Regieren oder Rente: 2006 wird für die Grünen & Van der Bellen zum Schicksalsjahr

Wie der Grünen-Chef um Platz drei kämpfen wird Warum der "Professor" geht, wenn Grüne scheitern

2006 wird das Schicksalsjahr der Grünen. NEWS berichtet, wie Alexander Van der Bellen um Platz drei kämpft. Und warum er geht, wenn die Grünen scheitert.

Die Nummer klingt in den Ohren mancher Journalisten so, als ob da in die Jahre gekommene Hippies ihren Kids aus der Generation iPod eine alte Vinylscheibe von den Rolling Stones vorspielen - und mit glänzenden Augen auf Begeisterungsstürme warten. Zentrales Wahlkampfthema der Grünen ist anno 2006 die "Energiewende", verordnen Alexander Van der Bellen und Hauptrednerin Eva Glawischnig ihrem Parlamentsklub - und dem geneigten Publikum - als Marschroute für das Jahr der Entscheidungswahl. Dass mindestens ein ganzer Jahrgang an Jungwählern erst nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl geboren ist und diese Zielgruppe möglicherweise bei Atomkraft statt kaltem Schaudern ein Gähnanfall überkommt, wird im Eifer des Gefechts glatt übersehen.

Dafür wird - ganz wahlkampfgestreamlined - geflissentlich das Thema Benzinpreis ausgelassen und nur übers Heizen gesprochen. Jobs, Frauen, das neue Thema Bildung sind auch wichtig - etwa rebellischen Wienern, deren grüne Gewerkschafter Van der Bellen wegen "lascher Haltung" zur Post-Privatisierung per Protestaussendungen kritisierten. Der Kern des Konflikts, ob und mit wem, vielleicht gar mit Fundi-Gottseibeiuns Schüssel, Grüne regieren sollen, liege bis zum Wahlabend auf Eis, atmet man bei den grünen Granden auf.

Van der Bellens Entscheidungsjahr
Es ist grüne Klubklausur. Ein Medienevent, gefälligst ohne medial auszunutzende Richtungsdebatte. Man ist betont freundlich zu den Journalisten. Am Abend, beim Thermen-Heurigen in Bad Loipersdorf, gibt man sich volksnah. Eva Glawischnig erzählt von jenseitigen Wahlkampfauftritten im Kärntner Fasching - als sie etwa Exminister Herbert Haupt am Ball zum Tanzen aufforderte. Alexander Van der Bellen lauscht dem Wirt, der ausführlich davon erzählt, wie im vorigen Jahr Jörg Haider höchstpersönlich vorbeigeschaut hat. Und zu den Klängen einer Steirischen Knöpferlharmonika verspeisen die Grünen ganz unökologisch Blunzn, Schweinsbratl und Knödel.

Volksnähe? Das geht freilich auch im entscheidenden Wahljahr 2006 etwas zäh von der Hand. Und wenn Alexander Van der Bellen, auf dem die Hauptlast des Wahlkampfs ruhen wird, von seinem "Lebenstraum" erzählt, Haider und seinen "kalten Aufguss" Strache von Platz drei zu verdrängen, schwingt fast Trotz mit. Natürlich sei die Wien-Wahl ärgerlich gewesen, nicht wegen des Resultats, sondern wegen der missglückten Erwartungssteuerung. Ebenso sei klar, dass selbst die grünen Urmütter Freda Meissner-Blau und Madeleine Petrovic zustimmen würden, dass Sozial-, Frauen-, Bildungs-und Ausländerthemen ebenso wichtig für die Grünen als Partei sind wie Umwelt-und Tierschutz. Und außerdem: 20 Jahre nach dem erstmaligen Einzug von Grünen ins Parlament sei man auf eine Regierungsbeteiligung "besser denn je" vorbereitet.

Alles oder nichts
Für den in Beliebtheitsskalen nach wie vor hoch angesiedelten 62-jährigen Ökonomieprofessor geht es bei dieser Wahl um alles oder nichts, um den Durchbruch bis auf Regierungsebene oder baldigen Politruhestand. Van der Bellen selbst, im vergangenen Jahr etwas außer Tritt geraten, will es noch einmal wissen: "Ich kämpfe erstmals direkt in einem Wahlkreis, in Wien Nord-West, um ein Grundmandat." Das Ziel, so gibt er zu, ist ausgesprochen ehrgeizig: "Voraussetzung ist, dass wir in ganz Wien hervorragend abschneiden, besser als bei der Wahl 2002. Und das ist wiederum die Voraussetzung, dass wir auch österreichweit Platz drei erreichen." Genau deshalb wird auch die "Nummer 1B", so Van der Bellen, Eva Glawischnig, nicht nur die Wiener Landesliste, sondern auch die Wahlkreisliste Wien Süd-West anführen.

Wie die Strategie der Grünen für die Nationalratswahlen 2006 aussieht und warum Van der Bellen geht, wenn er scheitert, lesen Sie im aktuellen NEWS!