Rückgang des Gewinns bei DaimlerChrysler:
Verlust bei Mercedes vor allem durch smart

Mehr als 50 neue Modelle bei Autoproduzenten

Der Stuttgarter Autobauer Mercedes ist im vergangenen Jahr erstmals seit zwölf Jahren tief in die roten Zahlen gerutscht. Verantwortlich dafür seien vor allem die Kosten für den Abbau tausender Stellen und die Sanierung des Miniflitzers Smart, der ebenso zur Mercedes-Gruppe gehört wie die absatzschwache Luxusmarke Maybach, teilte die Konzernmutter DaimlerChrysler am Donnerstag in Sindelfingen mit.

DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche, der auch Mercedes verantwortet, nannte das Ergebnis "unbefriedigend". Insgesamt konnte der deutsch-amerikanische Autobauer aber dank guter Nutzfahrzeug-Geschäfte seinen Gewinn unterm Strich um gut 15 Prozent auf 2,8 Mrd. Euro steigern.

Hatte die Mercedes-Gruppe 2004 noch einen satten operativen Gewinn von 1,7 Mrd. Euro eingefahren, brachen die Ergebnisse angesichts der Querelen um die Qualität der Nobelmarke und der Probleme bei Smart im vergangenen Jahr dramatisch weg. Der Betriebsverlust der Mercedes-Gruppe belief sich auf 505 Mio. Euro. Dabei summierten sich alleine die Aufwendungen für Smart auf 1,1 Mrd. Euro. Daimler hatte wegen der Milliardenverluste des Kleinwagens im vergangenen Jahr die Notbremse gezogen und die Produktion des Smart Roadster sowie die Entwicklung des Geländewagens eingestellt. Jeder dritte der 2200 Arbeitsplätze wurde gestrichen.

Auch bei der Nobelmarke Mercedes-Benz drückte der bereits seit September verantwortliche Zetsche aufs Tempo. Von dem insgesamt angekündigten Personalabbau um 8.500 Stellen hätten bis Ende 2005 bereits 5.000 Beschäftigte den Konzern mit freiwilligen Abfindungen oder in den Vorruhestand verlassen. Dafür musste DaimlerChrysler 570 Mio. Euro ausgeben. Aufgrund der bis Ende 2011 geltenden Betriebsvereinbarung sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Dennoch sollen zusätzlich weltweit 6.000 Arbeitsplätze in der Verwaltung wegfallen - die meisten davon in Deutschland. Darüber hinaus gäbe es derzeit jedoch keine Pläne für "große Personalmaßnahmen", versicherte der seit knapp zwei Monaten amtierende Daimler-Chef.

Bei Chrysler lief es ebenfalls nicht ganz rund. Zwar konnte die US-Tochter im vergangenen Jahr auf dem hart umkämpften amerikanischen Markt mit 2,8 Mio. Fahrzeugen der Marken Chrysler, Jeep und Dodge mehr verkaufen als 2004 und übertraf damit sogar den Umsatz der Mercedes-Gruppe. Dennoch konnte Chrysler im Vergleich zum Vorjahr seinen Betriebsgewinn nur durch den Verkauf des Testgeländes in Arizona leicht steigern. Dagegen brummte das Geschäft mit Lkws, Transportern und Bussen. Dank eines gewaltigen Umsatzsprungs konnte die Sparte ein Rekordergebnis verbuchen.

Insgesamt verkaufte der DaimlerChrysler-Konzern im vergangenen Jahr 4,83 Mio. Fahrzeuge. Das war ein Plus von rund drei Prozent. Der Konzernumsatz stieg um fünf Prozent auf 149,8 Mrd. Euro. Wegen der für die Stellenstreichungen noch nicht absehbaren Kosten blieb Zetsche bei der Prognose für 2006 vage. Er strebe leicht bessere Erträge an, sagte er lediglich. Zudem stehen auch für DaimlerChrysler in diesem Jahr harte Tarifauseinandersetzungen mit ungewissem Ausgang an. Die deutsche Gewerkschaft IG Metall fordert in der Tarifrunde fünf Prozent mehr Lohn. Zetsche kritisierte die Forderung als "nicht realistisch".

Die Börsianer sahen Bilanz und Ausblick des Autokonzerns ebenfalls kritisch: Nach den Gewinnen der Vortage notierte die DaimlerChrysler-Aktie in Frankfurt am frühen Nachmittag mit knapp zwei Prozent im Minus.

(apa)