Putin will Hamas-Vertreter einladen! Israel empört: "Dolchstoß in unseren Rücken"!

"Terroristischer Gruppe wird Legitimität verliehen" US-Kritik: "Untergräbt Einigkeit des Nahost-Quintetts"

Israelische Regierungsvertreter haben sich empört über die geplante Einladung des russischen Präsidenten Wladimir Putin an Vertreter der radikalislamischen Hamas geäußert. Putins Ankündigung sei ein "Dolchstoß" in den Rücken Israels, sagte der israelische Erziehungsminister Meir Sheetrit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Mit der Einladung nach Moskau werde einer "terroristischen Gruppe" internationale Legitimität verliehen. "Was würde Moskau sagen, wenn wir tschetschenische Vertreter einlüden?", meinte Sheetrit. Wohnungsbauminister Zeev Boim äußerte sich in einer Erklärung ebenfalls besorgt über die russische Position. Putin spiele mit dem Feuer, warnte er.

Putin will Nahost-Friedensprozess ankurbeln
Der russische Präsident hatte am Vortag bei einem Besuch in Madrid angekündigt, er werde "in Kürze" Hamas-Vertreter nach Moskau einladen, um über die Zukunft des Nahost-Friedensprozesses zu sprechen. Die Hamas hatte bei der Parlamentswahl am 25. Jänner die absolute Mehrheit errungen und die bisher regierende Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas (Abu Mazen) auf den zweiten Platz verwiesen. Die EU und die USA betrachten die Hamas weiterhin als Terrororganisation.

Russland bildet zusammen mit der UNO, den USA und der EU das Nahost-Quartett, das den gültigen Friedensplan für die Beilegung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern aushandelte. Mit seiner Einladung an die Hamas wich Putin von der gemeinsamen Position des Quartetts ab. Bei einem Treffen in London hatten dessen Vertreter im Jänner direkte Verhandlungen mit der Hamas von einem Gewaltverzicht der Organisation abhängig gemacht. Außerdem sollte die Hamas sich zum Existenzrecht Israels bekennen.

Washington akzeptiert "souveräne Entscheidung" Moskaus /b>
Die US-Regierung will die "souveräne Entscheidung" Russlands respektieren. US-Außenministerin Condoleezza Rice habe von ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow die "Zusicherung" erhalten, dass Russland von der Hamas die Anerkennung der grundlegenden Prinzipien zum Nahost-Frieden verlangen werde, sagte Außenamtssprecher Sean McCormack in Washington.

In einer ersten Reaktion hatte Washington am Donnerstag "Erläuterungen" Moskaus verlangt. Die Hamas-Bewegung wird von den USA als Terror-Organisation angesehen.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte am Freitag beim Treffen mit seinen NATO-Kollegen im sizilianischen Taormina, seinem Eindruck zufolge habe die Hamas bisher nicht angekündigt, wie sie die Regierung führen wolle. Er empfahl abzuwarten, was die Hamas beschließen werde.

Israel-Medien: "Sowjetunion ist zurück"
Israelische Medien werteten Putins Einladung als Rückkehr zu sowjetischen Traditionen. "Die Sowjetunion kehrt zurück", titelte die Tageszeitung "Maariv". Angesichts der engen Partnerschaft der USA mit Israel hatte die Sowjetunion die arabischen Staaten unterstützt, die diplomatischen Beziehungen zu Jerusalem wurden 1967 während des Sechs-Tage-Kriegs abgebrochen. Erst nach dem Zusammenbruch der UdSSR 1991 näherten sich Russland und Israel einander wieder an, auch die verstärkte Auswanderung russischer Juden nach Israel wurde möglich.

Ein Kommentator der "Yediot Ahronot" warf Putin vor, er habe aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt. Putin wolle Russland wieder mehr Einfluss in der Region verschaffen. "Zu diesem Zweck streckt er einer der dunkelsten, gefährlichsten Kräfte in der arabischen Welt seine Hand aus."

Die radikal-islamische Hamas stellt nach Aussage ihres politischen Führers Khaled Mashaal Fatah keine Bedingungen für eine Regierungsbeteiligung in den Palästinenser-Gebieten. Auch die Fatah habe der Hamas keine Auflagen für eine Koalitionsbeteiligung auferlegt, sagte Mashaal in einem am Freitag veröffentlichten Interview der regierungsnahen ägyptischen Zeitung "Al-Akhbar". Auftrag der Hamas sei es, alle politischen Fraktionen einzuladen, an der Macht teilzuhaben.

Mashaal, der Vorsitzende des Hamas-Politbüros, bekräftigte, dass die radikal-islamische Organisation keine Alleinregierung anstrebe. "Die Hamas versucht eine Koalitionsregierung zu bilden, und ich sage Ihnen ganz offen, dass sie die Macht in Palästina nicht alleine ausüben wird", sagte er. (apa)