Raich bleibt Kombi-Kaiser: Sieg in Wengen
vor Aamodt und Fill, Walchhofer Vierter!

Miller im Pech: Bestzeit wegen Torfehler ungültig 5. Defago, 6. Jansrud, 7. Kjus, 8. Bourgeat

Benjamin Raich hat am Freitag den nächsten wichtigen Schritt Richtung Gesamtweltcup-Sieg gemacht. Der Tiroler gewann in Wengen die zweite Super-Kombination des Olympia-Winters 19/100 Sekunden vor dem Norweger Kjetil-Andre Aamodt sowie 32/100 vor dem Südtiroler Peter Fill. Damit liegt Raich in der Gesamtwertung bereits 186 Punkte vor seinem ersten Verfolger.

Dieser heißt seit Freitag Michael Walchhofer. Der Salzburger, der die Super-Kombination in Val d'Isere für sich entschieden hatte und nach seinem Abfahrtserfolg noch 1,93 Sekunden vor Raich gelegen war, schrammte am Lauberhorn nur um vier hundertstel Sekunden am Podest vorbei und wurde Vierter.

"Wengen ist ein guter Boden für mich, denn das war schon mein fünfter Sieg hier", betonte Raich nach dem insgesamt 19. Weltcup-Sieg seiner Karriere, dem zweiten in der Kombination, nachdem er bereits im Vorjahr bei der Super-Kombi-Premiere in Wengen erfolgreich geblieben war. "Mit Platz 13 in der Abfahrt, in der ich keinen Fehler gemacht habe, war ich sehr zufrieden, den Slalom bin ich dann zwar nicht perfekt, aber normal und vor allem sicher gefahren - das hat zum Sieg gereicht."

Des einen Freud, des anderen Leid
Dass sein dritter Saisonsieg vor allem deshalb zu Stande kam, weil der Abfahrtszweite Bode Miller den Sieg vor Augen kurz vor dem Ziel eingefädelt war, juckte den 27-jährigen Pitztaler überhaupt nicht. "Man muss es nehmen, wie es ist, auch mir ist das schon passiert", meinte Raich. "Bis zum Einfädler ist Miller aber sehr gut unterwegs gewesen und hätte auch sicher gewonnen. Ich sage ja schon lange, dass man im Gesamtweltcup auf Walchhofer aufpassen muss, und auch einen Miller darf man nie abschreiben. Dem muss man immer alles zutrauen."

Nach dem 19. Saisonrennen beträgt der Rückstand des Weltcup-Titelverteidigers aus den USA jedoch bereits 217 Zähler. In der Lauberhorn-Abfahrt am Samstag will Miller aber den Rückstand wieder verkürzen, ebenso wie Walchhofer, der mit Platz vier in der Super-Kombi nicht restlos zufrieden war. Das lag auch an einer Fehlinformation von Raich.

"Da Miller und Rocca trotz ihrer Einfädler noch in der Wertung waren, habe ich den Benni wegen meiner Platzierung gefragt. Der hat gemeint, ich wäre Dritter geworden. Deshalb war ich dann etwas enttäuscht, als ich dann realisiert habe, dass es Platz vier wurde", erzählte Walchhofer, der es am Samstag Raich nachmachen und seinen Vorjahressieg ebenfalls wiederholen will.

"Im Slalom war ich schon ein bisschen müde, nicht mehr so spritzig. Doch mit der Abfahrtsleistung habe ich mir viel Selbstvertrauen für die Spezialabfahrt geholt", weiß der 1,92 m große Salzburger um seine Favoritenrolle und erwartet Fritz Strobl, Marco Büchel, Bode Miller und Hermann Maier als erste Herausforderer auf der längsten Saisonabfahrt.

Herminator auf Platz 23
Maier beendete die Kombination auf Rang 23. Den Slalom fuhr er übrigens mit einer pechschwarzen Haube auf dem Haupt. "Bei meiner Geschwindigkeit im Slalom kann ich guten Gewissens auf den Helm verzichten", erklärte Maier, für den der Kombi-Slalom in erster Linie "eine Gaude" war. "Wichtiger war für mich der dritte Platz in der Abfahrt, denn da habe ich gemerkt - vor allem im unteren Teil, dass es weiter aufwärts geht. Ich kriege alles wieder in den Griff und komme rechtzeitig vor Olympia wieder in Form."

Rainer Schönfelder war nach Platz zwölf dagegen "angefressen". Weil Slalom-Saisondominator Giorgio Rocca in der Abfahrt ein Tor aus der Verankerung gerissen hatte, war der Kärntner nach über eine Minute Fahrzeit abgewunken worden. "Wenn du auf der langen Strecke deinen Lauf wiederholen musst, dann bist du chancenlos, das kostet einfach zu viel Kraft", betonte Schönfelder, der aber mit seiner Slalom-Lestung - unmittelbar hinter Raich Fünfter - zufrieden war.

Die Torlauf-Bestzeit ging übrigens wie schon in Val d'Isere an den Franzosen Jean-Baptiste Grange, obwohl er erst mit Startnummer 43 den dichten "Stangenwald" in Angriff genommen hatte. Der Slowene Andrej Krizaj, Sohn des ehemaligen Slalom-Weltcupläufers Bojan Krizaj, holte gleich beim Weltcup-Debüt mit Rang 30 seinen ersten Punkt.

Endergebnis
1. Benjamin Raich AUT 2:38,46 Min.
2. Kjetil-Andre Aamodt NOR 2:38,65 +0,19
3. Peter Fill ITA 2:38,78 +0,32
4. Michael Walchhofer AUT 2:38,82 +0,36
5. Didier Defago SUI 2:39,78 +1,32
6. Kjetil Jansrud NOR 2:39,90 +1,44
7. Lasse Kjus NOR 2:39,99 +1,53
8. Pierrick Bourgeat FRA 2:40,22 +1,76
9. Aksel Lund Svindal NOR 2:40,34 +1,88
10. Lars Myhre NOR 2:40,74 +2,28
11. Silvan Zurbriggen SUI 2:40,91 +2,45
12. Rainer Schönfelder AUT 2:40,98 +2,52
13. Jean-Baptiste Grange FRA 2:41,06 +2,60
14. Marc Berthod SUI 2:41,08 +2,62
15. Andrej Sporn SLO 2:41,42 +2,96
16. Lucas Senoner ITA 2:41,49 +3,03
17. Ales Gorza SLO 2:41,61 +3,15
18. Patrick Staudacher ITA 2:41,64 +3,18
19. Steven Nyman USA 2:41,67 +3,21
20. Christoph Gruber AUT 2:42,04 +3,58
21. Ondrej Bank CZE 2:42,13 +3,67
21. Ryan Semple CAN 2:42,13 +3,67
23. Hermann Maier AUT 2:42,15 +3,69
24. Adrien Theaux FRA 2:42,45 +3,99
25. Andrej Jerman SLO 2:42,78 +4,32
26. Pierre Paquin FRA 2:42,97 +4,51
27. Filip Trejbal CZE 2:43,11 +4,65
28. Ivica Kostelic CRO 2:43,47 +5,01
29. Scott Macartney USA 2:43,48 +5,02
30. Andrej Krizaj SLO 2:44,27 +5,81

Ausgeschieden:
Im Slalom, u.a.: Bode Miller (USA), Stefan Johann Thanei, Giorgio Rocca (beide ITA), John Kucera (CAN), Daniel Albrecht (SUI)
In der Abfahrt, u.a.: Daron Rahlves (USA), Hannes Reichelt, Mario Matt (beide AUT), Kurt Sulzenbacher (ITA), Werner Heel (ITA)

(apa/red)