Schon im Mai hatte es Kritik an der Rettungsgasse, die im Jänner eingeführt wurde, gegeben. Während sie damals vor allem von Autofahrern, die erklärten, die Regelung würde schlecht funktionieren, kam, kommt die Kritik nun aber von mehreren Rettungskräften. Seit Einführung der neuen Regelung würde es länger dauern, zum Unfallort zu gelangen, heißt es. Insgesamt wünsche man sich allerdings kein Ende der Rettungsgasse, beteuern die Einsatzorganisationen unisono.
Eine in österreichischen Medien aufgeflammte Diskussion um die Rettungsgasse im Straßenverkehr stieß bei den größten österreichischen Einsatzorganisationen und bei für die Sicherheit im Autoverkehr Verantwortlichen eher auf Erstaunen. Im "Kurier" wurde etwa ein Sanitäter zitiert, der meinte: "Wer die Rettungsgasse wieder abschafft, den schlage ich für einen Orden vor." Gegenüber der APA erklärte man nun aber praktisch unisono, dass die seit Anfang des Jahres geltende Regelung ohne Alternative sei. Man sprach sich dafür aus.
Für Rot-Kreuz-Sprecher gibt es "keine Alternative"
Rot-Kreuz-Sprecher Andreas Zenker (Wien, Niederösterreich): "Wir stehen der Rettungsgasse nach wie vor sehr positiv gegenüber. Es gibt keine Alternative. Die Sache mit dem Pannenstreifen ist vorbei. Zum Teil sind sie sehr schmal, auch gar nicht immer vorhanden. Außerdem war die Benutzung des Pannenstreifens (durch Einsatzfahrzeuge, Anm.) auch unfallbelastet. Auf drei oder vier Kilometern ging dann halt oft eine rechte Autotür auf."
Man müsse, so Zenker, Geduld haben: "Wir haben auch immer gesagt, dass die Umsetzung nicht so schnell gehen wird. Da muss die Verhaltensweise einer ganzen 'Autofahrerwelt' verändert werden." Erst bis eine "kritische Masse" der Verkehrsteilnehmer ausgebildet sei und das Wissen auch umgesetzt werde, würde sich das richtige Verhalten endgültig etablieren. Der RK-Sprecher: "In ländlichen Gebieten ist das natürlich einfacher als auf Stadtautobahnen oder im Bereich von Baustellen."
Samariterbund steht "voll hinter der Rettungsgasse"
Ganz ähnlich auch Karola Foltyn-Binder vom Arbeiter-Samariter-Bund Österreich: "Wir stehen voll hinter der Rettungsgasse. Wir haben da ein sehr positives Bild und halten das für eine sehr wichtige Maßnahme. Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht." Etwaige Adaptierungen könne man sich nach einer längeren Zeit der Umsetzung durchaus überlegen.
"Es hat sich nichts geändert. Am 15. Juni gab es eine Sitzung des Lenkungsausschusses beim Verkehrsministerium, in der sich alle Organisationen sehr positiv ausgesprochen haben", sagte ASFINAG-Sprecher Christoph Pollinger. Er verwies auch auf sehr gute Umfragedaten: "Die Österreicherwissen, wann und wie die Rettungsgasse zu bilden ist. Eindrucksvolle 91 Prozent der Autofahrer sagten laut einer IFES-Studie 'Ja' zu dem neuen Gesetz."
"Man muss die Evaluierungsphase abwarten"
Beim Kuratorium für Verkehrssicherheit äußerte sich ein Sprecher ganz ähnlich: "Wir haben von Anfang an gesagt, dass das natürlich Zeit braucht. Man muss die Evaluierungsphase abwarten. Die ist im Laufen." Alle Befragten wiesen auch darauf hin, dass es immer auch negative Einzelerfahrungen geben werden.