Rad: Tour-Etappensieger Georg Totschnig fährt 2006 auf das Gesamtklassement

Rücktrittschance zu Saisonende: "50:50 Prozent" Gerolsteiner-Spitze Totschnig/Leipheimer/Rebellin

Rad: Tour-Etappensieger Georg Totschnig fährt 2006 auf das Gesamtklassement

Einen großen Traum hat sich Georg Totschnig bereits im Vorjahr mit dem ersten Etappensieg bei der Tour de France erfüllt, 2006 will der Tiroler auch in der Gesamtwertung der wichtigsten Radrundfahrt der Welt wieder eine gewichtige Rolle spielen. "Siebenter war ich schon (2004), das brauch ich heuer nicht mehr werden", sagte Österreichs Sportler des Jahres am Dienstag nach der Präsentation seines Gerolsteiner-Rennstalles der APA - Austria Presse Agentur.

Die 92. Auflage der Frankreich-Rundfahrt hatte Totschnig 2005 trotz seines unvergessenen Tagessieges am 16. Juli in Ax-3-Domaines (14. Etappe) nur auf dem 26. Gesamtrang beendet, gab aber offen Fehler in der Vorbereitung zu. "Im Vorjahr war ich vielleicht teilweise übermotiviert. Im Training hat die Regeneration gefehlt", gestand der Routinier. Die Folge waren gesundheitliche Probleme und Infekte.

"Mein Ziel ist die Gesamtwertung. Das Wichtigste dafür ist, die Fehler aus dem Vorjahr heuer nicht mehr zu machen und mehr auf meinen Körper zu schauen", erklärte Totschnig. Dafür bestreitet der 34-Jährige im Frühjahr nur spärlich Rennen auf der ProTour (Lüttich-Bastogne-Lüttich, Tour de Romandie), ehe er in der direkten Vorbereitung auf die Tour de France die Dauphine Libere absolviert. "Mein Hauptaugenmerk liegt im Frühjahr ganz klar auf der Vorbereitung. Ich brauche Reserven, will im Sommer in Hochform sein", betonte Totschnig.

An einen Nachteil durch die Streckenführung der Tour 2006, die insgesamt 115 Kilometer Einzelzeitfahren, dafür aber kein Teamzeitfahren beinhaltet, glaubt der ausgewiesene Kletterer nicht. "Wenn alles hundertprozentig passt, verliere ich auch im Zeitfahren nicht allzu viel Zeit. Ich will das Maximum herausholen. Was dann am Ende herauskommt werden wir sehen - ob Sechster, Fünfter oder Vierter", meinte Österreichs Radsport-Aushängeschild. "Dafür muss ich ein offensives Rennen fahren."

Heim-WM als zweites großes Ziel
Als zweites "großes Ziel" für die kommende Saison nennt Totschnig die Heim-WM im September in Salzburg, auf die er sich speziell vorbereiten will. Vorerst laufen aber die Vorbereitungen auf die Frankreich-Rundfahrt im Juli. Am Mittwoch reist Totschnig mit dem Gerolsteiner-Team für zumindest acht Tage ins Trainingslager nach Mallorca, Ende Februar absolviert er in Spanien die ersten Rennen. "Ich fühle mich gut, habe über den Winter mein Programm durchgezogen", sagte der Tiroler, der heuer zum dritten Mal Vater wird.

Seine durch die Wahl zum Sportler des Jahres erhöhte Medienpräsenz habe sich laut eigenen Angaben nicht negativ auf das Trainingspensum niedergeschlagen. Im Gegensatz zu einigen ausgezeichneten Vorgängern geht der Zillertaler reserviert mit öffentlichen Terminen um. "Für mich steht der Sport wieder im Vordergrund, er ist mir wichtiger. Ich bin als Sportler noch zu sehr motiviert", begründete Totschnig, als dessen Managerin seine Frau Michaela fungiert.

Mit ebendieser will der Tiroler, dessen Zweijahres-Vertrag mit Gerolsteiner mit Saisonschluss ausläuft, nach der Tour de France auch "in aller Ruhe" über ein mögliches Karriereende beratschlagen. Die Chancen, auf einen Rücktritt zu Saisonende, bezifferte Totschnig mit "50:50 Prozent". Vorerst verschwende er aber keinen Gedanken daran. Einzig und allein so viel: "Nach einem großen Erfolg aufzuhören, wäre schon auch sehr schön."

Dreierspitze Totschnig/Leipheimer/Rebellin
Der deutsche Profi-Radrennstall Gerolsteiner geht mit einer Spitze von drei Kapitänen in das Rennjahr 2006. Neben dem österreichischen Tour-Etappensieger Georg Totschnig haben auch der Italiener Davide Rebellin und Levi Leipheimer alle Freiheiten. Letzterer hat nach seinem Vorjahressieg bei der Deutschland-Tour große Ziele: "Wenn alles gut läuft, will ich bei der Tour de France auf das Podest", sagte der 32-jährige US-Amerikaner bei der Team-Präsentation am Dienstag in Gerolstein.

"Wir haben uns endgültig in der Weltspitze etabliert. Die Qualität unserer Erfolge hat im Vorjahr eine neue Dimension erreicht", erklärte Teamchef Hans-Michael Holczer, der seit 1999 die Geschicke bei Gerolsteiner führt. Die drei Österreicher Totschnig, Peter Wrolich und Rene Haselbacher machten fast ein Achtel der präsentierten Mineralwasser-Equipe (25 Fahrer) aus. Sowohl der Kärntner Wrolich (im Vorjahr Etappen-Zweiter) als auch der Burgenländer Haselbacher (2005 nicht nominiert) erhoffen sich Startplätze bei der Tour de France.

(apa)