nachstellen der Tat eineinhalb Stunden gebraucht habe, sei seitens der Polizei umgehend widersprochen worden: "Es wäre ja auch um die Polizei schlecht bestellt, wenn sie für das Erklettern eines Gerüstes eineinhalb Stunden brauchen würde, während jeder Maurer dies in einer Minute schafft."

Seipel wusste von Sicherheitsmängeln
Für SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen wird es "immer klarer, dass es sehr wohl gravierende Sicherheitsmängel im Museum gegeben hat und Seipel darüber Bescheid wusste." Auch dessen "Versuch, die Aussagen der Polizei umzuinterpretieren", ändere nichts an der Faktenlage, "sondern zeige vielmehr, mit welch bedenklichen Methoden hier gearbeitet wird", so Muttonen in einer Aussendung. Dies alles geschehe "unter dem persönlichen Schutz von Ministerin und Kanzler".

Der freiheitliche Abgeordnete Detlev Neudeck wiederum forderte Seipel auf, "die lückenlose Aufklärung des Diebstahls von der 'Saliera' lieber der Polizei überlassen". Sich mit Vorwürfen gegen die Polizei und mit eigenen Theorien über das Täterprofil ins mediale Rampenlicht zu werfen, störe eigentlich nur die polizeilichen Ermittlungen und rufe international lediglich große Verwunderung hervor, so Neudeck in einer Aussendung. "Die Vorgangsweise von Direktor Seipel und seine in letzter Zeit vorgetragenen kriminalistischen Analysen lassen aber auch Spekulationen zu, dass er Begehrlichkeiten für die Position des Wiener Polizeipräsidenten hegen könnte." Dies wäre zwar "schlecht für die Polizei, aber sicher ein großer Vorteil für das Kunsthistorische Museum und würde auch Ministerin Gehrer einiges ersparen".

Gegenseitige Vorwürfe
Dicke Luft herrscht in der Saliera-Affäre zwischen der Kriminalpolizei und dem Direktor des Kunsthistorischen Museums, Seipel. Dieser hatte der Polizei in der "ZiB2" vorgeworfen, die Angelegenheit zu verharmlosen. Ernst Geiger, Chef der kriminalpolizeilichen Abteilung, verteidigte in der "ZiB3" postwendend die Art und Weise, wie die Polizei den Diebstahl der Öffentlichkeit präsentiert hat.

"Der Tathergang wurde weder verharmlosend noch übertrieben dargestellt und auch aus der Sicht des Täters geschildert", erklärte Geiger. Es habe sich um keinen Spaziergang und keine "besoffene Geschichte", sondern um einen hochprofessionellen Einbruchsdiebstahl gehandelt.

Gab keinen "Deal" mit dem Täter
Geiger wies auch die Behauptung zurück, es sei ein "Deal" mit dem Täter abgeschlossen worden. Man habe ihn mit dem Hinweis auf die Möglichkeit einer Schadenswiedergutmachung überzeugen können, die Saliera, ein "unersetzbares Kulturgut", herauszugeben.

Seipel hatte in der Interview versucht, die Verantwortung vor allem beim Täter zu suchen. "Dass es ein Spaziergang war, ist Unsinn", betonte er. (apa/red)