Rudolf Edlinger im NEWS-Interview: "Rapid ist nicht käuflich - und das wird so bleiben"

Klub-Boss sagt Bullen aus Salzburg den Kampf an PLUS: Rückblick auf eines der besten Rapid-Jahre

Einen turbulenten Jahreswechsel hat Rapid-Präsident Rudolf Edlinger hinter sich. Zuerst verabschiedete sich Mannschaftskapitän Steffen Hofmann Richtung München, jetzt pokert Salzburg-Sportchef Kurt Jara mit allen Mitteln und Red-Bull-Millionen um Andreas Ivanschitz. Und seit 1. Jänner sitzt Ex-Pasching-Erfolgscoach Georg Zellhofer beim Rekordmeister auf der sportlichen Kommandobrücke, nachdem Josef Hickersberger aus "St. Hanappi" ausgezogen ist, um die österreichische Nationalmannschaft fit für die Heim-EM 2008 zu trimmen. Aber der grün-weiße Präsident hält auch in stürmischen Zeiten den Kurs. Im NEWS-Interview gibt er die Parole aus: "Rapid ist die beste Marke in der österreichischen Liga. Und wir werden das auch in der Zukunft sein."

NEWS: Kapitän Steffen Hofmann ist weg, Andi Ivanschitz will weg - zerfällt jetzt die erfolgreiche Meistermannschaft?

Edlinger: Wenn ein oder zwei Spieler den Klub verlassen, dann ist das noch kein Zerfall. Der Abgang von Hofmann war vorauszusehen. Sein Vertrag wäre im Juni ausgelaufen, er hat unser Angebot zur Verlängerung schon vor einiger Zeit nicht angenommen. Für die vorzeitige Auflösung haben wir von 1860 München eine faire Ablöse bekommen. Und die Münchner haben sich zu jedem Zeitpunkt sehr anständig verhalten. Ganz im Gegensatz zu Red Bull.

NEWS: Warum wollen Sie einen Spieler wie Ivanschitz halten, der öffentlich erklärt, lieber heute als morgen nach Salzburg wechseln zu wollen?

Edlinger: Andi Ivanschitz vergisst dabei, dass er einen rechtsgültigen Vertrag mit Rapid bis zum Sommer 2007 unterschrieben hat. Langfristige Verträge geht man ein, um wechselseitig Sicherheit zu haben. Wir haben mit ihm bereits 2003 bis 2007 verlängert, weil wir eben vermeiden wollten, dass er und Hofmann zur gleichen Zeit den Klub verlassen können. Daher gibt's von unserer Seite nach dem Abgang von Hofmann ein klares Nein zu den Abwanderungsplänen von Ivanschitz.

NEWS: Sind Sie von ihm menschlich enttäuscht?

Edlinger: Ich kann nachvollziehen, wenn ein so junger Spieler angesichts der kolportierten Summen in Seelenqualen verfällt, bei einem Angebot, das ihm ein Vielfaches von dem bringen würde, was er bei uns verdient. Das ist normal. Wirklich empört bin ich nur über die Vorgangsweise von Red Bull. Unser Sportdirektor wurde erstmals am 21. Dezember von den Salzburgern über ihr Interesse informiert. Aber es sieht so aus, dass mit Ivanschitz schon lange vorher verhandelt wurde. Das ist nach den Regularien des ÖFB und der FIFA verboten. Und das lässt sich Rapid auch nicht gefallen, dagegen werden wir uns mit allen Mitteln wehren.

NEWS: Ab wie vielen Millionen könnte Rapid schwach werden?

Edlinger: Da müsste es sich schon um einen Betrag handeln, der in Österreich bisher noch nie für einen Fußballer bezahlt wurde und der sich in internationalen Dimensionen bewegt. Am Montag haben wir von Red Bull ein Vertragsangebot bekommen, das ich als reine Frotzelei betrachte. Der ausgewiesene Fußballfachmann Jara hat selbst erklärt, dass er Ivanschitz für das größte österreichische Fußballtalent hält. Und er stellt ihn dabei in eine Reihe mit einem Wayne Rooney oder einem Ronaldinho. Jara müsste also wissen, was solche Leute kosten. So gesehen ist das vorliegende Salzburg-Angebot ein Witz. Auf solche Frotzeleien reagiere ich gar nicht.

NEWS: Wie schwer wiegt der Abgang von Meistertrainer Josef Hickersberger?

Edlinger: Er hat die Mannschaft in einer Phase übernommen, wo es sehr wichtig war, dass wir einen Trainer haben, der individuell auf die Spieler zugeht, der aufgrund seiner langjährigen Erfahrung imstande war, eine schlagkräftige Mannschaft ohne spektakuläre Transfers auf die Beine zu stellen. Das ist ihm hervorragend gelungen. Deshalb gab es von unserer Seite überhaupt keinen Grund, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Wir haben ihm auch ein sehr gutes Angebot gelegt, wie er selbst wiederholt in der Öffentlichkeit bestätigt hat. Aber dann ist der ÖFB an ihn herangetreten. Und mein persönlicher Eindruck ist, dass trotz seiner Erfolge als Trainer, nicht nur bei Rapid, nach wie vor dieses Färöer-Trauma tief in ihm drinnensteckt. Die Chance, dieses Trauma endgültig zu verarbeiten, ist natürlich dann gegeben, wenn er die Nationalmannschaft erfolgreich bei der Heim-EM betreut. Diese Chance wollte Rapid einem so verdienten Trainer nicht verbauen, obwohl der Zeitpunkt seiner Bestellung vonseiten des ÖFB nicht unbedingt optimal gewählt war, vor allem für Rapid nicht.

NEWS: Warum haben Sie sich von Anfang an auf einen Österreicher als Hickersberger-Nachfolger festgelegt?

Edlinger: Das Rapid-Präsidium und das Klubmanagement hängen der Philosophie nach, dass wir als größter und erfolgreichster österreichischer Fußballverein Österreicher forcieren, Spieler genauso wie Trainer. Rapid will als die österreichische Fußballmarke in der Bundesliga mitspielen. Das hat überhaupt nichts mit Chauvinismus zu tun. Wir sind nur der Meinung, dass es in Österreich genügend qualifizierte Trainer gibt, und Georg Zellhofer gehört mit Sicherheit dazu. Er ist ein sehr ernsthafter und redlicher Mensch, der analytisch an seine Aufgaben herangeht. Und er passt meiner Meinung nach perfekt zu uns, weil er ein Teamarbeiter ist. Ich bin überzeugt, dass unser neuer Trainer in der Lage ist, die Mannschaft neu zu motivieren, ihr seine speziellen taktischen und spielerischen Ideen zu vermitteln. Denn der Herbst ist, bedingt durch negative Einflüsse von außen, nicht ganz so gelaufen, wie wir uns das eigentlich vorgestellt haben. Aber die Mannschaft ist im Kern stark genug, den Rückstand aufzuholen und bei der Titelvergabe noch ein Wörtchen mitzureden. Auf jeden Fall wollen wir uns wieder für einen europäischen Bewerb qualifizieren.

NEWS: Wie steht Rapid heute wirtschaftlich da?

Edlinger: Wir haben in der Champions League vier Millionen Euro netto verdient, verfügen über ein ausgeglichenes Budget. Dank unserer zahlreichen Sponsoren gehört der Verein nach wie vor den Mitgliedern und Fans. Und nicht irgendeinem reichen Onkel. Und so soll's auch bleiben.