Rugovas letzter Weg: Präsident des Kosovo am "Friedhof der Märtyrer" beigesetzt

Hunderttausende wohnten Begräbnis in Pristina bei Staatsmann starb im Alter von 61 Jahren an Krebs

Rugovas letzter Weg: Präsident des Kosovo am "Friedhof der Märtyrer" beigesetzt

Der Kosovo-Präsident Ibrahim Rugova ist am Donnerstag kurz vor 15.00 Uhr in Pristina beigesetzt worden. Mehrere hunderttausend Albaner folgten nach der Trauerfeier in einer überfüllten Sporthalle dem mit der albanischen Nationalfahne geschmückten Sarg, der auf einer schwarzen Lafette zum "Märtyrer-Friedhof" am Stadtrand gebracht wurde. Das Ausland war mit etwa 30 Delegationen vertreten. Für Österreich nahm Außenministerin Ursula Plassnik (V) teil. Rugova war am Samstag im Alter von 61 Jahren an Lungenkrebs gestorben.

"Er war der Vater Kosovos", sagte der Leiter der UNO-Mission (UNMIK) im Kosovo, Sören Jessen-Petersen, über den verstorbenen Rugova. "Wir ehren ihn als Präsidenten der Unabhängigkeit", so der Kosovo-Premier Bajram Kosumi. Rugovas Ziel, die Unabhängigkeit von Serbien zu erreichen, sei Auftrag und Ansporn für alle albanischen Politiker. Der EU-Außenpolitikbeauftragte Javier Solana rief die Albaner auf, schnell einen Nachfolger für Rugova zu bestimmen, um die auf Anfang Februar verschobenen Verhandlungen über die staatliche Zukunft Kosovos in Gang zu bringen. Nach dem Tod von Rugova waren die ersten direkten Gespräche im Rahmen der Status-Verhandlungen, die diese Woche in Wien beginnen hätten sollen, vertagt worden.

Der serbische Präsident Boris Tadic drückte sein Bedauern darüber aus, dass sein Wunsch, am Rugova-Begräbnis teilzunehmen, in Pristina abgelehnt wurde. Er respektiere aber den Willen der Familie Rugovas. "Mein Wunsch war es, dem Mann die letzte Ehre zu erweisen, der eine andere Meinung hatte als ich, der sich auf friedliche Art für die Realisierung seiner Ideen einsetzte und der Repräsentant der Kosovo-Albaner war, mit denen wir unseren Lebensraum teilen", hieß es in einer Aussendung des Tadic-Kabinetts. Die Einladung zum Dialog, die er vor etwa einem Jahr an Rugova richtete, gelte auch für dessen Amtsnachfolger.

Schon in den frühen Morgenstunden herrschte in Pristina großes Gedränge. Alle Geschäfte waren geschlossen. Für die Ordnung in Pristina sorgten vorwiegend Angehörige der Kosovo-Polizei. Auf den Straßen waren nur wenige UNO-Fahrzeuge zu sehen. Die internationale Schutztruppe KFOR hat dagegen ihre Präsenz in den serbischen Enklaven verstärkt.

Rugova wurde am "Friedhof der Märtyrer" in Pristina beigesetzt. Der Friedhof war ursprünglich den Opfern des Zweiten Weltkriegs gewidmet. Später wurden dort Mitglieder der extremistischen "Kosovo-Befreiungsarmee" (UCK) beerdigt, die 1998/99 gegen serbische Sicherheitskräfte kämpften. An der Begräbnisstätte wurden nach Rugovas Tod 61 Kiefern gepflanzt, für jedes seiner Lebensjahre eine. Die Beisetzung fand ohne religiöse Zeremonien statt.

Im Schatten der Trauerfeierlichkeiten laufen offenbar bereits Vorbereitungen für die Wahl eines neuen Provinzpräsidenten. Der Sprecher der oppositionellen Demokratischen Partei von Hashim Thaci, Jakup Krasniqi, erklärte, seine Partei werde im Parlament fordern, die Wahl des neuen Präsidenten spätestens in den kommenden vier Wochen abzuhalten. Der Verfassung zufolge muss der neue Präsident innerhalb der nächsten drei Monate gewählt werden. Als amtierender Provinzpräsident fungiert der Parlamentspräsident und Parteifreund Rugovas, Nexhat Daci.

(apa)