"Rosenkrieg" am Opernball '06: Fair-Trade-Organisator wurde der Auftrag entzogen

Kein fair gehandelter Blumenschmuck auf dem Event 30.000 Rosen sollten die Wiener Oper verschönern

Wirbel um die Rosen am Wiener Opernball: Nachdem Ende des vergangenen Jahres beschlossen wurde, dass der Ball am 23. Februar mit 30.000 fair gehandelten Blumen ausgestattet wird, wurde der Organisation Food First Informations- und AktionsNetzwerk für das Menschenrecht sich zu ernähren (FIAN) nach eigenen Angaben nun von Organisatorin Elisabeth Gürtler der Auftrag entzogen. Margot Fassler, Sprecherin der Organisation, vermutete, dass "Neid um einen Sponsor" dahinter steckt. Gürtler wies die Vorwürfe gegenüber der APA scharf zurück.

Ursprünglich hätte FIAN 30.000 Rosen mit einem FLP-Gütesiegel für menschenwürdige und umweltverträgliche Schnittblumenproduktion aus Ecuador für den Ball besorgen sollen. Doch überstiegen die Kosten der edlen Pflanzen die ursprünglich angenommene Summe. "Wir mussten uns deshalb um Sponsoren umsehen, die wir dann auch gefunden haben", meinte Fassler zur APA. Einer der Geldgeber sei auch ein jahrelanger Unterstützer des Balls gewesen.

"Dann hat uns Frau Gürtler plötzlich den Auftrag entzogen", sagte Fassler. Die Organisation vermutet nun, dass der Opernball den Sponsor nicht teilen wollte. FIAN sei jedenfalls mitgeteilt worden, dass die Blumen nun bei einem anderen Fair-Trade-Unternehmen bestellt werden. "Die können die benötigten Rosen aber gar nicht liefern", meinte Fassler.

Elisabeth Gürtler wies die Vorwürfe scharf zurück. Es könne nicht angehen, dass sich ein Unternehmen, das an den Blumen letztlich verdient, die Lieferung von Sponsoren des Opernballes finanzieren lasse und gleichzeitig die Werbung dafür erhalte. "Man kann ja wohl nicht glauben, dass ich so blöd bin und das zulasse", meinte die Organisatorin.

Außerdem würde es am Opernball sehr wohl Blumen unter einem "Fair Trade"-Gütesiegel geben - allerdings von einem anderen Unternehmen. "Wir haben einen Blumenhändler gefunden, der uns diese zur Verfügung stellt", sagte die Organisatorin.

Kritik von Seiten der Grünen
Kritik kam indes auch von den Grünen: "Es ist mir vollkommen unverständlich, warum wegen des Konflikts um einen - gemessen am Gesamt-Volumen des Opernballs - relativ geringen Sponsoren-Betrag die Organisatorin des Opernballes die Chance vergibt, Werbung für mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel zu machen", bedauerte Ulrike Lunacek, außenpolitische Sprecherin der Grünen. Gerade der Rahmen der österreichischen EU-Präsidentschaft hätte das gesteigerte Aufmerksamkeit für den Fairen Handel im Allgemeinen - und für Blumen im Besonderen - bedeutet.

SPÖ fordert neue Verhandlungen
Die SPÖ-Sprecherin für Entwicklungszusammenarbeit, Petra Bayr, fordert neue Verhandlungen zwischen den Opernballverantwortlichen und der Fair Trade Organisation FIAN. "30.000 fair gehandelte Rosen auf dem berühmtesten Ball der Welt, das wäre ein wichtiges und wertvolles Zeichen für menschenwürdige und umweltverträgliche Blumenproduktion, die zu zwei Drittel in Ländern entlang des Äquators stattfindet, betonte Bayr in einer Aussendung.

Die Blumen wären ein Zeichen, "das von Wien aus in die ganze Welt gesendet wird". "Ich bin davon überzeugt, dass dieses Signal auch im Sinne des Opernballs ist und dass die vorhandene Zeit ausreicht, um eine Lösung zu finden", so Bayr.

"Auf den meisten Blumenfarmen arbeiten Frauen, Männer und oft auch Kinder unter sehr schlechten Arbeitsbedingungen und unter Einsatz von teils hochgiftigen Chemikalien und zu extrem niedrigen Löhnen", erklärte die SPÖ-Sprecherin für Entwicklungszusammenarbeit. Gerade Rosen verlangen ein hohes Maß an Pflege - und es seien mehrheitlich Frauen, die in Afrika und Lateinamerika von den Verbesserungen der Arbeitsbedingungen durch Fairtrade-Betriebe profitieren. Weiterbildungsangebote, Kinderbetreuung, faire Löhne, Verbot von Kinderarbeit, Gesundheitsschutz und soziale Projekte kommen dabei direkt den Arbeiterinnen und ihren Familien zu Gute.
(apa)